
PayPal kommt per QR-Code an den POS
Im Wettrennen um Zahlungslösungen für das Smartphone setzt PayPal zunächst auf QR-Codes. Ein erster stationärer Shop testet die Lösung ab diesem Monat in Berlin - bis zum Sommer soll eine große Handelskette folgen.
David WöllensteinRedakteurUm die App für iPhone oder Android nutzen zu können, verknüpft der Kunde sein PayPal-Konto mit dem Smartphone und hinterlegt eine Postadresse sowie einen 4-stelligen Sicherheitscode. Daraufhin kann er mit Hilfe eines eingescannten QR-Codes weiterführende Informationen zu Produkten aufrufen, Waren bestellen und auch direkt über PayPal bezahlen - gleichgültig, ob er sich in einem Ladengeschäft, vor einer Plakatwand oder in einem virtuellen Shop befindet.
Bestellung und Bezahlung in einer App ohne Medienbruch
"Ein entscheidender Grund für den Einsatz dieser Mobile-Commerce-Lösung mit integrierter Bezahlfunktion ist ihre Eignung für den Einsatz im Multichannel-Handel", begründet Martin Willmann, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von mStore, die Entscheidung für die QRShopping-App. "Neben der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten überzeugt uns, dass der Verkaufsabschluss erstmals ohne Medienbruch direkt aus dem Warenkorb der App erfolgt."
Andere QR-Code-Lösungen verlinken bisher lediglich zu einem Webshop, in dem der Kunde dann per Smartphone weitersurfen muss, bis er den Bestellvorgang abschließen kann. Dies ist selbst bei mobil optimierten Webshops in der Regel keine besonders komfortable Lösung. Ein Einkauf mehrerer Produkte durch das Scannen von QR-Codes ist bei diesen Lösungen zudem nicht möglich.
mStore, nach Gravis der zweitgrößte Reseller von Apple-Produkten in Deutschland, arbeitet darüber hinaus gemeinsam mit PayPal und Itellium an neuen Verkaufskonzepten, etwa in Form digitaler Displays, die bis Ende April zunächst im mStore-Trendshop in Berlin getestet werden und einen Multichannel-Einkauf über die QRShopping-App ermöglichen sollen.
Der Webshop kommt in das Ladengeschäft
"Die von PayPal und uns entwickelte Lösung ermöglicht es allen Gewerbekunden von PayPal, echten Multi-Kanal-Handel zu betreiben, also Waren zu jeder Zeit und an jedem Ort zu verkaufen - inklusive der Zahlungsabwicklung", erläutert Dr. Andreas Marra, Geschäftsführer der Itellium Mobile Solutions GmbH, im Gespräch mit derhandel.de.
Neben einer mobilen Zahlungslösung kann der Händler seinen Kunden per QR-Code zusätzliche Waren und Dienstleistungen anbieten - auf Prospekten, Plakatwänden, Bildschirmen. Auf diese Weise könnten zum Beispiel im Lebensmittelhandel Aktionswaren wie Fahrräder oder Balkonmöbel flächensparend präsentiert werden, bestell- und bezahlbar per QR-Code, der auch auf den Displays von Kartenterminals dargestellt werden kann. "Mehr Umsatz pro Quadratmeter", verspricht Marra dem Handel mit derartigen "Cross-Channel-Kampagnen".
Auf der Fachmesse EuroCIS, die in dieser Woche in Düsseldorf stattfand, sei das Konzept bei vielen Handelsunternehmen auf reges Interesse gestoßen, berichtet Marra. Noch bis zum Sommer werde voraussichtlich auch ein bundesweit tätiger Händler die PayPal QRShopping-App pilotieren. Rund 16 Millionen Deutsche verfügen nach Unternehmensangaben über ein PayPal-Konto, rund neun Millionen Konten davon gelten als "aktiv".
In den USA wurde jüngst ein Pilotversuch für PayPal-Zahlungen in den Baumärkten von Home Depot von ursprünglich fünf auf rund 2.000 Märkte ausgeweitet. Bis Mitte März soll der Roll-Out in allen 2.200 Stores landesweit abgeschlossen sein. Allerdings basiert der Zahlungsvorgang bei der größten amerikanischen DIY-Kette nicht auf QR-Codes. Die Kunden können bei Home Depot mit ihrer Handynummer und einer vierstelligen PIN oder mit einer PayPal-Karte und PIN bezahlen. Den genauen Ablauf der beiden Methoden zeigt ein dieses YouTube-Video.
Hanno Bender
Update (5.3.): Laut einem Bericht des Wall Street Journals vom Freitag arbeiten die US-Handelsgrößen Wal-Mart und Target gemeinsam an einer Branchenlösung für mobile Zahlungen mit dem Handy. Ziel sei der Aufbau eines Verfahrens, das unabhängig von Banken, Kreditkartenorganisationen und Mobilfunkbetreibern sei, meldet das Blatt unter Berufung auf mit dem Projekt befasste Mitarbeiter.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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