
Karstadt-Schicksal: Kommunen verweigern Steuergeschenk
Erst 80 von 94 Kommunen mit Karstadt-Filialen haben einem Steuerverzicht für den Warenhausbetreiber zugestimmt. Dadurch könnte der Insolvenzplan in Gefahr geraten.
Björn BöerChefredakteurBei dem geforderten Verzicht geht es um eine Steuerforderung der Gemeinden von theoretisch bis zu 140 Millionen Euro. Hintergrund dieser Forderung ist ein außerordentlicher Ertrag in der Bilanz des insolventen Warenhauskonzerns, der durch einen Gläubigerverzicht auf Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro entstehen würde.
Sollten die Gemeinden auf ihrem Standpunkt beharren, könnte der Insolvenzplan nicht in Kraft treten, es käme nicht zu dem Gläubigerverzicht und damit wären auch die Steuerforderungen hinfällig. „Das wäre ein absurdes Ergebnis", sagte Schulz.
Insolvenzverwaltung erhöht Druck auf die Kommunen
Der Sprecher des Insolvenzverwalters warf den betroffenen Gemeinden vor, sich an dem Verzicht der Gläubiger bereichern zu wollen und damit die Rettung der Warenhauskette aufs Spiel zu setzen.
Zu den Kommunen, die bislang ihre Zustimmung verweigert haben, zählen nach Darstellung des Insolvenzverwalters München, Köln, Dresden, Leipzig, Hannover, Bonn, Bielefeld, Kaiserslautern, Magdeburg, Kassel, Mainz, Mülheim, Erding und Brandenburg/Havel.
Weitere Bedingung im Insolvenzplan ist die Unterschrift eines Investors. Eine zunächst für Ende April gesetzte Frist war wegen der komplizierten Lage auf den 28. Mai verschoben worden. Als einziger Interessent hat sich der Finanzinvestor Triton gemeldet.
Im Umfeld des Unternehmens wird aber auch immer noch über einen möglichen Einstieg des mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörenden Immobilienfonds Highstreet spekuliert, dem ein Großteil der Karstadt-Warenhäuser gehört.
Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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