
Too Good To Go, Paketautomaten, NRF Retail’s Big Show, Docmorris, Catch, Coupang + Naver, Abbruchrate, Preisschwankungen
Aktuelle E-Commerce-News: Too Good To Go, Paketautomaten, NRF Retail’s Big Show, Docmorris, Catch, Coupang + Naver und weitere Themen im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Too Good To Go rettet jetzt auch Tierfutter
Too Good To Go bietet in seinen Paketen nun auch Tierfutter zu Preisen an, die bis zu 60 Prozent unter dem Handelspreis liegen können, berichtet Mobiflip.de. Die App, die sich seit 2016 der Rettung von Lebensmitteln widmet, bietet Hunde- und Katzenbesitzern auch Produkte von Premium-Marken wie Edgar Cooper und Baluna, die wegen Überproduktion oder beschädigter Verpackung nicht mehr regulär verkauft werden können. Nach eigenen Angaben nutzen in Deutschland mehr als 14,5 Mio. Menschen die App.
Verbände fordern Durchsetzung europäischer Standards
Der Handelsverband Deutschland, die Deutsche Steuergewerkschaft und der Verbraucherzentrale Bundesverband fordern in einem gemeinsamen Positionspapier die konsequente Durchsetzung europäischer Standards gegenüber Handelsplattformen aus Drittstaaten wie Temu und Shein. Die Verbände weisen insbesondere auf systematische Verstöße gegen Produktsicherheit, Verbraucherschutz und Zollbestimmungen hin. Sie fordern unter anderem die Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro, eine Stärkung der Marktüberwachung sowie die Einführung des bereits geplanten „fiktiven Einführers“ für Zoll- und Steuerformalitäten, um gegen digitale Plattformen auch vorgehen zu können.
100.000 Paketautomaten für den E-Commerce
Der Geschäftsführer von Myflexbox, Lukas Wieser rechnet in Deutschland mit einem Bedarf von mindestens 100.000 Paketstationen, berichtet Zeit.de. Daran wird schon gearbeitet: DHL plant eine Verdoppelung seiner Paketautomaten auf 30.000 Standorte bis 2030, die Konkurrenten GLS und DPD wollen ihr Automatennetz bis 2027 auf 3.000 Stationen ausbauen, Myflexbox will bis Jahresende 1000 Automaten in Deutschland betreiben und die frischgeborene DHL-Tochter „Deinfach“ will bis dahin auch eine vierstellige Zahl erreichen.
Deutsche Manager sehen schwarz
Laut einer aktuellen PwC-Umfrage erwarten 56 Prozent der deutschen Führungskräfte für 2025 eine weitere Rezession, womit die Stimmung in Deutschland pessimistischer ist als in allen anderen G20-Staaten. Vier von zehn befragten Topmanagern planen in den kommenden zwölf Monaten einen Stellenabbau in ihren Unternehmen, mehr als ein Drittel bezweifelt die langfristige Überlebensfähigkeit ihrer Firma ohne grundlegende Veränderungen. Nur 35 Prozent glauben, durch Künstliche Intelligenz in diesem Jahr die Gewinne steigern zu können. Zum Vergleich: Weltweit sehen knapp 60 Prozent der Unternehmenslenker die globale Wirtschaftsentwicklung optimistisch.
Thüringens DHL-Paketzentrum verzeichnet Rückgang
Das DHL-Paketzentrum Nohra verzeichnete 2024 einen Rückgang der bearbeiteten Pakete um fünf Mio. auf 86,8 Mio. Sendungen, was laut MZ.de auf ein schwächeres Online-Handelsgeschäft zurückzuführen sei. Der einzige DHL-Standort in Thüringen, der Pakete für den Großteil des Bundeslandes bearbeitet, bewältigte in der Vorweihnachtszeit dennoch mehr als eine halbe Mio. Sendungen und setzte dafür pro Schicht 50 zusätzliche Mitarbeiter ein.
HANDEL INTERNATIONAL
Welche Handelstrends die US-Messe NRF spiegelt
Die US-amerikanische NRF Retail's Big Show setzt im Januar die Themen für das Jahr. Agnes Bührmann von Publicis Sapient schildert in ihrem Gastbeitrag für Etailment.de die Themen, die in New York im Mittelpunkt standen: mehr Diversifizierung der Kanäle, mehr Personalisierung – und natürlich mehr KI.
