
Schäden aus Ladendiebstählen rückläufig
Die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel sind leicht zurückgegagen. Mitarbeiterschulungen und bessere Technik sind laut EHI Retail Institute für den Rückgang verantwortlich.
David WöllensteinRedakteurVerlustraten im Handel leicht reduziert
Die Verlustraten sind jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent leicht gesunken. Das durchschnittliche Niveau der Inventurdifferenzen 2010 hat sich - bewertet zu Nettoeinkaufspreisen in Relation zum Nettoumsatz - mit 0,60 Prozent vom Nettoumsatz gegenüber 0,63 Prozent im Jahr 2009 reduziert.
Neben verbesserten technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen, erklärt ein Viertel der vom EHI befragten Unternehmen die durch Schulungen gesteigerte Aufmerksamkeit und Sensibilität der Mitarbeiter als wesentlichen Faktor für den Rückgang der Inventurdifferenzen.
Tätergruppen und Klaurenner
Nach Einschätzung der Kölner Handelsexperten entfallen im Durchschnitt aller Branchen 52 Prozent der gesamten Verluste auf Kundendiebstähle, während man wertmäßig den eigenen Mitarbeitern 22 Prozent anlastet.
In absoluten Zahlen ergeben sich daraus etwa 1,9 Milliarden Euro Schaden durch Kundendiebstähle und 800 Millionen Euro durch eigene Mitarbeiter. Im Verkaufsraum und an der Kasse entstehen 70 Prozent aller Verluste.
Zu den am häufigsten geklauten Artikeln gehören im Lebensmittelhandel nach wie vor kleine, teure Waren wie Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren.
Im Bekleidungshandel werden modische Waren wie Jeans, Jacken, Accessoires, ausgesuchte Markenartikel sowie Dessous bevorzugt. Konsolenspiele, CDs, DVDs, Speicherkarten und Druckerpatronen gehören zu den "Klaurennern" im Elektronikhandel.
Ladendiebstahl weiter ernst genommen
Der Einzelhandel rechnet weiter mit einer zunehmenden Kriminalität. Vor allem Ladendiebstähle in ihren unterschiedlichen Formen wie Gelegenheitsdiebstähle, Beschaffungskriminalität, Diebstahl auf Bestellung oder Bandendiebstähle stellen ein großes Problem für die Händler dar.
Im Fokus steht vor allem der organisierte Ladendiebstahl im Sinne von Bandendiebstählen und Diebstählen auf Bestellung von professionell agierenden Tätergruppen, die bei jedem Zugriff wertmäßig hohe Schäden verursachen.
Auch der gewöhnliche Gelegenheitsdiebstahl durch Kunden und die zunehmende Gewaltbereitschaft potentieller Täter bereitet den Einzelhändlern Sorgen.
Polizeiliche Kriminalstatistik mit großem Dunkelfeld
Durch die hohe Dunkelziffer von rechnerisch über 98 Prozent besitzt die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. Berechnet man den erfassten Schaden der Kriminalstatistik in Relation zu dem gesamten Kundendiebstahl, ergibt sich, dass jährlich rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt bleiben.
Personalschulungen, Kameraüberwachungen und vor allen aufwändige Datenanalysen zur Erkennung von Schwachstellen und Ergreifen von wirksamen Sicherungsmaßnahmen gewinnen aktuell weiter an Bedeutung.
Das Sinken der Inventurdifferenzen stellt laut EHI keinen Anlass dar, Investitionen in Präventiv- und Sicherheitsmaßnahmen zu vernachlässigen. Die Gesamtaufwendungen für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung betragen jährlich fast 5 Milliarden Euro, die der Handel - wie alle Kosten - in seine Verkaufspreise einkalkulieren muss: Jeder ehrliche Kunde beteiligt also bei jedem Kauf mit über einem Prozent des Kaufpreises an den Schäden durch Ladendiebstahl.
An der aktuellen EHI-Untersuchung beteiligten sich 88 Unternehmen mit fast 15.000 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von knapp 61 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge