
Milliardenverluste durch hohe Energiepreise
Eine Untersuchung zeigt: Die Steigerung der Energiekosten belastet die Einzelhändler stärker, als bisher bekannt. Das Beratungsunternehmen OC&C Strategy.
David WöllensteinRedakteurIm vergangenen Jahr lag die Umsatzrendite in vielen Handelsbereichen bei nur gut 2 Prozent. Kalkulationen von OC&C zeigen, dass durch die Steigerung der Energiepreise in den vergangenen zwölf Monaten rund 40 Prozent dieser Marge verloren gehen, falls nicht Maßnahmen zum Energiesparen ergriffen werden.
Lebensmitteleinzelhandel leidet am stärksten
Steigen die Energiepreise noch einmal um 50 Prozent, sinkt die Umsatzrendite um bis zu 1,2 Prozent, schreiben die Berater. Sinkt die Umsatzmarge um knapp 1 Prozent, entspricht dies - bezogen auf den gesamten deutschen Einzelhandel - fast 4 Milliarden Euro.
Stark betroffen von der Preisexplosion ist der Lebensmitteleinzelhandel. Hier spielen die erheblichen Lagerhaltungs- und Transportkosten eine entscheidende Rolle.
Raumkosten steigen
Der Textileinzelhandel, der aufgrund eines hohen Importanteils aus Fernost auch stark vom Energiepreis abhängig ist, gerät ebenfalls unter Druck.
Obwohl die Margen in diesem Segment bei vielen Unternehmen höher sind als in der Gesamtbranche, führen auch hier Einbußen von fast einem Prozentpunkt zum erheblichen Margendruck.
Der Einsatz energieabhängiger Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in der Produktion von Waren und Verpackungsmaterial lässt die Wareneinstandskosten in die Höhe schnellen.
Direkten Einfluss haben steigende Energiepreise vor allem auf Logistik- und Raumkosten im Einzelhandel, zum Beispiel bei der Beleuchtung.
Teurer Lkw-Diesel
Neben den importbedingten Kosten setzen den Einzelhändlern auch erhöhte Aufwendungen für die Inlandsdistribution zu, heißt es in der OC&C-Auswertung.
Steigende Preise für Lkw-Diesel haben dazu geführt, dass der Kraftstoffanteil im nationalen Güterfernverkehr mittlerweile rund 25 Prozent der Gesamtkosten ausmacht.
Zur Bestimmung der Auswirkungen der Energiepreissteigerungen hat OC&C ein Simulationsmodell entwickelt. In dieses Modell fließen zum einen die Kostenstrukturen ein, zum anderen werden die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise auf die einzelnen Kostenbereiche angepasst.
In der Summe lässt sich hierdurch die Sensitivität der einzelnen Branchen auf die Energiekosten ableiten. Auf diese Weise wird letztlich auch der Margenverlust ermittelt, der aus der 50-prozentigen Steigerung der Energiepreise resultiert.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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