Docmorris verfünffacht Zahl der Neukunden
Docmorris steigerte seinen Gesamtumsatz im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent auf 1,085 Mrd. Schweizer Franken und erreichte damit laut Pressemitteilung die selbst gesteckten Ziele. Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten habe sich von einem Minus von 17,5 Prozent im ersten Quartal zu einem Plus von 16,6 Prozent im vierten Quartal entwickelt, wobei sich die Zahl der Neukunden verfünffacht habe. Die Tochter Teleclinic, die Online-Arztbesuche vermittelt, habe ihren Umsatz auf elf Mio. Schweizer Franken verdoppelt und erstmals mit einem positiven Betriebsergebnis zum Gesamterfolg beigetragen.
Australien: Catch gibt auf
Australiens beliebter Online-Händler Catch wird im April seinen Betrieb einstellen, wie der Mutterkonzern Wesfarmers laut Indiatimes.com mitteilte. Die 2006 gegründete Plattform konnte sich dank günstiger Preise noch gegen Amazon behaupten, doch durch die Konkurrenz von Shein und Temu, die 2022 bzw. 2023 in Australien an den Start gingen, häuften sich die Verluste an. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2024/25 sollen sie sich auf 40 Mio. Dollar belaufen. 100 Beschäftigte könnten in andere Unternehmen von Wesfarmers wie Kmart Australia übernommen werden, aber 190 Beschäftigte werden wohl ihren Arbeitsplatz verlieren.
Südkorea: Coupang und Naver kämpfen um die Spitze
Die beiden größten südkoreanischen Online-Händler Coupang und Naver liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft, berichtet Kedglobal.com. Während Marktführer Coupang für 2024 einen Rekordumsatz von 27,7 Mrd. Dollar verkündet habe, rechne Naver – die wichtigste koreanische Suchmaschine – als reiner Vermittler zwischen Händlern und Kunden mit einem Warenumsatz von über 34,6 Mrd. Dollar, allerdings ohne teure logistische Infrastruktur im Rücken. Beide Unternehmen hätten kostenpflichtige Abonnements mit Gratis-Lieferung, Streaming-Dienste und Essensbestellung im Angebot.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Die Abbruchrate im E-Commerce steigt weiter
Die Abbruchrate in deutschen Online-Shops steigt weiter auf 72,11 Prozent und erreicht einen neuen Höchststand, so der aktuelle Uptain-Report. Die Analyse offenbart einen besorgniserregenden Trend: Kunden brechen ihre Einkäufe nicht nur häufiger, sondern auch schneller ab – die durchschnittliche Verweildauer sank auf viereinhalb Minuten. Gleichzeitig stieg der mittlere Warenkorbwert bei Abbrüchen auf 58,46 Euro, was die wirtschaftlichen Folgen für die Händler noch verschärft. Gründe für diese Entwicklung sehen die Experten in gestiegenen Kundenerwartungen und zunehmendem Wettbewerb durch ausländische Anbieter.
Starke Preisschwankungen trotz gesunkener Inflation
Viele Produkt-Kategorien einer aktuellen Analyse der österreichischen Preisvergleichsplattform Geizhals erwiesen sich 2024 als preislich von der durchschnittlichen Teuerungsrate entkoppelt: Während Drucker und Scanner um 30 Prozent günstiger wurden, gefolgt von Energiespeichern und Handheld-Konsolen mit jeweils 21 Prozent Preisrückgang, stiegen die Preise für Prozessoren um 18 Prozent. Auch bei Haushaltsgeräten wie Reinigungsrobotern und Kaffeevollautomaten mussten Verbraucher zwischen zehn und 13 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr.
Kostenlose Lieferungen sind Kunden am wichtigsten
Kostenloser Versand ist für 66 Prozent der Verbraucher laut eines Berichts von Pymnts.com das wichtigste Merkmal beim Online-Shopping. An zweiter Stelle stehe ein einfacher Bezahlvorgang mit 50 Prozent, gefolgt von Sendungsverfolgung, schneller Lieferung und unkomplizierten Retouren mit jeweils 46 Prozent. Die Bedeutung des kostenlosen Versands spiegele sich auch im Erfolg der Marktplätze wider, die laut der Studie von 48 Prozent der Kunden gegenüber einzelnen Online-Shops (27 Prozent) und Herstellershops (25 Prozent) bevorzugt werden.
NACHHALTIGKEIT
Online-Check für die Nachhaltigkeit im Handel
Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel veröffentlicht einen kostenlosen Fitness-Check, der mittelständischen Händlern hilft, ihre Nachhaltigkeitsbilanz systematisch zu verbessern. Das digitale Analyse-Werkzeug prüft in sechs Kernbereichen – von Organisation über Ressourcen bis zur Lieferkette – die aktuellen Unternehmensprozesse und liefert individuelle Handlungsempfehlungen. Wie Klima-Coach Sarah Großkopf erklärt: „Nachhaltig agierende Handelsunternehmen reduzieren Umwelt- und Klimaschäden, sind zukunftsfähiger und können häufig Kosten sparen“.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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