
Mega-Medienlogistikzentrum für den Buchmarkt der Zukunft
Telegener sind womöglich die Kölner Lagerhallen von Koch, Neff & Volckmar (KNV), von wo aus Literaturkritiker Denis Scheck für die ARD-Sendung Druckfrisch die Top-Ten-Titel der aktuellen Spiegel-Bestsellerlisten kommentiert. In Erfurt aber hat der größte Buchgroßhändler mit der Funktion eines Barsortiments seit Herbst 2014 ein Medienlogistikzentrum in Betrieb, das trotz allen Grabgesängen rund um das gedruckte Buch in die Zukunft weist. Ab Sommer soll das Mega-Projekt unter Volllast „fahren“.
In Erfurt aber hat der größte Buchgroßhändler mit der Funktion eines Barsortiments seit Herbst 2014 ein Medienlogistikzentrum in Betrieb, das trotz allen Grabgesängen rund um das gedruckte Buch in die Zukunft weist. Ab Sommer soll das Mega-Projekt unter Volllast „fahren“.
Auf 315.000 Quadratmeter haben in Erfurt Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar GmbH (KNV) und die Verlagsauslieferung Koch, Neff & Oetinger (KNO VA) unter dem Dach der KN Logistik das bislang größte Projekt der Firmengeschichte gestemmt. 150 Millionen Euro hat man sich das das Medienlogistikzentrum kosten lassen, um Flexibilität, Wachstum, Qualität, Wirtschaftlichkeit und Innovation unter einem Dach zu vereinen und um mit bis zu 1000 Mitarbeitern ein Fünftel der Ware für den deutschsprachigen Buchmarkt zu verteilen. Platz ist für bis zu eine Million Artikel. Neu ist dort auch: Barsortimentsbereich und die Verlagsauslieferung, bislang getrennt, werden hier verschmolzen. Beide Bereiche können auf dieselbe Ware zugreifen. Das hilt Kosten sparen. Zudem gibt es ein in die Supply-Chain integriertes Print-on-Demand-Angebot.
Volumenschwankungen abfedern
Volumenschwankungen, sich wandelndes Kaufverhalten und so gar nicht planbare Veränderungen des Buchmarkts verlangten dem Konzept dabei ein Höchstmaß an Flexibilität für Gegenwart und Zukunft ab. Das zeigten auch lehrreiche Stunden während des Testlaufs im Weihnachtsgeschäft.
Doch was heißt das?
Ein Beispiel: Die bestgängigsten 1800 Artikel befinden sich in einem automatischen Palettenhochregallager (HRL), aus dem von Palette auf Palette oder von Palette in Wannen oder Kartonagen größere Mengen kommissioniert werden. In dem ersten automatischen Kleinbehälterlager AKL 1, das mit 33.000 Durchlaufkanälen ausgerüstet ist, werden in Wannen die gutgängigen Artikel gelagert, die über 50 Prozent des Auslieferungsvolumens ausmachen werden.
In einem doppelstöckigem Fachbodenregalbereich sind weitere 170.000 Lagerplätze für Artikel mittlerer Gängigkeiten untergebracht. Durch die Möglichkeit der Belegung mehrerer Lagerplätze eines Fachbodens mit einem Artikel und mit der Höhenverstellbarkeit der Fachböden ist hier eine maximale Flexibilität für die Veränderung der Volumenstruktur des Sortiments vorhanden.
Für den Longtail mit mehr als einer halben Million Artikel wurden im zweiten automatischen Kleinbehälterlager AKL 2 260.000 Lagerwannen untergebracht. Hier befinden sich mehrere Artikel in kleinen Mengen jeder Wanne. Für die schnelle Ein- und Auslagerung beider AKL wurden 56 Regalbediengeräte eingebaut. Und falls – salopp gesagt - der Ladenhüter zum Dauerbrenner wird, sorgen vier vernetzte Logistikmodule für eine schnelle Anpassung von Artikel- und Auftragsstrukturen.
Der Longtail darf noch länger werden
Angesichts eines immer länger werdenden Longtails, war Zeitersparnis ein wichtiges Element des Konzepts für das AKL 2. Anders gesagt: Ein umfassendes Ware-zum-Mann-Prinzip für einen vollständigen Wegfall von Wegezeiten sorgt für über 400 Picks pro Arbeitsplatz und Stunde.
Das muss man sich in dem von SSI Schäfer, Graz, geplanten und ausgeführten Logistikzentrum, in etwa so vorstellen:
Für die nächsten Stunden benötigte Ware wird aus der Tiefe des großen AKL 2 herausgeholt und in einen davor gesetzten Verbindungsloop eingeschleust, der die Ware entweder einem Zwischenpuffer, dem Schäfer Carousel System (SCS) übergibt oder direkt an die Kommissionier-Arbeitsplätze bringt. Über die 20 SCS wird sichergestellt, dass in Kürze benötigte Ware schon mal in der Nähe der Arbeitsplätze ist und durch eine deutliche Wegeverkürzung der kontinuierliche Arbeitsnachschub gegeben ist.
Mehrfache Streckenführung auf der 21 Kilometer langen Fördertechnik und von Scannern unterstützte Bedienerführung, sollen zudem Ausfälle und Fehler auf null reduzieren. Zudem lässt sich die Leistung der Anlage durch neue Technikmodule und Anbauten jederzeit flexibel steigern. Schließlich darf man jederzeit eine weitere Konzentration des Marktes erwarten. Auch für Denis Scheck wäre noch Platz. Locker.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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