
Konsum: Deutscher Optimismus, europäische Katerstimmung
Schuldenkrise? Sie lässt die deutschen Konsumenten kalt: Im Gegensatz zum europäischen Trend hat das Verbrauchervertrauen in Deutschland leicht zugenommen, zeigt eine Nielsen-Studie.
Björn BöerChefredakteurLaut Nielsen-Report halten 46 Prozent der deutschen Verbraucher ihre finanzielle Situation für gut bis exzellent - ein bis zwei Prozent mehr als in den sechs Monaten zuvor und weitaus mehr als im europäischen Durchschnitt (36 Prozent). Nur noch 53 Prozent waren der Ansicht, Deutschland befinde sich in einer Rezession; im Vorquartal waren es noch 58 Prozent gewesen.
Unbeeindruckt von der Schuldenkrise
Während die Bereitschaft einzukaufen im Schnitt europaweit sank, blieb sie in Deutschland gegenüber dem Vorquartal unverändert und damit vier Indexpunkte über dem Niveau des zweiten Quartals 2012.
"Die deutschen Verbraucher lassen sich von der europäischen Schuldenkrise offenbar nicht die Kauflust verderben", erklärte Ingo Schier, Geschäftsführer von Nielsen Deutschland.
Der Manager blickt zuversichtlich in die Konsumzukunft: "Die positive Entwicklung wird möglicherweise in 2013 verstärkt, denn der Staat hat die Einkommenssteuer und die gesetzlichen Rentenbeiträge gesenkt. Zudem gibt es positive Prognosen für die Entwicklung von Beschäftigung, Tariflöhnen und Preisen." Stark angestiegene Energie- und Lebensmittelkosten würden allerdings den Optimismus ein wenig trüben.
Deutschland liegt mit seinen 87 Punkten im Verbrauchervertrauensindex auf Platz vier der fünf größten Volkswirtschaften der Welt. Platz eins belegte Indien, das mit 121 Punkten den weltweit höchsten Index hat. Auf Platz zwei folgte China (108 Punkte). Die USA landeten mit 89 Punkten auf Platz drei.
Trübe Verbraucherstimmung in Europa
In Europa trübte sich die Stimmung weiter ein. Der Verbrauchervertrauensindex sank in den letzten drei Monaten des Jahres 2012 im Vergleich zum dritten Quartal um drei Punkte auf einen Wert von 71.
Einen negativen Trend verzeichneten 20 von 29 Ländern, zehn davon sogar mit einem Vertrauensverlust von sechs oder mehr Punkten - wobei Belgien die Spitzenposition mit minus 14 Punkten einnimmt. Der Index fiel zudem unter anderem in der Schweiz (minus 9 Punkte), Frankreich (minus 9), Österreich (minus 7) und in den Niederlanden (minus 7).

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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