
Karstadt-Beschäftigte fordern Klarheit
Die Zitterpartie für die rund 17.000 Karstadt-Beschäftigten geht weiter. Noch immer herrscht keine Klarheit über den künftigen Kurs des angeschlagenen Warenhausriesens. Arbeitnehmervertreter fordern verlässliche Auskünfte.
Björn BöerChefredakteurKein Gesprächstermin mit Verdi
Nur wenige Tage später hatte Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl in einem Interview dem Unternehmen einen harten Sanierungskurs in Aussicht gestellt. Bislang sei von der Karstadt-Unternehmensleitung kein Gesprächstermin mit der Gewerkschaft vereinbart worden, betonte eine Verdi-Sprecherin am Mittwoch.
Der Vorsitzende des Karstadt-Gesamtbetriebsrats, Hellmut Patzelt, kündigte in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" an, zusammen mit der Gewerkschaft Verdi alles daran setzen zu wollen, die Beschäftigten zu schützen. "Was die Mitarbeiter über Jahre aushalten mussten, ist nicht zu glauben", sagte Patzelt.
Derzeit sei über die Zukunft der einzelnen Filialen jedoch noch keine Entscheidung gefallen, betonte Patzelt. "Es gibt keine Schließungsliste", sagte er. Aufsichtsratschef Fanderl hatte zuvor über "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von etwa jedem vierten der insgesamt 83 Warenhäuser gesprochen.
Regierung bislang nicht eingeschaltet
Die Bundesregierung wurde bislang nicht in die Sanierungsbemühungen eingeschaltet. Es gebe keinerlei Kontaktaufnahme, weder von Arbeitnehmer- noch von Arbeitgeberseite, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Das Ministerium verfolge die Entwicklung aber sehr konzentriert. Für mögliche Hilfestellungen etwa auf Bitten des Betriebsrats oder für den Fall einer Insolvenz sei es zu früh. Die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war 2010 an Gesprächen für einen Einstieg des Investors Nicolas Berggruen bei Karstadt beteiligt gewesen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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