
Media-Markt und idealo: Faule Tricks oder doch nur bauernschlaue Versprechen?
Es sind schwere Vorwürfe, die CRN gegen Media-Markt und die Preissuchmaschine Idealo erhebt: Bei der Aktion “Wir sind Billiger” werde getrickst. Bestseller von Media-Markt können auf der Preisvergleichsseite Idealo.de per Direkt-Link aus dem Shop getestet werden. Kunden sollen sich überzeugen: Media-Markt bietet Kunden den günstigsten Preis. Und tatsächlich taucht Media-Markt dann im Ranking immer ganz oben auf. Nach Recherchen von CRN laufe dieser “angebliche Vergleich” aber nicht ganz saube...
Media-Markt: Setzt zusammen mit Idealo auf Preisvergleich - und Kunden, die nicht so genau hingucken
Es sind schwere Vorwürfe, die CRN gegen Media-Markt und die Preissuchmaschine Idealo erhebt: Bei der Aktion “Wir sind Billiger” werde getrickst. Bestseller von Media-Markt können auf der Preisvergleichsseite Idealo.de per Direkt-Link aus dem Shop getestet werden. Kunden sollen sich überzeugen: Media-Markt bietet Kunden den günstigsten Preis.
Und tatsächlich taucht Media-Markt dann im Ranking immer ganz oben auf. Nach Recherchen von CRN laufe dieser “angebliche Vergleich” aber nicht ganz sauber ab. Direkte Vergleiche über idealo.de liefern zum Teil andere Ergebnisse. “Ganz offensichtlich wird hier von Media Markt und Idealo also eher mit billigen Tricks als mit billigen Preisen gearbeitet,” schreiben die Tester.
Stimmt das?
Eine Stichprobe von etailment zeigt: So lässt sich der Vorwurf nicht halten.
Beispiel 1: Das Smartphone Motorola Razr i, das CRN auch in seinem Test überprüft hat.
Was auffällt:
Erstens: Das Smartphone-Angebot von Media-Markt ist in den Suchergebnissen mit dem Wort "Anzeige" versehen. Das macht die Position im Ranking ohnehin unangreifbar.
Links oben steht "Anzeige". Das macht Media-Markt und idealo unempfindlich gegen Vorwürfe
Zweitens: Das in der direkten Suche billigere Motorola Razr i im Base-Shop (siehe untere Abbildung) ist nach der Logik vom Media-Markt und nach den Spielregeln der Aktion nicht direkt vergleichbar. Weil es bei Base - anders als bei Media-Markt - nicht sofort lieferbar ist. Der Wettbewerbsvorteil von Media-Markt liegt hier also im Kleingedruckten der Statuten der Aktion. Da heißt es in ca. 6-Punkt-Schrift: "Bezogen auf die Angebote bei idealo.de ... für Preise bei idealo.de bei sofortiger Lieferbarkeit des Konkurrenzprodukts."
Drittens: Die direkte Suche via idealo liefert deutlich mehr Ergebnisse. Auch da ging man findig zu Werke. Der Link via Media-Markt ist schon auf "sofort lieferbare" Produkte und nicht auf "alle Angebote" eingestellt.
Beispiel 2: Das LG Optimus 4X HD Schwarz.
Auch da liegt Media-Markt - "Anzeige hilft" - auf Nummer 1. Der eigenständige Vergleich zeigt: Auch das gibt es günstiger. Aber auch da schlägt die Lieferbarkeit andere Angebote aus dem Renner.
Bauernschlau ist das trotzdem. Bei Amazon würde es das Handy zum gleichen Preis geben - wenn es denn gerade heute vorrätig wäre. Und wer 1-2 Tage Lieferzeit einkalkuliert, findet sogar noch deutlich günstigere Angebote. Auch bei idealo.
Fazit: Geschummelt wird da eigentlich nicht. Media-Markt hat die Regeln nur so formuliert, dass es den Preisvergleich nicht verlieren kann. Der Dumme ist lediglich der Kunde, der er es eilig hat und nicht genau vergleicht. Der Dumme könnte aber auch idealo sein. Denn so richtig Vertrauuen erzeugt die Art und Weise der Kooperation mit Media-Markt nicht.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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