
Das E-Commerce-Jahr 2016: Die wichtigsten Ereignisse (und wie sie den Handel in Zukunft bestimmen werden)
Im nicht gerade ereignisarmen E-Commerce-Jahr 2016 waren einige Nachrichten besonders herausragend. Weil sie nicht nur für den Kunden von Heute, sondern auch für den Markt von Morgen bedeutend sind.
Erst den Modehandel kaputt machen und dann helfen wollen: Zalando umwirbt mit seiner Initiative "Integrated Commerce" den klassischen Handel. Die Händler sollen für Zalando im Laden Päckchen packen, die Ware an die Kunden liefern und so vom Online-Handel profitieren. Die einen nennen das Zynismus. Andere schlicht den Anfang des Plattform-Kapitalismus.
Zalando Nummer 2 dringend gesucht: Rocket Internet trudelt ein wenig orientierungslos herum. Kein "Proven Winner" will so recht durchstarten, die Eroberung weiterer Märkte stockt. Sogar beim Vorzeige-Start-up Home24 hängt der Haussegen schief. Aber für Häme wäre es viel zu früh.
Die SB-Warenhaus-Kette Real kauft sich den Marktplatz Hitmeister. Kann man machen. Schließlich gehört den Marktplätzen die Zukunft. Was man sich aber nicht kaufen kann: Geduld. Die Aufholjagd wird ein Marathon.
Es war der schärfste Deal des Jahres: Unilever kauft das Abo-Service-Start-up für Rasierklingen Dollar Shave Club. Preis: rund eine Milliarde Dollar. So teuer ist es also, wenn man das geänderte Kundenverhalten verschläft. Für den Handel sollte der Mega-Deal auch ein Weckruf sein. Binnen einer Dekade könnten Hersteller nämlich auch ganz gut ohne klassische Händler auskommen.
In Seattle eröffnet Amazon den ersten "Amazon Go"-Laden. Der Convenience-Store kommt ganz ohne klassische Kassen aus, weil der Kunde auf Schritt und Tritt überwacht werden kann. Die kassenlose Technik könnten wir in wenigen Jahren in Discountern sehen.
Facebook, Instagram und Pinterest mausern sich mehr und mehr zu Shopping-Marktplätzen. Helfen werden dabei Chatbots. Noch sind die digitalen Helfer dumm wie Brot und zuweilen kann man erfolgreicher seinen klassischen Handzettel anschreien und auf eine Reaktion hoffen. Aber das wird sich alsbald ändern. eBay macht aus seinem Chatbot nämlich schon einen Shopbot.
Projekt Kulturwandel. Vorstandschef Hans-Otto Schrader (Kurzname Hos) hat Anfang 2016 allen Mitarbeiter das Du angeboten. Wir sind jetzt gespannt: Wird es zur Bilanz-Pressekonferenz im Frühjahr ein Chart geben, wie sich das Du-Momentum entwickelt hat und wie viele Mitarbeiter Hos in die Du-Zukunft folgen??
Media-Saturn lässt zusammen mit Hermes testweise Lieferroboter auf die Kundschaft los. Die Bollerwagen 2.0 rollen autonom über den Bürgersteig zum Kunden und sollen bald auch Retouren abholen. Alternative und automatisierte Zustellsysteme braucht die Branche in den kommenden Jahren dringend. Es wird nicht genug Paketboten geben, um mit dem Wachstum im E-Commerce noch Schritt zu halten.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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