Karstadt-Retter Berggruen: zwischen Kunst und Kommerz

Karstadt-Retter Berggruen: zwischen Kunst und Kommerz

Nicolas Berggruen hat Geduld bewiesen und wird nach langem Ringen den Warenhauskonzern Karstadt übernehmen. Doch wie tickt der deutsch-amerikanische Finanzinvestor?

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
2 Min.· Aktualisiert am
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Der 49-Jährige, der Karstadt aus der Insolvenz in eine erfolgreiche Zukunft führen will, verkaufte schon vor Jahren seine Luxuswohnungen in New York, London und Los Angeles - und lebt seither in Hotels rund um die Welt, und allenfalls noch in seinem Flugzeug.

Ein typischer Unternehmer ist Berggruen nicht: Der Sohn des jüdischen Mäzens Heinz Berggruen trägt Dreitagebart und findet, Reiche wie er selbst sollten mehr Steuern zahlen.

Karstadt ist nicht Berggruens erster Überraschungscoup: 2007 übernahm der Deutsch-Amerikaner ebenfalls ohne langen Vorlauf Teile des insolventen Möbelriesen Schieder mit 3.500 Mitarbeitern.

Mit dem Karstadt-Deal wurde der jugendlich wirkende Junggeselle aber auf einmal zur öffentlichen Figur - was ihm nach eigenem Bekunden ganz und gar unangenehm ist.

Schwergewichtiger Investor mit sozialem Gewissen

1961 in Paris geboren, hatte sich Berggruen nach einem Finanzstudium in New York schon früh als privater Investor selbstständig gemacht. 1986 bündelte er seine Aktivitäten unter dem Namen Berggruen Holdings.

Das Unternehmen investiert weltweit vor allem in Firmenbeteiligungen und Immobilien. Als Architekten für seine Projekte beauftragt der Kunstliebhaber gern Köpfe wie Norman Foster, Richard Meier und David Chipperfield.

Zu Berlin hat der Finanzmanager eine besondere Beziehung: Sein Vater, einer der bedeutendsten Kunstsammler des 20. Jahrhunderts, wurde hier geboren und musste 1936 vor den Nazis fliehen.

Der Sohn gründete 2005 die Nicolas Berggruen Holdings im Stadtteil Kreuzberg, die in zahlreiche Immobilien in Berlin und Brandenburg investiert. Sie ist für denkmalpflegerische Renovierungen bekannt. Zum Besitz gehört etwa das traditionsreiche Café Moskau an der Karl-Marx-Allee.

Standbein in Berlin, aber weltweit aktiv

Trotz seines Standbeins in Berlin ist Berggruens Perspektive international. Vor Kurzem gründete er einen in New York beheimateten Thinktank, der sich über künftige Regierungsformen Gedanken machen soll.

Sein Vermögen will Berggruen eines Tages komplett in Projekte im Non-Profit-Bereich investieren. Bei Karstadt dürfte sein Erfolg aber zunächst an der klassischen Gewinn- und Verlustrechnung gemessen werden.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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