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Aktuelle E-Commerce-News zu Verdi, Nutzerbewertungen, Marley Spoon, Ebay, US-E-Commerce, EU, Amazon, Cainiao und weiteren Themen des Tages im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Verdi streikt wieder am Prime Day – seit zehn Jahren ohne Erfolg
Die einen sehen die Schnäppchen, die anderen einmal mehr eine Gelegenheit, den Druck zu erhöhen. Die Gewerkschaft Verdi hat im ewigen Tarifkonflikt mit Amazon Beschäftigte für Dienstag bis Donnerstag zu Warnstreiks aufgerufen, wie gestern diverse Medien berichteten. In Bad Hersfeld in Hessen, wo Amazon 1999 das erste deutsche Waren- und Versandzentrum eröffnete, kommt es damit zu einem etwas kuriosen zehnjährigen Jubiläum: Bereits 2013 wurde zum ersten Streik aufgerufen – aber einen Tarifvertrag gibt es immer noch nicht; Amazon kann sich auf die vorhersehbaren Aktionen offenbar gut einstellen. hessenschau.de wirft einen Blick zurück und befragt mehrere Experten, von denen einer zum Fazit kommt: „Wenn man zehn Jahre streikt und kein Ergebnis erzielt – das ist ein Armutszeugnis.“ Dass Verdi in absehbarer Zeit aufgibt, erscheine trotzdem unwahrscheinlich.
girocard mit neuen Funktionen
Die girocard ist mit Abstand die beliebteste bargeldlose Zahlungsmethode in Deutschland. Damit das so bleibt, wird sie umfangreich weiterentwickelt. Händler können über eine Umfrage ihre Ideen dazu äußern. Mehr lesen
Verbraucherschützer kritisieren intransparente Nutzerbewertungen
Eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hat ergeben, dass die Echtheit von Nutzerbewertungen im Onlinehandel oft nicht nachvollziehbar ist und Verbraucherschutzvorschriften unzureichend eingehalten werden, berichtet Spiegel Online. In Deutschland gelten seit einem Jahr explizite Regeln dafür, wie Händler Bewertungen verwenden dürfen, doch trotz der hohen Bedeutung für Kaufentscheidungen sei deren Transparenz mangelhaft. Um nachzuvollziehen, wie eine prominent platzierte Sternebewertung zustande gekommen sei, müssten User sich oft durch Unterseiten, Aufklappmenüs oder FAQs klicken. Untersucht wurden neben dem Marktführer Amazon Plattformen wie Otto.de, HolidayCheck und Eventim. Laut vzbv setzen nur 3 von 30 untersuchten Händlern die gesetzlichen Vorgaben ausreichend um – wer welches Ergebnis erzielte, wurde nicht veröffentlicht. Gegen einige der Plattformen will der Verband nun rechtlich vorgehen, damit diese ihr Angebot nachbessern.
Marley Spoon wird übernommen und wechselt an die Börse Frankfurt
Der Kochboxen-Versender Marley Spoon aus Berlin ist bei uns deutlich weniger präsent als der größere Konkurrent Hello Fresh, erwirtschaftet aber weltweit 400 Mio. Euro Umsatz; vor allem in den USA ist man gut positioniert durch eine Partnerschaft mit Fernsehköchin Martha Stewart. Ende Juni hatte die Berliner Risikokapitalfirma 468Capital die Mehrheit des Unternehmens übernommen, dessen Bewertung dabei auf 26 Mio. Euro sank. Nach Aussage von CEO Fabian Siegel im Interview mit der Wirtschaftswoche treffe dieser Trend alle, inklusive HelloFresh oder Zalando: „Es gibt derzeit kein E-Commerce-Unternehmen, dessen Bewertung nicht 50 Prozent unter dem Höchststand liegt.“ Nun wechselt die Firma von der Börse Sydney nach Frankfurt, wo Siegel sich eine bessere Bewertung erhofft, unter anderem weil der hiesige Kapitalmarkt das Geschäftsmodell besser verstehe. Sein Fazit: „Der Weltmarkt ist groß genug für zwei Anbieter.“
„Für jede Leidenschaft das Passende“: Drag Queens talken für Ebay
eBay präsentiert im Rahmen seiner Markenkampagne „Ebay. Das seid ihr” Deutschlands erste YouTube-Drag-Talkshow unter dem Titel „Ebay presents ‚hot stuff’“, wie der Marktplatz selbst meldet. Das Talkformat wird vom Dragqueen-Kollektiv „Duct Tape” gehostet und soll Ebays Versprechen „für jede Leidenschaft das Passende“ symbolisieren. Die sechsteilige Talkshow läuft auf YouTube und wird auch auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat beworben.
HANDEL INTERNATIONAL
US-E-Commerce-Umsatz 2023: über 1,1 Billionen Dollar erwartet
Während in Deutschland das E-Commerce-Wachstum eine Pause einlegt, geht es in den USA weiter nach oben, wenn auch verlangsamt. Nach dem sprunghaften Anstieg während der Pandemie soll das Wachstum des E-Commerce-Umsatzes in diesem und in den kommenden Jahren voraussichtlich immerhin noch bei rund 10 Prozent jährlich liegen. Der aktuelle „2023 U.S. Online Retail Report“ der internationalen Beratungsfirma FTI Consulting, über den Retail Dive berichtet, geht davon aus, dass der Online-Einzelhandelsumsatz in den USA in diesem Jahr 1,14 Billionen US-Dollar erreichen wird, wobei fast die Hälfte des Umsatzwachstums im Einzelhandel auf den Faktor E-Commerce zurückzuführen sein wird.
