
Prime Video, Shopify, Zalando, Selbständige, Destatis, Luxexperience, Ebay, Österreichs Paketsteuer, Meta, Eurozone, KI-Ausgaben
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Thomas RehmRedakteurHANDEL NATIONAL
Prime Video vor Gericht: 220.000 gegen Amazon
Eine Sammelklage von 220.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern gegen Amazon wird seit gestern vor dem Oberlandesgericht München verhandelt, berichtet Stern.de. Auslöser sei die Einführung von Werbung bei Prime Video: Abo-Kunden hätten entweder Werbung schlucken oder monatlich 2,99 Euro für eine werbefreie Variante nachzahlen müssen. Im Kern gehe es um die Frage, ob ein Konzern laufende Verträge nachträglich verschlechtern dürfe. Das Landgericht München habe im Vorjahr bereits zugunsten der Verbraucherschützer entschieden.
Händlerbund wirft Shopify-Shops einen Rettungsring
Ab dem 19. Juni greift die Pflicht zur elektronischen Widerrufsfunktion im Online-Handel, und der Händlerbund schiebt rechtzeitig ein passendes Shopify-Plugin nach. Händler könnten die Funktion direkt im Theme-Editor aktivieren und ans Shopdesign anpassen, die Anbindung laufe über Shop-ID und Token. Eingehende Widerrufe sammle ein zentrales Dashboard, Bestätigungsmails verschicke das System automatisch. Für Shopware und JTL seien native Lösungen in Arbeit.
Zalando kickt sich in die belgische Nationalelf
Zalando wird für fünf Jahre Top-Premium-Partner des königlichen belgischen Fußballverbands RBFA, meldet Fashionunited.de. Der Berliner Online-Händler rüste die Red Devils, Red Flames und Jugendteams bis 2030 aus – allerdings nicht auf dem Platz, wo Adidas die Trikots stelle, sondern daneben. Im Zentrum stehe der „Arrival Moment“: Die privaten Looks der Spielerinnen und Spieler beim Stadioneinzug sollen auf der Plattform direkt shoppbar werden.
Jeder fünfte Selbständige sieht sich am Abgrund
Jeder fünfte Selbständige in Deutschland bangt akut um die wirtschaftliche Existenz, meldet das Ifo-Institut. Mit 20,6 Prozent liege der Wert weit über dem Schnitt der Gesamtwirtschaft von 8,1 Prozent. Fast der Hälfte fehlten im April schlicht die Aufträge. Der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex sei von minus 20,8 auf minus 29,9 Punkte abgesackt – ein neuer Tiefstand. 38,8 Prozent der Befragten könnten ihre Geschäftsentwicklung kaum noch einschätzen.
Destatis wird zur Datendrehscheibe der Verwaltung
Mit dem gestern in Kraft tretenden Daten-Governance-Gesetz übernimmt das Statistische Bundesamt laut Pressemitteilung eine zentrale Rolle beim Zugang zu geschützten Behördendaten. Das Gesetz übersetze den europäischen „Data Governance Act“ in nationales Recht und solle Forschung, Innovation und datenbasierte Geschäftsmodelle stärken. Destatis berate öffentliche Stellen bei Pseudonymisierung und Anonymisierung, baue einen Metadatenkatalog auf und bearbeite Datenanfragen aus Wirtschaft und Wissenschaft.
HANDEL INTERNATIONAL
Luxexperience: Mytheresa zieht, Net-a-Porter erholt sich
Die Luxexperience Group hat im dritten Quartal ein bereinigtes Ebitda von 5,7 Mio. Euro erzielt und damit zum zweiten Mal in Folge operativ schwarze Zahlen geschrieben, meldet Retail-News.de. Der Nettoumsatz sei mit 618,4 Mio. Euro währungsbereinigt stabil geblieben. Treiber bleibe Mytheresa mit einem Umsatzplus von 9,9 Prozent und einer Ebitda-Marge von 5,5 Prozent. Net-a-Porter, Mr Porter und Yoox schrumpften zwar, würden aber ihre Margen deutlich verbessern.
