
Kein Geld, kein Katalog - aber gute Statistiken
Quelle rutscht tiefer in die Krise. Die Katalog-Druckereien streiken, die Banken auch und die Deutschen lehnen den Massekredit ab. Trotzdem versucht der Versender, positive Stimmung zu machen.
David WöllensteinRedakteurOhne Katalog geht nichts mehr
Das ist beste PR nach dem Motto: Rede in einer Krise niemals von einer Krise. Denn in der Realität stellt sich die Lage des insolventen Unternehmens verheerend dar:
Die Druckereien haben Produktion und Auslieferung des Hauptkatalogs gestoppt. Hintergrund sind die Befürchtungen, dass die Arbeiten nicht bezahlt werden und die Druckereien auf ihren Kosten sitzenbleiben. Der Katalog ist jedoch für den Fortbestand von Quelle entscheidend.
Keine Liquidität
Quelle-Sprecher Manfred Gawlas bestätigte am Freitag, dass Quelle trotz des von der Politik bewilligten Massekredits über 50 Millionen Euro noch nicht über Liquidität verfüge. Man hoffe, dass die Zahlungsfähigkeit Mitte nächster Woche wieder hergestellt sei. "Sobald wir Zugriff auf die Konten haben, werden wir in unserem ureigenen Interesse die drängendsten Rechnungen bezahlen."
Der Insolvenzverwalter geht ebenfalls davon aus, dass die Essener Valovis-Bank bis zum kommenden Mittwoch die Zahlungen an Quelle wieder aufnehmen könne. Bis zum Montag sei mit der Vorlage des äußerst komplizierten Vertrags zu rechnen, der derzeit bereits 700 Seiten umfasse, sagte Thomas Schulz, Sprecher des Arcandor- Insolvenzverwalters. Zahlreiche Auflagen aus Brüssel und des Bundes müssten darin berücksichtigt werden.
"...dann läuft alles wieder normal"
Die Valovis-Bank, die die Finanzgeschäfte für Quelle abwickelt, hat das Versandhaus nach der Insolvenzanmeldung von jeglichen Geldströmen abgeschnitten. "Das wird sich nächste Woche klären. Dann läuft alles wieder normal", sagte ein Arcandor-Sprecher in Essen. Die Sorge der Druckereien bezeichnete er als "verständlich".
Diese sei jedoch unbegründet. Ein Teil der Auflage des Quelle-Katalogs von insgesamt neun Millionen Exemplaren sei zudem bereits ausgeliefert.
Druckmaschinen stehen seit Mittwoch still
Der Katalog wird etwa zu einem Drittel von der Schlott-Gruppe (Freudenstadt) und zu zwei Dritteln von Prinovis mit Sitz in Itzehoe produziert. Auch die mittelständische Unternehmen Print.Forum (Sinsheim) ist beteiligt.
Bei Schlott stehen die Maschinen bereits seit Mittwoch still. Sprecher Marco Walz sagte, bislang sei nicht gewährleistet, dass der Katalog bezahlt werde. "Wir haben noch keine Zusage", sagte er und bestätigte einen Bericht von "Focus Online".
Druckerei will Quelle helfen
Prinovis teilte mit, Schlott und Print.Forum hätten einen Eigentumsvorbehalt auf von ihnen vorproduzierte Druckbögen geltend gemacht. Diese Bögen sollten von Prinovis in Nürnberg zusammen mit Katalogseiten, die im eigenen Betrieb gedruckt wurden, zum Gesamtkatalog weiterverarbeitet werden.
Prinovis sei jedoch verpflichtet, Produktion und Auslieferung des Katalogs auszusetzen, bis die Vorlieferanten von dem Eigentumsvorbehalt zurücktreten, und habe die Maschinen deshalb am Mittwochabend ebenfalls gestoppt. "Wir haben ein Interesse, unserem langjährigen Kunden Quelle zu helfen", sagte ein Firmensprecher. Es liege jedoch nicht in den Händen von Prinovis, wann man die Auslieferung fortsetzen könne.
Bürger lehnen den Massekredit ab
Der Bund sowie die Länder Bayern und Sachsen hatten zur vorläufigen Rettung von Quelle einen Massekredit über 50 Millionen Euro zugesagt. Damit wird die Valovis-Bank besichert. Quelle-Sprecher Gawlas unterstrich, dass Quelle selbst das Geld aus dem Kredit nicht erhält. Zunächst müsse das Factoring-Programm wieder anlaufen. "Jede Verzögerung ist eine weitere Schwierigkeit für uns", räumte er ein.
Eine Mehrheit der Bürger ist laut ZDF-Politbarometer gegen den 50-Millionen-Euro-Kredit für Quelle. 64 Prozent lehnen ihn ab und 31 Prozent finden ihn richtig, ergab die am Freitag veröffentlichte Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen bei 1.206 Wahlberechtigten.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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