EU-Regulierung: Amazon will nicht auf die Liste der Internet-Giganten
Die Europäische Union beschreibt ihren Digital Services Act selbst als „weltweit wichtigste und ehrgeizigste Regulierung zum Schutz des digitalen Raums vor der Verbreitung illegaler Inhalte“. Im Zuge dessen hat sie unter anderem 19 „Sehr grosse Online-Plattformen“ („VLOPs – Very Large Online Platforms“, mit je über 45 Millionen Usern) von Alibaba bis Zalando definiert, die sie zwingen will, stärker gegen Hass und Hetze vorzugehen. Der erste Streit entzünde sich natürlich schon daran, wer auf eine solche Liste gehöre, berichtet wiwo.de. Zwar widerspreche Amazon nicht der Tatsache, „sehr gross“ zu sein, was angesichts von 500 Mrd. Dollar Umsatz auch schwierig wäre, aber argumentiere, als E-Commerce-Anbieter gehöre man nicht dazu. Auf andere große Einzelhändler in der EU werde die verschärfte Regulierung auch nicht angewandt, was eine unfaire Behandlung darstelle. Daher habe Amazon am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg als erster US-Konzern Klage gegen die Einstufung eingereicht.
Cainiao von Alibaba verspricht weltweite 5-Tage-Lieferung
Cainiao, das Logistikunternehmen von Alibaba, hat angekündigt, dass es gemeinsam mit AliExpress einen branchenweit einmaligen globalen 5-Tage-Lieferservice anbieten werde, wohlverstanden, nicht als spezialisierter „Nur-Paketdienst“, sondern für grenzüberschreitende E-Commerce-Lieferungen in jedes Land der Erde. Dies berichtet ChannelX und stuft die Ankündigung als „gewaltige Neuigkeit“ ein, da eine solche globale Expresslieferung, wenn sie in dieser Form komme, den Nächstplatzierten um fast eine Woche unterbieten dürfte.
TRENDS & TECH
Im Fadenkreuz: Wie Händler sich vor Hackern schützen
Cyberkriminelle wollen Geld und Daten. Der Handel hat beides. Dass der E-Commerce weltweit im Fokus von Cyberkriminellen steht, verwundert deshalb nicht. Die schlechte Nachricht: Erpressung, Datendiebstahl und Betrug können jeden Händler treffen. Die gute: Es gibt Schutz, wenn auch nicht zu hundert Prozent. In einem Beitrag für Der Handel erklärt Redakteur Stefan Becker die Grundlagen der IT-Sicherheit.
In Paris luxuriös shoppen und zahlen mit Alipay+
Die französische Luxus-Kaufhauskette Printemps hat das Zahlungssystem Alipay+ integriert, um Kunden aus Asien die Möglichkeit digitaler Zahlungen zu bieten, wie The Paypers berichtet. Printemps sei somit einer der ersten Einzelhändler in Frankreich, bei dem Kunden etwa aus Korea und Hong Kong vor Ort in Paris kontaktlose Zahlungen mit der in ihren Ländern marktführenden App vornehmen könnten; auch E-Wallets von den Philippinen, aus Malaysia und Thailand würden unterstützt. Alipay+ biete Printemps zudem die Möglichkeit, Kampagnen direkt in den Bezahl-Apps der Kunden zu schalten und diesen Rabatte und spezielle Angebote anzubieten.
Ebay übernimmt italienischen Kleider-Echtheits-Scanner Certilogo
Ebay hat die Firma Certilogo mit Sitz in Mailand übernommen, einen Anbieter von KI-gestützten digitalen IDs und Authentifizierungen für Bekleidung und Modeartikel, wie Ebay selbst informiert. Mit der Technologie werden Endkunden in die Lage versetzt, unter anderem die Echtheit von Produkten einfach zu validieren. Der „Certilogo-Code“ kann als QR-Code oder via NFC-Tag maschinenlesbar sein oder mit 12 Ziffern einfach von Hand eingegeben und zur Prüfung eines Artikels herangezogen werden. Umgekehrt können Firmenkunden ihre Artikel digital zertifizieren und verwalten. Certilogo wird weiter von CEO Michele Casucci geleitet
NACHHALTIGKEIT
Deutsche beim Elektro-Recycling überfragt
Schon seit 2015 können in Deutschland Elektroaltgeräte bei Fachhändlern abgegeben werden, und seit Juli 2022 sind auch Supermärkte oder Discounter zur Rücknahme verpflichtet, wenn ihre Verkaufsfläche größer als 800 Quadratmeter ist und sie dauerhaft oder immer wieder Elektrogeräte vertreiben. In den Köpfen scheint das noch nicht angekommen. Laut einer Studie der gfu Consumer & Home Electronics und der Strategieberatung Oliver Wyman, über die onlinehaendler-news.de berichtet, wissen 40 Prozent der Bevölkerung generell nicht, wie sie ihre alten Elektrogeräte loswerden. 70 Prozent haben noch nichts von Rückgabe bei Supermärkten und Herstellern gehört; 75 Prozent kennen ihr Recht auf Rückgabe im Online-Handel nicht. Daher werden viele Geräte nicht recycelt, und wertvolle Rohstoffe bleiben ungenutzt. Im Vergleich dazu wurden in Frankreich, das als EU-Pilotmarkt für den „Green Deal“ zur Klimaneutralität ausgewählt wurde, bereits Fortschritte erzielt, indem beispielsweise Waschmaschinen mit einem „Reparierbarkeits-Index“ versehen wurden. Die Reparaturquote für Elektrogeräte in Frankreich liege mit 32 Prozent daher bereits höher als hierzulande mit 22 Prozent.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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