
Ruf nach einem Verkauf von Media-Saturn wird lauter
Europas größte Elektronikmarktkette Media-Saturn war einst der größte Wachstumsträger des Metro-Konzerns. Heute ist sie ein Sorgenkind. Die Stimmen für einen Verkauf der Tochter mehren sich.
David WöllensteinRedakteur"Ich will meinen Einfluss behalten"
Doch nicht irgendeinen Weg: Kellerhals ließ wenig Zweifel daran, dass er es am liebsten hätte, wenn die Metro sich aus dem Unternehmen zurückziehen würde. "Unsere Unternehmensphilosophien klaffen inzwischen weit auseinander", sagte er und schloss gleichzeitig den eigenen Rückzug aus dem Unternehmen aus: "Ich will meinen Einfluss im Unternehmen behalten." Die Metro hält zwar einen 78-Prozent-Anteil an der Elektronikkette. Doch verfügt Mitbegründer Kellerhals nach wie vor über ein Vetorecht in der Gesellschafterversammlung.
Kellerhals hatte bereits vor Wochen angekündigt, er wolle Media-Saturn mit Hilfe einer Investorengruppe von der Metro zurückkaufen. Nach "Handelsblatt"-Informationen lässt er sich dazu seit Ende 2013 von der US-Bank Morgan Stanley beraten. Doch Metro-Chef Olaf Koch hatte noch in der vergangenen Woche abgewunken. Erstens liege bislang kein Angebot vor, und zweitens wolle sich der Metro-Vorstand zurzeit eigentlich nicht von der Tochter trennen: "Wir sehen bei Media-Saturn großes Wertsteigerungspotenzial."
Online-Konkurrenz macht Metro-Tochter zu schaffen
Tatsache ist: Der Metro-Tochter geht es im Moment nicht gut. Der Boom der Onlinekonkurrenz hat die Elektronikmärkte kalt erwischt. Zwar versucht das Unternehmen inzwischen, mit einer Cross-Channel-Strategie, die Onlinehandel und stationäre Angebote verbindet, verlorenen Boden gut zu machen. Doch von alter Stärke ist das Unternehmen weit entfernt. Deshalb wäre ein Verkauf wohl längst nicht mehr so lukrativ wie vor einigen Jahren.
Ob sich Kochs Wunsch, an Media-Saturn festzuhalten, erfüllen wird, ist trotzdem ungewiss. Denn die Idee, die Metro solle sich rasch von ihrer Beteiligung an Media-Saturn verabschieden, findet inzwischen etliche Befürworter.
Genug Baustellen im Konzern
Auch für Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment steht fest, "dass die Metro Media-Saturn verkaufen muss und zwar nicht irgendwann, sondern in den nächsten zwei bis drei Jahren". Das Marktsegment habe seinen Höhepunkt überschritten und stehe massiv unter Druck. Hier würden enorme Managementkapazitäten gebunden, obwohl der Konzern genug andere Baustellen habe, um die er sich kümmern müsse.
"Natürlich kriegt man derzeit nicht viel für Media-Saturn, aber die Frage ist, bekommt man in der Zukunft mehr", meinte Speich. Denn es könne ja sein, dass es dem Elektronikhändler bald noch schlechter gehe. Auf diese Möglichkeit deute das Beispiel der Elektronikkette Best Buy in den USA hin, wo die Marktentwicklung schon weiter sei. "Dort hat der Niedergang angehalten", warnte Speich.
Auch Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist für einen Rückzug der Metro. "Es wäre gut, wenn man den gordischen Knoten durchschlägt", sagte sie. Für sie wäre die beste Lösung ein Börsengang von Media-Saturn.
Erbitterter Machtkampf
Der Metro-Konzern und Kellerhals liefern sich seit mehr als drei Jahren einen erbitterten Machtkampf. Damals versuchte die Metro, das Vetorecht des heute 74-jährigen in der Gesellschafterversammlung durch die Einrichtung eines Beirats zu untergraben, und provozierte damit einen Grabenkrieg mit dem Minderheitsgesellschafter, der Media-Saturn seitdem zu lähmen droht. Denn für Kellerhals ist Media-Saturn mehr als nur ein Investment, wie er dem "Handelsblatt"
sagte: "Mein Herz hängt daran. Ich werde nicht aufgeben."

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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