Besucher aus ChatGPT und Co. kaufen öfter als andere – das sagt Shopify, und das sagt inzwischen auch Adobe. Wie groß der Vorsprung ist, hängt allerdings davon ab, wer zählt und was.
Achtzig Prozent. So viel häufiger sollen Besucher kaufen, die über eine KI-Empfehlung in einen Shopify-Shop kommen, als Besucher aus der organischen Suche. Die Zahl steht im Bericht „The Entrepreneur Effect“, den Shopify Mitte Oktober veröffentlicht hat, und sie findet sich seitdem in vielen Meldungen. Ein Blick in andere Datenquellen zeigt: Die Richtung dürfte stimmen. Konkrete Ableitungen bleiben aber noch schwierig.
Der Halbsatz, der im Bericht fehlt
Wer die 80 Prozent zurückverfolgt, landet im Enterprise-Blog von Shopify. Dort hat das Unternehmen am 11. August denselben Wert für das zweite Quartal veröffentlicht – mit einem Halbsatz, der im Oktober-Bericht fehlt: Er gilt für Besucher, die eine Produktseite erreicht haben. Wer auf der Startseite landet und wieder geht, zählt nicht mit.
Schon im Mai hatte Shopify für das erste Quartal knapp 50 Prozent gemeldet, ebenfalls nur für Sitzungen, die auf einer Produktseite begannen. Wie viele Shops und Sitzungen hinter den Werten stehen, verrät Shopify nicht. Auch absolute Conversion-Raten fehlen.
Adobe: erst schlechter, dann besser
Die längste Messreihe zum Thema führt Adobe. Das Unternehmen wertet nach eigenen Angaben mehr als eine Billion Besuche auf US-Händlerseiten aus und vergleicht KI-Besucher mit allen anderen. Anfang 2025 war das Ergebnis ernüchternd: Wer aus einem KI-Chat kam, kaufte im Januar laut Adobe 49 Prozent seltener, im Juli noch 23 Prozent seltener (Adobe, August 2025).
Mit dem Weihnachtsgeschäft drehte sich das Bild. Im Juli 2026 lagen KI-Besucher laut Adobe mit 60 Prozent höherer Conversion vorn und brachten 53 Prozent mehr Umsatz pro Besuch (AI Traffic Trends Report, August 2026).

Shopifys 80 Prozent sind nur zur Orientierung eingezeichnet: Shopify vergleicht mit der organischen Suche statt mit allen Quellen und zählt nur Produktseiten-Besucher.
Die Wissenschaft hinkt hinterher
Die bislang gründlichste unabhängige Untersuchung stammt von Maximilian Kaiser (Universität Hamburg) und Christian Schulze (Frankfurt School of Finance & Management). Für ihre in Marketing Science veröffentlichte Studie werteten sie Analytics-Daten von 973 Onlineshops aus. Ergebnis: ChatGPT-Besucher kauften häufiger als Besucher aus Paid Social, aber seltener als aus allen anderen klassischen Kanälen.
Die Daten reichen allerdings nur bis Juli 2025 – also genau bis zu dem Punkt, an dem sich die Kurve bei Adobe zu drehen begann.
Hohe Quote, kleine Basis
Warum KI-Besucher inzwischen besser kaufen, belegt keine der Quellen. Naheliegend ist: Wer im Chat Produkte vergleicht, klickt erst, wenn die Entscheidung fast gefallen ist.
Für den Umsatz spielt das bislang eine kleine Rolle. In Deutschland stammten laut einer Auswertung von SE Ranking von Januar bis April 2026 im Schnitt 0,32 Prozent des Website-Traffics aus KI-Plattformen. Selbst wenn diese Besucher 60 Prozent besser konvertieren, wie Adobe es für die USA misst, kämen sie rechnerisch auf rund ein halbes Prozent der Bestellungen.
Hinzu kommt eine Messlücke, auf die Shopify selbst hinweist: Klicks aus Googles AI Overviews laufen in gängigen Analytics-Tools als organische Suche. Wie gut KI-Traffic im eigenen Shop konvertiert, lässt sich deshalb nur ungefähr sagen.
