Rätselraten um Jobwunder im Einzelhandel

Rätselraten um Jobwunder im Einzelhandel

Der Einzelhandel hat im vergangenen Jahr etwa 40.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, behauptet der Branchenverband. Die Gewerkschaft Verdi zieht allerdings eine ganz andere Bilanz.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ist die Zahl der Beschäftigten dagegen um rund 20.000 auf 2,83 Millionen gesunken. Nur die Anzahl der geringfügig Beschäftigten steige stetig an.

Verdi: Teilzeitjobs nehmen zu

Der HDE beruft sich in seiner Bilanz auf die Bundesagentur für Arbeit mit Zahlen zum Stichtag 30. Juni. "Neue Jobs sind aber auch in der zweiten Jahreshälfte entstanden", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. In diesem Jahr sei in der Branche bei einem stabilem Gesamtumsatz kein Jobabbau zu erwarten, wie eine aktuelle Umfrage unter über 1.000 Unternehmern ergeben habe.

Der Branchenumsatz dürfte sich 2010 auf Vorjahresniveau bewegen, preisbereinigt um 0,5 Prozent sinken. 2009 sank der Umsatz um 1,6 beziehungsweise 1,9 Prozent.

Nach Ansicht von Verdi geht die gute Entwicklung im Einzelhandel an Beschäftigten vorbei. Der Anteil der Nebenjobberinnen an der Gesamtbeschäftigtenzahl werde von derzeit 8 Prozent in den nächsten Jahren auf 10 Prozent steigen, wenn nicht gegengesteuert werde.

"Die steigende Zahl von Frauen, die von einem Teilzeitjob allein nicht mehr leben können und daher mehrere Jobs nebeneinander jonglieren, ist Ausdruck einer gefährlichen Entwicklung", erklärte die Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane am Mittwoch in Berlin. Die Gewerkschaft verweist bei ihren Zahlen auf Daten des Statistischen Bundesamtes.

Absage an einen Mindestlohn

Der HDE hob bei seiner Präsentation in Düsseldorf hervor, dass sich unter den rund 40.000 neuen Arbeitsplätzen nur 11.000 Minijobs befänden, die nicht sozialversicherungspflichtig seien. Das Gros seien rund 23.000 Teilzeitstellen und 6.000 Vollzeitstellen.

Der HDE rechnet wie bei seiner Prognose für 2009 auch für 2010 mit bundesweit etwa 5.000 Firmenpleiten im Einzelhandel. Dem dürften aber erneut Neugründungen in ähnlicher Größenordnung gegenüberstehen. Der deutsche Einzelhandel umfasse insgesamt etwa 250.000 Betriebe.

In der Diskussion um einen Mindestlohn im Einzelhandel erklärte Genth, auf Länderebene gebe es bereits von den Tarifparteien ausgehandelte Basisentgelte. Mit Verdi werde bereits seit längerem über ein Basisentgelt gesprochen, dass bundesweit für die gesamte Branche gelten solle.

Einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn lehne der HDE dagegen ab, weil dieser nicht die konkreten Marktbedingungen berücksichtigen könne. Derzeit lägen die untersten regionalen tariflichen Stundensätze bei etwa 7 Euro. Für zwei Drittel der Beschäftigten würden Tarifverträge gelten.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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