Ebay vereinheitlicht ab Juni die Größenangaben für Bekleidung und Schuhe, wie Channelx.world berichtet. Betroffen seien Listings über APIs, File Exchange und Drittanbieter-Tools; direkt über Website oder App eingestellte Angebote erfüllten die Vorgaben bereits. Eindeutiger Werte wie „Small“ normalisiere Ebay automatisch zu „S“, schwammige Einträge wie „siehe Beschreibung“ landeten zunächst mit Warnhinweis im System. Ab Juli folge die scharfe Phase: Listings mit nicht-standardisierten oder fehlenden Größen- und Zustandsangaben würden von Ebay blockiert.
Handelsverband: Österreichs Paketsteuer ist ein Eigentor
Die geplante österreichische Paketabgabe von zwei Euro pro Sendung treffe die falschen Akteure, kritisiert Handelsverband.at. Sie werde als Maßnahme gegen Temu und Shein verkauft, belaste tatsächlich aber heimische und europäische Online-Händler ab 100 Mio. Euro Umsatz sowie indirekt rund 4.000 KMU als Marktplatzhändler. Geschäftsführer Rainer Will spricht von einem Eigentor vor der Fußball-WM. Frankreich und Italien seien an ähnlichen Modellen gescheitert. Der Verband verweist stattdessen auf die EU-Zollreform 2028.
Meta zieht 7.000 Beschäftigte zur KI-Truppe ein
Meta verschiebt 7.000 Mitarbeitende in neue KI-Einheiten und entlässt zehn Prozent der Belegschaft, berichtet Reuters.com. Insgesamt seien rund 20 Prozent der zuletzt knapp 78.000 Beschäftigten betroffen, hinzu kämen 6.000 gestrichene offene Stellen. Manager-Ebenen würden zugunsten flacherer Strukturen abgebaut, KI-Agenten sollten künftig menschliche Aufgaben übernehmen. Die Belegschaft protestiere: Mehr als 1.000 Unterschriften richteten sich gegen eine Maus-Tracking-Software, mit der Meta seinen KI-Modellen das Klickverhalten beibringen wolle.
Eurozonen-Handelsbilanz schrumpft
Der Handelsüberschuss der Eurozone mit dem Rest der Welt ist im März auf 7,8 Mrd. Euro zusammengeschmolzen, meldet Eurostat. Vor einem Jahr habe das Plus noch bei 34,1 Mrd. Euro gelegen. Die Exporte seien um 5,5 Prozent auf 265,3 Mrd. Euro gefallen, die Importe um 4,4 Prozent auf 257,4 Mrd. Euro gestiegen. Das EU-Geschäft mit den USA verbuche minus 37,1 Prozent bei den Ausfuhren. Der Binnenhandel zwischen den EU-Staaten wuchs dagegen um 2,7 Prozent.
TRENDS & TECHNOLOGIE
KI-Ausgaben klettern auf 2,59 Bio. Dollar
Die weltweiten Ausgaben für Künstliche Intelligenz erreichen 2026 laut einer Gartner-Prognose 2,59 Bio. Dollar, was einem Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, berichtet Heise.de. 2027 könnten es bereits 3,5 Bio. Dollar sein. Den Löwenanteil verschlinge mit über 1,4 Bio. Dollar die Infrastruktur. CIOs müssten nun belegen, dass KI-Investitionen messbare Geschäftsergebnisse lieferten.
Russlands Online-Handel verliert seine Kunden
Russlands Online-Lebensmittelhandel wuchs im ersten Quartal 2026 um 23,9 Prozent auf 482 Mrd. Rubel. Das klingt gut, ist aber der schwächste Anstieg seit Jahren, berichtet Russland.capital. Im Vorjahresquartal habe das Plus noch bei 26,3 Prozent gelegen, 2024 sogar bei 55,6 Prozent. Neben vorsichtigeren Verbrauchern und steigenden Kosten bremse vor allem die wiederholte Abschaltung des Internets zur Drohnenabwehr das Geschäft.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge