
Jahr des Sparschweins
Die Deutschen stellen sich auf herbe Einschnitte in der Haushaltskasse ein - und wollen mehr Geld auf die hohe Kante legen. Das zeigt der aktuelle "Spar-Index" des Marktforschers Forsa.
Björn BöerChefredakteur44 Prozent der von Forsa befragten Bundesbürger glauben, dass sie im nächsten Jahr weniger Geld haben werden. Bei den 41- bis 50-Jährigen rechnen sogar 51 Prozent mit einer Einschränkung der finanziellen Situation.
Insbesondere mittlere Einkommensbezieher fürchten Einschnitte
Gemessen am Haushalts- Nettoeinkommen fühlen sich vor allem Arbeitnehmer mit einem monatlichen Einkommen von 2.000 bis 3.000 Euro brutto betroffen.
Die Forsa-Umfrage ergab weiter: Nur knapp ein Viertel der Deutschen (23 Prozent) wollen mehr Geld ausgeben als im Vorjahr (24 Prozent). Die Furcht einer Konjunkturkrise, Einsparungen in der Automobilindustrie oder in der IT-Branche, drohende Kurzarbeit und Stellenabbau verunsichern die Bevölkerung.
Der Spar-Index ist damit im dritten Jahr in Folge wieder gestiegen: 65 Prozent wollen im neuen Jahr insgesamt genauso viel oder mehr sparen als im Vorjahr. 2007 waren es 62 Prozent und im Vorjahr 61 Prozent.
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa fragt seit sechs Jahren regelmäßig im Auftrag des Finanzdienstleisters AWD zum Jahresbeginn das Sparverhalten der Bundesbürger ab. 2008 hatten 61 Prozent der Befragten angegeben, den Gürtel enger schnallen zu wollen, nach 62 Prozent in 2007 und 69 Prozent in 2006.
Sparziel Nummer Eins: Energiekosten
Spitzenreiter in der Spar-Hitliste bleibt - wie in den vergangenen Jahren - der Energieverbrauch: 65 Prozent der Bundesbürger möchten bei den Ausgaben für Strom, Öl, Gas und Wasser den Gürtel enger schnallen. Dies sind allerdings acht Prozent weniger als im letzten Jahr. Die drastischen Preiserhöhungen machen eine Drosselung der Energiekosten immer schwieriger.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Sparbereitschaft vor allem beim Geld fürs Reisen mit 48 Prozent (Vorjahr 38 Prozent) und für Restaurantbesuche mit 59 Prozent (50 Prozent) gestiegen. Es folgen die Sparziele Telefonkosten, Versicherungsbeiträge, Lebensmitteleinkauf und Wohnungskosten. Beim Notgroschen wollen hingegen nur 18 Prozent der Befragten sparen. 2008 waren es noch 23 Prozent.
Trotz Verunsicherung bleibt der Wunsch, in die Altervorsorge zu investieren, beständig. Nur 13 Prozent möchten hier Abstriche machen: 2008 waren es 11 Prozent.
„Die Warnungen der Politiker haben den Menschen bewusst gemacht, dass langfristiges Sparen immer wichtiger wird. Die höchsten Renditen fürs Alter bekommt derjenige, der auch in Zeiten von Konjunkturtiefs seinen Sparplan weiter aufrecht erhält," so Carsten Maschmeyer, Vorstandsvorsitzender der AWD Holding AG.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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