
Privater Konsum treibt Wachstum 2015
Niedriger Ölpreis, schwacher Euro und die Kauffreude der Menschen beflügeln im Jahr 2015 die deutsche Wirtschaft. Das Ifo-Institut rechnet mit mehr Wachstum als bislang angenommen. Sorgen breiten den Forschern aber fehlende Investitionen.
Björn BöerChefredakteurAuch Mindestlohn und Rente mit 63 würden die Entwicklung bremsen. Trotzdem ist das Ifo-Institut mit seiner Prognose deutlich optimistischer als etwa der Sachverständigenrat der Bundesregierung, der für 2015 nur mit einem Plus von 1 Prozent rechnet.
Niedrige Inflation kein Problem
Sorgen vor einer zu niedrigen Inflation erklärte Sinn für unbegründet. "Wenn die Inflationsrate zeitweise absackt, ist das kein Problem." Um das Preisniveau in den Eurostaaten anzugleichen, müsse Deutschland aber auch eine höhere Geldentwertung akzeptieren. Die Anpassungen innerhalb der Eurozone könnten nicht einseitig den Staaten in Südeuropa aufgebürdet werden.
Die Investitionen der Unternehmen steigen nach der Ifo-Prognose nur leicht um zwei Prozent. "Das ist unser Sorgenkind, bei einem ordentlichen Aufschwung sollten zweistellige Wachstumsraten drin sein", sagte Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturabteilung. Sinn bestätigte: "Deutschland investiert zu wenig im Inland und zu viel im Ausland."
Grund für die zurückhaltenden Investitionen ist nach Ansicht der Forscher auch die Einführung des Mindestlohns im Januar. "Die Unternehmen werden auch Maßnahmen wie Preiserhöhungen und Personalabbau ergreifen", sagte Wollmershäuser. Dank der anziehenden Konjunktur soll die Arbeitslosenquote trotzdem leicht von 6,7 auf 6,6 Prozent sinken.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge