
Preisverfall und Internet: Elektronikhändler unter Spannung
Immer schneller kommen bei Unterhaltungselektronik Produktneuheiten auf den Markt. Mit Innovationen Modellen versuchen Industrie und Handel, die Kunden in Kauflaune zu halten. Nicht alle Anbieter können mithalten.
Thomas RehmRedakteurPreisaggressive Onlinehändler
Mit aggressiven Preisen machen vor allem Onlinehändler dem traditionellen Fachhandel Konkurrenz. "Die Geschwindigkeit, mit der der Onlinehandel aufholt, wird vielfach sogar unterschätzt", stellte die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie fest, die mit dem Center-Betreiber ECE erstellt wurde. Händler dürften nicht abwarten, sondern müssten handeln. "Es ist fünf vor zwölf für viele konventionelle Einzelhandelskonzepte", mahnen die Berater. Ziel sollte sein, Online- und Offline-Shopping zu verknüpfen. Bereits jeder dritte Kunde nutze intensiv solche Multichannel-Möglichkeiten.
Die Expert-Führung sieht die Verbundgruppe hingegen auf dem richtigen Weg. Bereits mehr als 80 Prozent der angeschlossenen Fachhändler betrieben einen Online-Shop. Dort würden die Angebote der Woche präsentiert, deren Zahl in Kürze auf 60 Produkte steige. Die Konkurrenz schläft ebenfalls nicht: Die Kollegen von ElectronicPartner (EP) wollen den angeschlossenen 700 selbstständigen EP-Händlern in Deutschland bald die Infrastruktur für virtuelle Ladenlokale bereitstellen. EP geht davon aus, dass die Mehrheit der Händler das nutzen wird. Euronics will mit dem Ausbau seiner Internet-Präsenz auch den "digitalen Flaneur" ansprechen, der sich fast ausschließlich im Internet bewegt.
MediaSaturn will Onlinekanal ausbauen
Media Markt und Saturn wollen das Sortiment ihrer gleichnamigen deutschen Onlineshops auf jeweils mindestens 20.000 Artikel in diesem Jahr ausbauen. "Wir sind noch ein Junior Player", räumte vor kurzem der Chef des Mutterkonzerns Metro, Olaf Koch, ein. Europas größter Elektronikhändler verknüpfe seine Online-Angebote mit den Läden und erziele auch Kundenzulauf in der Fläche.
Hinter den Kulissen werden wegen der gestiegenen Anforderungen die Landesgesellschaften von Media Markt und Saturn derzeit zusammengelegt. Für die Kunden in Deutschland ändert sich nichts, beide Marken bleiben erhalten. Die Internetshops von Saturn und Media Markt sind noch keine zwei Jahre am Netz. Internet-Riesen wie Amazon sind schon viel länger aktiv.
Rewe will sich aus Markt zurückziehen
Im hartumkämpften Wettbewerb bei Unterhaltungselektronik steigen verschiedene Anbieter aus. Der Handelsriese Rewe prüft eine Trennung von seiner verlustreichen Tochter ProMarkt und lässt sowohl einen Komplettverkauf als auch den Verkauf von Filialen ausloten. Expert-Chef Müller signalisierte Interesse an passenden Filialen. Er verwies bei der Bilanzvorlage darauf, dass die Warenhausunternehmen Karstadt und Kaufhof Elektronikabteilungen geschlossen hätten und vor Jahren beispielsweise der Versandhändler Quelle ausgeschieden sei.
In dem schnelllebigen Geschäft gehe es nicht nur um eine große Einkaufsmacht und damit sehr günstige Konditionen: "Die Kraft liegt nicht nur im Einkauf, sondern auch im Verkauf." Dazu zählten Service und Beratung.
Volker Danisch, dpa

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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