
Insolvenzen, Zalando + RTL+, Geschäftsklima, Ebay, Bestsecret, Meta, Adobe, Temu, DHBW Heilbronn, Retourenbetrug, Fast Fashion
Aktuelle E-Commerce-News: Insolvenzen, Zalando + RTL+, Geschäftsklima, Ebay, Bestsecret, Meta, Adobe, Temu, DHBW Heilbronn und weitere Themen im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
22,1 Prozent mehr Insolvenzen
Im Jahr 2023 gab es 17.814 Unternehmensinsolvenzen, was einem Anstieg von 22,1 Prozent gegenüber 2022 entspricht, so das Statistische Bundesamt. Im Vergleich zu 2019, bevor es aufgrund der Corona-Sonderregelung zu deutlich weniger Verfahren kam, ist dies ein Rückgang um fünf Prozent. Zum Vergleich: 2009 gab es aufgrund der Finanzkrise 32.687 Insolvenzen. Auffallend ist, dass es 2023 in 138 Fällen zu Konkursen kam, bei denen die Gläubigerforderungen mehr als 25 Mio. Euro betrugen. Die Zahl dieser Großinsolvenzen ist im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent gestiegen.
Zalando und RTL+ testen In-Stream-Shopping
Nur auf Apple-Endgeräten und nur bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ können Nutzer der App von RTL+ künftig während des Streamings die gesehene Mode direkt bei Zalando kaufen, berichtet Golem.de. Dazu kann die Sendung jederzeit angehalten werden. Ob die Technik auch auf andere Formate ausgeweitet wird, ist derzeit noch offen. Die Seifenoper, die seit 1992 ausgestrahlt wird, ist in der App auch ohne Abonnement abrufbar.
Geschäftsklima bleibt winterlich
Das Geschäftsklima hat sich nach Angaben des Ifo-Instituts im Februar weiter eingetrübt, der Indikator verschlechterte sich auf minus 18 Punkte nach minus 15,2 Punkten im Januar. Allerdings verbesserten sich die Erwartungen der Händler von Unterhaltungselektronik, Elektrotechnik und elektronischen Haushaltsgeräten sowie der Drogeriemärkte, während Möbelhäuser, Baumärkte und Fahrradhändler besonders pessimistisch in die Zukunft blicken.
Privatverkäufe auf Ebay wachsen
Nachdem Ebay im März letzten Jahres die Gebühren für Privatverkäufe abgeschafft hat, hat sich laut Pressemitteilung die Zahl der neuen Verkäufer fast verdoppelt, die Reaktivierung bereits registrierter Verkäufer stieg um 30 Prozent und die Zahl der aktiven Privatverkäufer wuchs zweistellig. Auch das Angebot sei um 20 Prozent gewachsen – vor allem bei Elektronik und Sammlerstücken. Beim C2C-Handel ist Deutschland mit einem Marktanteil von 17 Prozent eher Schlusslicht in Europa – in Dänemark ist die Quote doppelt so hoch, in den Niederlanden und Norwegen liegt sie bei rund 41 Prozent.
Privatausgaben steigen um 5,5 Prozent
Die privaten Ausgaben der deutschen Haushalte sind laut NIQ Retail Spend Barometer im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf insgesamt 394,5 Mrd. Euro gestiegen. Besonders deutlich war die Entwicklung bei den Gütern des täglichen Bedarfs, die sogar um 8,9 Prozent zulegten. Gründe für diese Entwicklung sind zum einen Preiserhöhungen aufgrund von Inflation und gestiegenen Beschaffungskosten, zum anderen Sogwirkungen durch Werbe- und Rabattaktionen. Der Markt für technische Konsumgüter, Haushaltsgeräte und Heimwerkerbedarf verzeichnete dagegen einen Rückgang von 1,7 Prozent.#
Bestsecret mit 16,7 Prozent mehr Umsatz
Die Shopping-Community Bestsecret, die preisreduzierte Premiummode anbietet, hat laut Fashionunited.de im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro erzielt, was einer Steigerung von 16,7 Prozent entspricht. Das bereinigte Ebitda lag bei 183,7 Mio. Euro, ein Plus von 33,4 Prozent. Haupttreiber dieser Entwicklung war das Auslandsgeschäft, dessen Umsatzanteil sich erstmals auf 39,9 Prozent verbesserte.
HANDEL INTERNATIONAL
US-Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Meta
Staatsanwälte in Virginia ermitteln gegen Facebook und Instagram wegen des Verdachts, dass die Plattformen eine wichtige Rolle bei der Förderung illegaler Drogenverkäufe gespielt und daran verdient haben könnten, berichtet Nypost.com. Konkret geht es zum einen um Werbeanzeigen, die während der Pandemie geschaltet wurden, um Adderall (Ritalin) zu verkaufen, das auch in den USA verschreibungspflichtig ist, und zum anderen um den Verkauf von Medikamenten zur Gewichtsabnahme, die noch keine behördliche Zulassung haben.
