
Project A beteiligt sich an Tictail - und was das bedeuten könnte
"Otto-Inkubator" Project A, jüngst auch mit frischem Kapital von Axel Springer aufgepolstert, beteiligt sich an mit 600.000 Euro an dem schwedischen E-Commerce-Start-up Tictail. Die Schweden bieten ein kostenfreies Shopsystem als Software- as-Service. Solche Lösungen sind im Grunde Legion. Warum also macht TicTail so besonders und was lässt sich aus dem Investment noch herauslesen?
Mit dem Einstieg bei Tictail, das unter anderem bereits von Balderton Capital und Klaus Hommels unterstützt wird, wird Project A als strategischer Partner unter anderem seine Erfahrungen im Performance Marketing mit einbringen und zudem wird Florian Heineman von Project A dem Start-up beratend zur Seite stehen.
Der lobt Tictail als "visionary e-commerce concept". Doch langsam.
Zunächst einmal ist Tictail nichts weiter als ein kostenloses SaaS-Angebot, das dann mit dem Verkauf nützlicher Erweiterungen sein Geld verdient.
Positioniert ist das Shopsystem als sehr einfach einsetzbare und leicht gehaltene Lösung. t3n bezeichnete es glatt als "Tumblr für den E-Commerce". So simpel ist es in der Tat. Nach nicht einmal einem Viertelstündchen ist der eigene Shop im Netz.
Das System ist so simpel gestrickt, dass es nicht einmal eine Anbindung an ein Warenwirtschaftssystem bietet, keine Anbindung an weitere Marktplätze erlaubt, der Artikelimport mühevoll ist und Händler auch noch auf so manche andere Bequemlichkeit verzichten müssen. Auch die Rechtssicherheit für deutsche Händler (Button-Lösung) war im Sommer noch ungelöst. Dafür nimmt TicTail einem gleich aber auch einige Dinge in Sachen Marketing und SEO ab.
Es ist eben vor allem einfach. Und das ist offenbar so faszinierend, dass das System nach eigenen Angaben schon 24.000 Händler überzeugt hat. Tendenz stark steigend. Die Positionierung ist schließlich auch bestechend formuliert: "Tictail funktioniert so einfach, dass es sogar meine Mutter benutzt", heißt in einem Imagevideo.
Nun ist TicTail zwar nicht der erste Software-Player im Portfolio von Project A. Auch andere Inkubatoren setzen längst auf technische Innovationen. Zunehmend, wie ich finde.
Der zweite Wachstumsmarkt (meine zweite Wette) ist die Welt all der Gardinenlädchen, Schmuck-Büdchen, Hinterhof-Designer und Bastelkeller-Retailer, die nun irgendwie in den E-Commerce drängen und dafür nicht gleich die Haushaltskasse ramponieren wollen.
Das ist die Welt all der Muttis und Vatis mit ihren kleinen Boutiquen in einem kleinen Ort im Siegerland und sonstwo, die einfach mal das #Neuland ausprobieren wollen. All diese Menschen suchen händeringend nach Lösungen wie TicTail. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Wachstumsländern dieser Welt. Ein Milliarden-Markt. Darum ist das Investment in Tictail eine ziemlich spannende Wette.
Shop-Beispiele:
Elena Vasilieva
Audrey Jeanne’s
Sarah Illenberger
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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