
Project-A-Chef Florian Heinemann über die Geschäftsmodelle von Morgen
Erinnern Sie sich noch an Wine in Black, das war eines der ersten Investments, mit dem der von der Otto Group und Axel Springer finanzierte Frühphaseninvestor und Company Builder Project A Ventures 2012 für Aufsehen sorgte. Inzwischen zeigen Namen wie Contorion, Loopline, Zenmate oder Spryker, dass die Investments von Project A deutlich über klassische Commerce-Modelle hinausgehen. Warum das so ist, erklärt Mitgründer und Geschäftsführer Florian Heinemann.
Natürlich ist Project A auch im Bereich E-Commerce noch unterwegs. Da aber dann beispielsweise mit einem interessanten Fokus auf B2B, beispielsweise mit Contorion, einem Online-Shop für Handwerks- und Industriebedarf. Und natürlich war auch Technologie seit jeher Teil der eigenen DNA.
Doch mehr denn je sind neue Konstellationen gefragt. Auch im E-Commerce.
Ein möglicher Ansatz sind da auch vertikal integrierte Brands. Ein Ausweg womöglich, um eine Marke außerhalb der Preiskonkurrenz zu etablieren und sich nicht mit den Prozesskosten und Einkaufkonditionen von Amazon und Co messen zu müssen. Das kann ein vielversprechender Investmentbereich sein. „In einen klassischen Drittmarken-Shop werden wir sicher nicht mehr investieren“, sagt Florian Heinemann.
"In einen klassischen Drittmarken-Shop werden wir sicher nicht mehr investieren."
Wenn einer weiß, wie digital gestütztes Brand-Building funktioniert, dann weiß das schließlich Marketing-Experte Florian Heinemann, der einst bei Rocket Internet startete, dann Zalando und eDarling mit aufbaute, bevor er schließlich Project A Ventures gründete.
Derlei Erfahrungen auf die Ebene einzelner Produkte zu übertragen, dass könnte eine Option sein.
Doch wie sollen die vom Fleck kommen? Die Fallhöhe wäre jedenfalls zunächst niedrig. Das Produkt könnte zunächst über Drittseiten angeboten werden, um die Marktfähigkeit und das Interesse der Kunden zu testen. Schon bei Nu3, einem Shop rund um Nahrungsergänzungsprodukte, hat man erfolgreich zahlreiche Eigenmarken gelauncht. Dann wurden Traffic, Wiederholungskaufraten und allerlei weitere KPI beobachtet.
Erst wenn Produkteigenschaften und Packaging dann die Erwartungen der Konsumenten treffen und erfüllen, stünde Brandbuilding auf der Agenda.
Da geht auch online so einiges. Auch handwerklich gut gemachte Bannerwerbung, so Heinemann, könne markenbildende Effekte erzeugen, bevor man später dann über TV-Werbung nachdenkt.
Heinemann sieht Plattformen wie Kickstarter dabei auch als ein mögliches Werbevehikel für konkrete Produkte. Allein schon angesichts des PR- und Image-Effekts und der frühen Bildung eines Kundenkreises.
Ohnehin beobachtet er, dass im Marketing tendenziell produktlastiger agiert wird, immer mit der Hoffnung damit die Marketingkosten zu senken. Vor allem aber gebe es eine Tendenz, intensiver auf CRM und Bestandskunden zu achten. „CRM besser zu organisieren ist ein ganz entscheidender Faktor, um die Marketingkosten zu senken.“ Dabei hilft Facebook beispielsweise mit seinen Customer Audience-Tools, dabei helfen aber auch Apps, um Kunden per Push-Notification günstiger zu erreichen. Gefragt sei aber nicht nur, so Heinemann, die einzelnen Instrumente bis hin zu E-Mail-Marketing separat zu optimieren, sondern diese Instrumente müssten orchestriert und aufeinander abgestimmt werden.
"CRM besser zu organisieren ist ein ganz entscheidender Faktor, um die Marketingkosten zu senken."
Dieses kommt natürlich der Agenda von Project A entgegen: Project A entwickelt in diesem Bereich auch gerade ein eigenes Tool, das voraussichtlich auch Drittkunden zur Verfügung gestellt wird.
Einer der Gründe für die Ausrichtung: Es wird immer schwieriger kapitaleffiziente B2C -Geschäftsmodelle zu etablieren. Wichtiger aber: Eine extreme Taktung und wachsende Komplexität im Markt, die mehr und mehr nach anspruchsvollen Technologien verlangt. Mehr Technik, mehr Daten, mehr Schnittstellen verlangen schließlich nach einer ausgeklügelten IT-Landschaft. „Vergessen Sie bitte nicht auch die Usability und die Menschen, die das bedienen müssen“, ergänzt Heinemann.
Der Trend zur Technisierung ist zudem ein globaler. Heinemann „Alle brauchen eine bessere Infrastruktur.“ Das macht die internationale Skalierbarkeit leichter und macht bei Startups auch andere Größenordnungen möglich.
Allerdings mit einer Einschränkung: Die Lösung des Startups sollte ein relevantes Problem beseitigen und sich dann auch monetarisieren lassen. Da aber ist häufig der Haken: Manche Lösungen sind so komplex und umständlich zu vermitteln, dass sie nach einer kaum noch zu finanzierenden Vertriebsmannschaft verlangen, beobachtet Heinemann.
Chancen bietet sich dabei auch in einem Segment, das gerade erst aus dem Dornröschenschlaf erwacht – dem Mittelstand. Der hingt digital vielfach noch hinterher, will technisch nun aufholen, sich von der Handarbeit verabschieden, und jetzt bei Lead-Generierung, Shipping-Services, Clearance-Service oder der Automatisierung des Marketings den Anschluss finden.
Gerade aber der Mittelstand braucht in B2B und B2C mangels digitaler Kompetenz leicht verständliche Lösungen. Heinemann: „Mit Kyto, einer Lead-Generierungsplattform für exportorientierte Unternehmen, lernen wir gerade welche Probleme und Bedürfnisse in diesem Markt vorhanden sind. Das ist noch ein gewaltig großes Feld, insbesondere wenn es um „Software as a Service“ geht.“
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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