Der Handel und das Coronavirus

Der Handel und das Coronavirus

Heute ist das Morning Briefing etwas anders als gewöhnlich. Der Grund: Coronavirus. Unruhe allerorten. Börsen taumeln. Panik ist Trending-Topic bei Twitter. Da werden all die kleinen und großen News zur Nebensache. Was aber sind die Auswirkungen für den Handel, stationär und digital? Man hört viel Pfeifen im Walde. Doch was ist wirklich Sache? Heute und Übermorgen?

OKOlaf KolbrückChefredakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Sicherlich darf der Online-Handel, der wie beispielsweise Engelhorn gerade Wachstum meldet, durch die psychologischen Folgen der Krise auf Dauer mehr Zuspruch erwarten. Das ist ein No-Brainer.

Doch es gibt vorläufig einige zentrale Risiken und die haben nichts mit China als Absatzmarkt zu tun.

Die Unterbrechung der Lieferkette ist vielmehr eine der größten Gefahren. In China stapeln sich schon die Container.

Und das betrifft alle Branchen, Hersteller und Händler. Denn dabei geht es nicht nur um China. Sondern auch um Störungen durch die Probleme in Südkorea und Japan.

Das betrifft nicht nur um die Zutaten für Vitaminpillen, Maschinenteile oder Möbelstücke.
Und dabei handelt nicht nur um einen kurzfristigen Totalausfall der Lieferkette ein Produkt. Es geht mittelfristig auch um den Produktions-Stopp in unserer Just-in-Time-Welt, weil eines von 500 Teilen eben aus China kommen müsste.

Ein nur ein klein wenig abstruses Beispiel: Irgendwann kommt dann auch keine Banane mehr aus der Karibik an, weil der Bananenkisten-Produzent wegen fehlender Ersatzteile keine Pappe mehr falten kann. Fakt ist: Den globalen Verpackungslieferanten gehen allmählich die Komponenten aus.

Auch, wenn die Banane und die Erdbeere noch kommen, was wird aus veredelten Produkten? Dem Smoothie? Der Yogurette?

Ist das alarmistisch?

Nicht so sehr: Für die Futtermittelindustrie in Europa wird es beispielsweise schon enger, weil einige Vitamine und andere Bestandteile, die in Futtermitteln verwendet werden, knapp werden. Die Preise steigen.

Viel naheliegender aber: Wo gehen die Kunden hin, wenn sie in den kommenden Tagen und Wochen mit den Lieferzeiten ihres Möbelhändlers unzufrieden sind, weil der Stuhl in China liegt? Wo kaufen sie ein, wenn ihr Onlineschnäppchen in irgendeinem Hafen lagert? Was tun sie, wenn das Ersatzteil für den Rasenmäher nicht lieferbar ist? Sie wechseln beim nächsten Mal den Anbieter.

Was aber wird dann beispielsweise aus einem bilanztechnisch ohnehin schon auf Kante genähten Möbelhändler (online wie offline)? Was wird aus dem bilanztechnisch knapp kalkulierenden Fashion-Shop, dessen Wettbewerber online nur eine Klick entfernt noch Ware vorrätig haben? Für einige hochgehandelte Start-ups könnte es da schneller als gedacht eng werden. Für klassische Händler aber auch. Hinzu kommt: Wer sich jetzt bereits sicherheitshalber mit Ware eingedeckt hat, der muss höhere Lagerkosten kalkulieren. Auch nicht schön.

Ach, wenn die Ware mal nur beim Kunden ankommt.

Denn eigentlich wäre es ja auch eine interessante Nachricht, dass Amazon sein kommendes neues Supermarkt-Format in Los Angeles als hochautomatisiertes Microfulfillment-Center für Online-Lieferungen nutzen will, doch gerade das lenkt dieser Tage den Blick auf die letzte Meile.

Denn geht die Krise weiter, ein Konjunkturrisiko ist sie bereits, stottert es auch auf der letzten Meile - gerade auch bei Amazon.
Wenn nämlich all die fahrenden Sub-Unternehmer es sich nicht mehr leisten können, die Kredite für ihre Autos zu bezahlen, dann werden die Dinge schnell "interessant".

Profitiert letztlich also doch der stationäre Handel, der sich, wie dm gerade auch zur Paketstation hocharbeitet, wenn er denn Ware hat?

Eher nicht. Langfristig verschafft die Krise dem Onlinehandel angesichts der intrinsischen als auch psychologischen Auswirkungen, der schon jetzt vermutlich größten Quarantäne der Weltgeschichte, noch mehr Momentum.

Ein historisches Beispiel: JD.com, größter Rivale von Alibaba in China, wurde einst nach der Sars-Krise gegründet, weil die Kunden damals den Läden fern blieben.

Die jetzige Krise könnte so nun auch den bislang eher belächelten autonomen Lieferwägelchen und Drohnen neuen Schwung geben. Weil Innnovationen beschleunigt werden.

Frischen Schwung bekommt das Thema ja gerade ohnehin. Das Start-up Nuro will zusammen mit Kroger, Walmart und Domino's in den nächsten zwei Jahren bis zu 5.000 seiner Roboterautos in und um Houston auf den Weg bringen. Das ist eine Ansage. Eine die Kosten massiv senkt, das Problem des Fahrermangels umfährt und all jene erreicht, die nach Corona anderen Menschen eher mal aus Weg gehen wollen.

Sie finden das übertrieben?

Im US-TV fragt man sich gerade ernsthaft, ob die Menschen nach den Fällen in Italien noch Pizza essen werden.

So sieht Panik aus.

Guten Morgen.
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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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