Börse enttäuscht von Adobe
Der Aktienkurs von Adobe fiel am Freitag nachbörslich um zehn Prozent, nachdem das Unternehmen für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 5,25 und 5,3 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt hatte und damit leicht unter den Prognosen lag. Im Vorquartal, das in Adobes Geschäftsjahr am 29. Februar endete, stieg der Umsatz um elf Prozent auf 5,18 Mrd. Dollar, der Gewinn halbierte sich jedoch von 1,25 Mrd. Dollar auf nur noch 620 Mio. Dollar. Grund war laut Cio.de eine Vertragsstrafe wegen der von den Kartellbehörden verhinderten Übernahme von Figma.
Abgeschwächtes EU-Lieferkettengesetz beschlossen
Die EU-Mitgliedstaaten haben sich, bei Enthaltung Deutschlands, auf einen Kompromissvorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz geeinigt. Es wird nun für Unternehmen ab 1.000 statt 500 Mitarbeitern und einem Umsatz ab 450 statt 300 Mio. Euro gelten. Wirtschaftssektoren, in denen ein hohes Risiko für Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette besteht, unterliegen keiner Sonderregelung mehr. So sollen laut Euractiv.de 70 Prozent weniger Unternehmen von der Neufassung betroffen sein.
Bundesregierung stimmt EU-Verpackungsverordnung zu
Die Bundesregierung stimmt der EU-Verpackungsverordnung nun doch zu, die FDP hat laut Sueddeutsche.de ihren Widerstand aufgegeben. Zuvor hatten der Ministerrat, die EU-Kommission und das EU-Parlament sowie die Botschafter der Mitgliedstaaten dem Entwurf zugestimmt. Ziel der Verordnung ist es, die weiter steigenden Abfallmengen zu reduzieren, indem Mehrweg- und Recyclingverpackungen schrittweise auch für den Online-Handel vorgeschrieben werden; Einwegverpackungen sollen ab 2030 gar nicht mehr verwendet werden dürfen.
Alle US-Marktplatzhändler auf Temu sind aus China
Bisher sah das Geschäftsmodell des Temu-Marktplatzes vor, dass Drittanbieter das Fulfillment des Billiganbieters in China nutzen. Zumindest in den USA wird nun eine neue Strategie verfolgt, die es den Händlern auch erlaubt, ihre eigenen Lager zu nutzen. Laut Marketplacepuls.com sind bereits 1.000 solcher Anbieter registriert, die jedoch alle in China ansässig sind. Viele verkauften bereits über Amazon und verfügten daher über Lager in den USA. Alle Produkte, die Temu anbietet, kommen also nach wie vor aus China, sind jetzt aber schneller lieferbar.
TRENDS & TECH
DHBW Heilbronn veröffentlicht interaktive Smart-Stores-Karte
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn sammelt seit langem Informationen zu Smart Stores aller Art und Marken – und hat das jetzt in der Karte „Smart-Store-Standorte Deutschland“ auf „Google Maps“ zusammengefasst. Auffällig: Nicht nur Frankfurt am Main steht völlig ohne schlauen Laden da, sondern auch nahezu das komplette Ruhrgebiet (bis auf einen Standort in Haltern). Und in Berlin gibt es nur zwei. Cluster zeigen sich im Nordwesten, südlich von Frankfurt und rund um Stuttgart.
Rückerstattungsbetrug kostet US-Handel 100 Mrd. Dollar
Nach Recherchen von Cnbc.com kostet der Rückerstattungsbetrug die amerikanischen Online-Händler jährlich rund 100 Milliarden Dollar. Diese Summe entsteht zum einen durch Privatpersonen, die beispielsweise auf Tiktok unter den Hashtags „refund method“ oder „r3fund“ nach Hinweisen suchen, welche Anbieter bei angeblich nicht angekommenen Sendungen den Kaufbetrag zurückerstatten. Zweitens ist die Kriminalität organisiert. Käufer können sich nach dem Kauf an Gruppen wie Rekk wenden, die mit den Kaufdaten die Rücksendung der Ware einleiten und sich dafür 15 bis 30 Prozent der Rückerstattung auszahlen lassen. Zurückgeschickt werden jedoch nur leere Kartons, die ein involvierter Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens dennoch als erfolgte Rückgabe scannt.
NACHHALTIGKEIT
Frankreich verlangt eine Fast-Fashion-Abgabe
Da der Textilsektor für zehn Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist, hat das französische Unterhaus Maßnahmen gegen Fast Fashion-Anbieter beschlossen, berichtet Theguardian.com. Diese umfassen zum einen ein Werbeverbot und eine Abgabe von fünf Euro pro Artikel, die bis 2030 auf zehn Euro steigen soll. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, werden die genauen Kriterien festgelegt, die sich auf die Menge der produzierten Kleidungsstücke und die Verkaufsgeschwindigkeit neuer Kollektionen beziehen. Shein mit 7.200 neuen Kleidungsstücken pro Tag wurde von einer Sprecherin der Regierungspartei explizit als Beispiel genannt.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge