
Futterhaus, Etaily, Temu, Asos + Arrange, Instacart, Inflation, Amazons Drohnen, Callcenter-KI, Digitalprospekte, Karhu + Archive
Aktuelle E-Commerce-News: Futterhaus, Etaily, Temu, Asos + Arrange, Instacart, Inflation, Amazons Drohnen, Callcenter-KI und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Das Futterhaus hat jetzt einen Online-Anbau
Der Heimtierspezialist Futterhaus hat laut Pressemitteilung seinen ersten Online-Shop mit rund 5.000 Artikeln eröffnet. Das Familienunternehmen, das 442 Märkte in Deutschland und Österreich betreibe, wolle mit diesem Schritt seine Omnichannel-Strategie vorantreiben und Kunden, die bisher bei der Konkurrenz online einkauften, für sich gewinnen. Trotz der digitalen Erweiterung bleibe der stationäre Fachhandel aber die zentrale Säule, betone Geschäftsführer Kristof Eggerstedt.
Start-up-Porträt: Etaily ebnet den Weg nach Südostasien
Nicht China, sondern Südostasien ist der Wachstumsmarkt der Zukunft. Das sagt Alexander Friedhoff, Chef der Retail-Plattform Etaily. Allerdings sei die Region zwar relevant, aber zu klein für eigene Standorte deutscher Unternehmen. Diesen Spagat will Etaily mit umfassenden Angeboten auflösen und Marken den Weg ebnen. Im Start-up-Interview auf Etailment.de erläutert Friedhoff, wie das funktioniert.
Stiftung Warentest gibt Temu die Note „gut“
Der Online-Marktplatz Temu erhielt in einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest die Gesamtnote „gut“ für Datenschutz und Kaufabwicklung, berichtet Retail-News.de. Besonders die Rücksendeerfahrung habe mit „sehr gut“ die Bestnote im Vergleich zu sechs anderen großen E-Commerce-Plattformen (Amazon, Ebay, Aliexpress, Fruugo, Wish und Banggood) erzielt. Die getesteten Produkte seien „brauchbar und wie beschrieben“. Nach anfänglicher Kritik arbeite Temu inzwischen mit renommierten Prüforganisationen wie TÜV SÜD und Dekra zusammen, um Qualitätsstandards sicherzustellen.
Hybride Marktplätze dürfen Kundenkonto verlangen
Hybriden Online-Marktplätzen ist es unter bestimmten Umständen erlaubt, auf der Erstellung eines Kundenkontos zu bestehen und keine Gastzugänge anzubieten, entschied das Hanseatische Oberlandesgericht laut DLAPiper.com. Die Vorteile eines fortlaufenden Kundenkontos im Rahmen der praktischen Bestellabwicklung und der Datenverwaltung überwögen den Nachteil der Passwortangabe, besonders bei Plattformen mit eigenen und Dritthändler-Waren. Auch der Hamburgische Datenschutzbeauftragte habe sich dieser Einschätzung angeschlossen.
Verbraucher in Warteschleife
Die Verbraucherstimmung in Deutschland verharrt im März auf dem Niveau des Vormonats, so das aktuelle HDE-Konsumbarometer. Die Konsumzurückhaltung schmelze zwar leicht, die Einkommenserwartungen wärmten sich etwas auf, ohne jedoch große Sprünge zu versprechen. Weiterhin bremse die politische Unsicherheit den privaten Konsum – signifikante Wachstumsimpulse für die Gesamtwirtschaft blieben daher vermutlich aus.
HANDEL INTERNATIONAL
Asos präsentiert Luxuslabel „Arrange“
Der Online-Modehändler Asos bringt die neue Premium-Marke „Arrange“ exklusiv auf seiner Plattform an den Start, berichtet Fibre2fashion.com. Das in London beheimatete, von Frauen geführte Label kombiniere hochwertige Schneiderkunst mit praktischem Denken und biete auffällige Kleider sowie luxuriöse Basics. Die Kollektion zeichne sich durch besondere Designelemente wie überdimensionierte Pailletten, handgemalte Prints und mutige Farbkombinationen aus und sei in inklusiven Größen von UK 4-30 erhältlich.
Instacart: Vom Lieferdienst zur Retail-Tech-Plattform
Instacart verzeichnete im vierten Quartal 2024 ein solides Wachstum mit 11 Prozent mehr Bestellungen und 10 Prozent höherem Transaktionsvolumen, wie das Unternehmen meldet. Der Lebensmittellieferdienst setze zunehmend auf Zweigleisigkeit: Während das Online-Geschäft durch niedrigere Mindestbestellwerte und erweiterte Restaurant-Lieferungen wachse, expandiere Instacart mit intelligenten Einkaufswagen und elektronischen Regaletiketten gleichzeitig ins Retail-Tech-Geschäft. Besonders lukrativ entwickle sich dabei das Werbegeschäft, das 2024 auf 958 Mio. Dollar (+10 Prozent) gestiegen sei.
Europa: Inflationsdruck lässt nach
Die Inflation in der Eurozone sei im Februar auf 2,4 Prozent gesunken, verglichen mit 2,5 Prozent im Januar, meldet Eurostat in einer Blitzschätzung. Während Dienstleistungen mit 3,7 Prozent weiterhin den größten Preistreiber darstellten, gefolgt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak mit 2,3 bis 2,7 Prozent, hätten die Energiepreise mit nur noch 0,2 Prozent deutlich an Dynamik verloren. In Deutschland liegt die Teuerungsrate im Februar laut Statistischem Bundesamt bei 2,3 Prozent.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Texanische Kleinstadt verjagt Amazons Lieferdrohnen
Amazons Prime-Air-Drohnen haben nach massiven Anwohnerbeschwerden über Lärmbelästigung ihren Dienst in College Station, Texas, vorläufig eingestellt, berichtet Wired.com. Die als „fliegende Kettensägen“ bezeichneten Lieferdrohnen hätten die Ruhe in den angrenzenden Wohngebieten empfindlich gestört und Eulen, Rehe und andere Wildtiere vertrieben. Amazon plane nun, den Mietvertrag für den Drohnenstandort am 30. September zu beenden und für künftige Drohneneinsätze Standorte fernab von Wohngebieten zu suchen.
KI zaubert im Callcenter die Dialekte weg
Teleperformance, der weltgrößte Callcenter-Betreiber, investiert in KI – aber nicht, um Mitarbeiter zu ersetzen, sondern um ihre Akzente, wie z. B. indisch oder philippinisch, in Echtzeit in kristallklares Englisch zu verwandeln, berichtet Heise.de. Hintergrundgeräusche würden gleich mitgefiltert. Dafür habe das Unternehmen 13 Mio. Dollar in das Start-Up Sanas investiert und sich weitere 100 Mio. Euro für künftige Investitionen auf die Seite gelegt. Auch in Deutschland solle die KI bald die Kommunikation zwischen Sachsen, Bayern, Schweizern, Schwaben oder Friesen in pures Hochdeutsch verzaubern. Kiek wi mol, denn warrt wi dat schon sehn.
NACHHALTIGKEIT
99 Prozent weniger CO2: Digitalprospekte schlagen Print
Digitalprospekte verursachen bis zu 99 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als Printversionen, zeigt eine Studie von Marktguru und der Sustainable AG. Selbst unter optimalen Annahmen für Printprospekte läge deren CO2E-Wert bei 22 kg pro 1.000 Lesern, während digitale Pendants nur 0,025 kg verursachten. Als erster Anbieter stelle Marktguru seinen Händlerkunden künftig individuelle CO2E-Ausweise für digitale Prospektkampagnen zur Verfügung. Dies ermögliche dem Handel mehr Transparenz für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und helfe, Emissionen gezielt zu reduzieren.
Karhu startet Secondhand-Programm in den USA
Die finnische Sportschuhmarke Karhu hat in den USA ein Resale-Programm namens „Karhu Renewed“ gestartet, berichtet Fashionunited.com. Dies solle den Lebenszyklus der Produkte verlängern, indem leicht getragene oder neuwertige Retouren wiederverkauft würden. Es basiere auf dem speziellen Warehouse-Management-System von Archive, das bereits Wiederverkaufsgeschäfte für über 50 Marken wie The North Face und New Balance betreibe. Laut CEO Huub Valkenburg unterstreiche diese Initiative das Engagement der Marke für nachhaltige Schuhmode und eröffne gleichzeitig neue Umsatzströme.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge