
Pleitewelle nach Arcandor-Insolvenz
Die Zahl der von der Arcandor-Insolvenz betroffenen Mitarbeiter wird sich Zeitungsberichten zufolge bald deutlich erhöhen. Der Onlineshop Myby ist schon mal "vorsorglich" offline.
HSE24 nicht betroffen, MyBy offline
Weiterhin nicht von Insolvenzen betroffen seien der Online-Shop HSE 24 sowie die insgesamt 18 Spezialversender im Primondo-Verbund. Im Fall des Online-Fachmarkts MyBy muss sich allerdings noch der 50-Prozent-Partner zur Lage äußern. Dort sei auch noch kein Antrag gestellt, sagte Schulz.
Der zum Arcandor-Geschäftsbereich Primondo gehörende auf Elektro- und Elektronikartikel spezialisierte Online-Shop MyBy ist derzeit offline. Obwohl die Spezialversender laut einer Arcandor-Meldung zum Insolvenzanztrag nicht betroffen sein und ohnehin alle Geschäftsbetriebe weiter laufen sollten, findet sich bei MyBy derzeit lediglich der Hinweis: "Wir bitten um Ihr Verständnis, dass der Shop vorübergehend nicht verfügbar ist."
Seine Affiliate-Partner soll der Shop in einer Mitteilung etwas ausführlicher informiert haben: Es werde intensiv geprüft, wie sich das Insolvenzverfahren auf die einzelnen Konzerngesellschaften - und somit auch MyBy - auswirken wird, heißt es in Internetberichten. Bis zur endgültigen Klärung der weiteren Vorgehensweise habe man den Shop "vorsorglich" geschlossen. Man setze aber alles daran, eine schnelle Klärung zu erwirken und das Unternehmen mit seinen Arbeitsplätzen und Partnerschaften aufrecht erhalten zu können.
Bei Karstadt keine Besserung in Sicht
Die insolvente Arcandor-Tochter Karstadt ist nach einem Bericht des "Handelsblatts" unterdessen keineswegs auf dem Weg der Besserung. Der Umsatz der Kaufhauskette sei im ersten Geschäftshalbjahr um 2,1 Prozent gesunken, wobei die Warenhäuser auf vergleichbarer Fläche 1,1 Prozent ihrer Erlöse einbüßten. Entsprechend sei das Ergebnis im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum von 26,7 Millionen Euro auf 7 Millionen Euro zurückgegangen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das von der Bundesregierung bestellte Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).
Weil das Geschäftsjahr schon am 1. Oktober beginnt, ist das lukrative Weihnachtsgeschäft in diesem Halbjahresergebnis enthalten. In den beiden Sommerquartalen aber schreibe die Warenhauskette dem Bedricht zufolge üblicherweise hohe Verluste. So hatte sich - trotz schwarzer Zahlen im ersten Halbjahr - bis zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres bei Karstadt ein Verlust von 272 Millionen Euro angehäuft. Zu der Entwicklung wollte sich Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski nicht äußern. Unklar ist auch noch, ob wie geplant an diesem Donnerstag die Halbjahreszahlen veröffentlicht werden.
Hausbanken wollen offenbar Masssekredit gewähren
Der "Financial Times Deutschland" zufolge sind die Hausbanken zur Gewährung eines Massekredits für den Arcandor-Konzern bereit. Die Bereitschaft sei grundsätzlich da, zitierte die Zeitung aus dem Umfeld der beteiligten Geldinstitute BayernLB, Commerzbank und Royal Bank of Scotland (RBS). Koslowski betonte, Arcandor sei mit den Banken in Gesprächen. An diesem Donnerstag will der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg eine erste Einschätzung zur Lage von Arcandor abgeben. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird bis zum 1. September gerechnet.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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