
Lieber Make-up statt Duftwässerchen
2008 war für den Parfümerieeinzelhandel ein Jahr ohne Happy End: Erst lief alles gut, doch dann schwächelte das Weihnachtsgeschäft. Vor allem der Bereich Damenduft macht der Branche Sorgen.
Umsatzeinbrüche im Sommer
Der Beginn des Jahres 2008 gab zunächst allen Anlass zum Optimismus: "Die Verbraucher kauften wieder, und nach dem eher schwachen Geschäftsjahr 2007 verliefen die ersten zwei Monate des neuen Jahres mehr als zufriedenstellend", heißt es in der Pressemitteilung des Verbandes. "Sie bescherten den Unternehmen des Parfümerieeinzelhandels einen sehr erfreulichen Abschluss des Weihnachtsgeschäftes 2007 und einen guten Start ins neue Jahr."
Nach dieser positiven Aufbruchstimmung zu Jahresbeginn knickten im März und April die Umsätze ein: "Nach einer leichten Zwischenerholung im Mai ging es dann im Sommer massiv bergab. Hier machten sich die Auswirkungen der Ferien auf breiter Front und stärker als in den Vorjahren bemerkbar."Ein gutes Herbstgeschäft im September und Oktober ließ die Umsätze wieder steigen.
Weihnachtsgeschäft begann zu spät
Im November und Dezember, im wichtigen Weihnachtsgeschäft, konnten diese doch sehr positiven Vorgaben leider nicht gehalten werden. "Das Weihnachtsgeschäft begann sehr spät, zu spät, um im Vergleich zum Vorjahr noch eine positive Entwicklung zu ermöglichen", so der Verband.
So endete das Weihnachtsgeschäft für die Unternehmen des Parfümerieeinzelhandels mit einem Minus von durchschnittlich etwa 0,5 Prozent, was durch den hohen Anteil des Weihnachtsgeschäftes am Gesamtumsatz die Jahreszahlen deutlich negativ beeinflusste. Unter dem Strich blieb für das Gesamtjahr 2008 "nur ein Plus von mageren 0,7 Prozent", berichtet der Parfümerieverband.
Weniger Duft, mehr Make-up
Ähnlich wie im Vorjahr dauerte 2008 die negative Entwicklung im Sortimentsbereich der Damendüfte an. Nach einem Minus von 0,5 Prozent im Jahr 2007 gingen die Umsätze in diesem Segment im zweiten Jahr in Folge zurück, wenn auch 2008 nur um etwa 0,3 Prozent.
In den Bereichen Gesichts- und Körperpflege zeigte sich hingegen eine gegenläufige Tendenz: Nach einem Verlust zwischen 1,1 und 1,8 Prozent im Vorjahr wuchs dieser Bereich in 2008 um etwa 0,6 Prozent. Im Bereich der dekorativen Kosmetik stiegen die Umsätze deutlich. Auch wenn die hohen Zuwachsraten des Vorjahres von 3,1 Prozent nicht ganz erreicht werden konnten, gelte weiterhin: "Wirtschaftlich schwierige Zeiten sind gute Make-up Zeiten!" Das dekorative Segment wuchs mit einem Plus von etwa 2,7 Prozent "sehr erfreulich".
Herrenkosmetik schwächelt im Fachhandel
Erstaunlich schwach zeigte sich dagegen der Bereich der Herrenkosmetik. Nach hohen Zuwächsen in den vergangenen Jahren - 2007 betrug es beispielsweise plus 3,9 Prozent - gaben hier die Umsätze mit einem Minus von über einem Prozent deutlich nach. Ein Grund dafür könnte in dem zunehmend breiteren Angebot dieser Produkte im Massenmarkt zu suchen sein.
Der Umsatz mit Accessoires entwickelte sich etwa auf Vorjahresniveau mit einem leichten Plus von etwa ein Prozent. Kosmetische Dienstleistungen der Parfümerien sind nach wie vor gefragt und erreichen ein im Vergleich zum Vorjahr leicht abgeschwächtes, aber noch immer ordentliches Umsatzwachstum von durchschnittlich 1,5 Prozent.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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