Lidl feuert Deutschland-Chef

Lidl feuert Deutschland-Chef

Im Zuge des Datenschutz-Skandals feuert der Discounter Frank-Michael Mros. Auch die baden-württembergische Datenschutzbehörde hatte sich schon eingeschaltet.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Lidl ist nur wenige Monate nach Bußgeldzahlungen in Millionenhöhe wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern erneut ins Visier der Datenschützer geraten. Das Unternehmen soll die Krankheiten von Mitarbeitern systematisch in firmeninternen Unterlagen festgehalten haben.

"Umfangreichen Fragenkatalog beantworten"

Die Konzernzentrale in Neckarsulm müsse einen "umfangreichen Fragenkatalog" beantworten, teilte die baden-württembergische Aufsichtsbehörde für den Datenschutz im nichtöffentlichen Bereich am Montag mit. Die Datenschützer wollen klären, wo Lidl diese Praxis anwandte. Ob erneut Bußgelder drohen, konnte die Behörde noch nicht sagen.

Der Discounter hat die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten, meldete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende. Demnach setzte das Unternehmen Formulare ein, in den der "Grund der Krankheit" von Mitarbeitern eingetragen werden sollte. Dies legten mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen nahe, die durch einen Zufall in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte dem Magazin, er sehe die Aktion von Lidl äußerst kritisch: "Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an." So steht beispielsweise über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krankgeschrieben war: "Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert", bei einer anderen heißt es als Krankheitsgrund
"Psychologe".

Praxis Ende 2008 eingestellt

Lidl-Deutschland-Chef Frank-Michael Mros hatte die Existenz der Krankenformulare gegenüber dem Magazin zugegeben. Die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzeptes bei Lidl Ende 2008 eingestellt worden, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Die Listen seien nicht datenschutzkonform gewesen, hätten aber dazu gedient, die Mitarbeiter ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend einzusetzen.

Für die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zeigen die neuen Vorfälle, dass das Unternehmen seit dem Bespitzelungsskandal im vergangenen Jahr nichts gelernt hat. Damals hatten Detektive im Auftrag von Lidl das Verhalten von Mitarbeitern überwacht und protokolliert. Den Verbrauchern riet Roth im Internetportal stern.de, sich einen Einkauf gut zu überlegen.

"Die Verbraucher können deutlich machen, dass sie nicht einverstanden sind, wenn bei Lidl die Rechte der Arbeitnehmer mit Füßen getreten werden. Das können sie auch mit ihrer freien Entscheidung, wo sie einkaufen, tun." Zu einem direkten Boykott wollte Roth aber nicht aufrufen.

Ganzheitliches Datenschutzkonzept

"Lidl arbeitet seit April vergangenen Jahres konsequent daran, ein ganzheitliches Datenschutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Hierbei werden alle Geschäftsprozesse gewissenhaft untersucht und gegebenenfalls überarbeitet", betonte Joachim Jacob, ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Bundes und Berater von Lidl für den Datenschutz, in der Erklärung vom Samstag.

Mehr als 3000 Filialen und 34 Regionalgesellschaften seien in diesen Prozess eingebunden, "das nimmt zwangsläufig Zeit in Anspruch." Alle Einträge in die Akten stammen laut "Spiegel" aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden bei Lidl, die im März 2008 bekanntgeworden waren.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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