3D-Illustration zu Heimtextilien, Logistik und digitaler Sicherheit im E-Commerce
© Black Forest Labs / Flux

Heimtextilien, Flaconi, Google, Cannabis, Amazon, FedEx, Westwing, Giglio.com, Trendos, KI-Sicherheit, Bots im Netz

Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
6 Min.· Aktualisiert am
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HANDEL NATIONAL

Teppichboden verliert, Amazon gewinnt: Heimtextilien schrumpfen
Der deutsche Markt für Haus- und Heimtextilien ist im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf 8,7 Mrd. Euro Umsatz eingegangen, so der Branchenbericht des IFH Köln. Diese Entwicklung setze sich schon seit zehn Jahren fort, nur das Online-Geschäft trotze dem Trend: Amazon, Otto und Temu hätten in diesem Zeitraum zwölf Prozentpunkte an Marktanteil gewonnen, und auch primär stationäre Händler steigerten ihre Online-Umsätze um 78 Prozent. Besonders an Boden verlören Böden: Statt klassischer Teppichware seien heute elastische Alternativen gefragt, auch wenn Webteppiche ihre Umsätze noch verteidigten.

Flaconi auf Rekordkurs: 651 Mio. Umsatz, sieben neue Märkte
Der Beauty-Online-Shop Flaconi hat laut Pressemitteilung seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 27 Prozent auf 651 Mio. Euro gesteigert. Die Ebitda-Marge habe fünf Prozent erreicht, der freie Cashflow sich auf 20 Mio. Euro vervierfacht. Allein bei Premium-Düften halte Flaconi inzwischen 38 Prozent des deutschen Online-Marktes. Das bereits in zwölf europäischen Ländern aktive Unternehmen plane 2026 den Eintritt in sieben weitere Märkte – darunter Großbritannien, Spanien und Norwegen. Jeder neue Markt müsse nach sechs Monaten profitabel arbeiten, so CEO Bastian Siebers.

Neues reCAPTCHA erfordert neue Datenschutzerklärung
Google baut das Datenschutzmodell seines Bot-Schutz-Tools reCAPTCHA grundlegend um, berichtet Haendlerbund.de. Ab dem 2. April 2026 übernähmen Webseitenbetreiber die Rolle des Datenverantwortlichen, Google werde zum reinen Auftragsverarbeiter. Die erfassten Nutzerdaten dürften dann ausschließlich dem Betrieb und der Sicherheit des reCAPTCHA-Dienstes dienen. Für Online-Händler bedeute das: Verweise auf Googles Datenschutzerklärung im Zusammenhang mit reCAPTCHA müssten von der eigenen Seite verschwinden, die eigene Datenschutzerklärung brauche ein Update.

BGH stoppt Werbung für medizinisches Cannabis im Netz
Der Bundesgerichtshof verbietet Online-Plattformen die Publikumswerbung für medizinisches Cannabis, berichtet Tagesspiegel.de. Die Karlsruher Richter stuften die Produkte als verschreibungspflichtige Arzneimittel ein, für die das Heilmittelwerbeverbot gelte. Im konkreten Fall hatte die Wettbewerbszentrale gegen die Plattform Bloomwell geklagt, die Verbrauchern Arzttermine für Cannabis-Therapien vermittelte und dafür offensiv warb. Der BGH sah darin eine gezielte Absatzförderung: Patienten könnten so auf eine Verschreibung drängen. Das Urteil beträfe laut Wettbewerbszentrale alle telemedizinischen Plattformen.


HANDEL INTERNATIONAL


Amazon testet Prime-Logistik für externe Online-Shops
Amazon testet ein Pilotprojekt, das Prime-Versand auf externen Websites ermöglicht, ohne dass Kunden sich bei Amazon anmelden müssen, berichtet Businessinsider.com. Das Programm richte sich momentan an eine kleine Gruppe von Händlern, die bereits Amazons Multi-Channel-Fulfillment nutzen. Die teilnehmenden DTC-Marken behielten die Kontrolle über Checkout, Kundendaten und Branding; Amazon gleiche die Prime-Mitgliedschaft im Hintergrund ab. Der Vorstoß baue auf dem bestehenden „Buy with Prime“-Programm auf, beseitige aber dessen größte Hürde: den verpflichtenden Amazon-Login.

FedEx liefert mit SameDay Local in zwei Stunden
FedEx startet in den USA mit „SameDay Local“ einen Dienst für Zustellungen innerhalb von zwei Stunden, berichtet Retail-News.de. Der Paketriese setze dabei auf eine Partnerschaft mit dem Last-Mile-Spezialisten OneRail, der ein Netzwerk aus über 1.000 Zustelldienstleistern koordiniere. KI-gestützte Systeme wählten automatisch Fahrer, Fahrzeug und Route, Kunden erhielten Echtzeit-Tracking bis zur Haustür. Online-Händler könnten die Optionen direkt im Checkout einbinden.

Social-Media-Sucht: Meta und Google verlieren Musterprozess
Geschworene in Los Angeles haben Meta und Google für die Suchtgefahren von Instagram und Youtube haftbar gemacht, berichtet Golem.de. Die Plattformen hätten ihre Dienste bewusst so gestaltet, dass Nutzer – darunter Kinder – nicht mehr aufhören könnten zu scrollen, und dabei fahrlässig die Risiken verschwiegen. Die 20-jährige Klägerin, die seit ihrer Kindheit beide Dienste nutzte und seither unter Depressionen leide, erhält sechs Mio. Dollar Schadenersatz plus Strafzahlung. Beide Konzerne hätten Berufung angekündigt. Das Urteil gelte als Präzedenzfall für hunderte ähnliche Verfahren.

Westwing: Ein Prozent mehr Umsatz, 84 Prozent mehr Gewinn
Westwing hat seinen bereinigten Betriebsgewinn im vergangenen Jahr um 84 Prozent auf 44 Mio. Euro gesteigert – bei nur 1,1 Prozent Umsatzwachstum auf 449 Mio. Euro, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Der Hebel: Die Zahl der Bestellungen sei um 15 Prozent gesunken, doch der durchschnittliche Warenkorb habe mit 235 Euro um ein Fünftel zugelegt. Die margenstarke Eigenmarke „Westwing Collection“ trage mittlerweile 63 Prozent zum Bruttowarenwert bei. 2026 peile die Content-to-Commerce-Plattform fünf bis zehn Prozent Umsatzwachstum an; nach Großbritannien sei man schon expandiert.

Giglio.com: Umsatz sackt, Verlust wächst, CEO optimistisch
Der italienische Online-Luxusmodehändler Giglio.com hat seinen Nettoverlust 2025 auf 2,5 Mio. Euro fast verdoppelt, berichtet Borsaitaliana.it. Der Umsatz sei um 14 Prozent auf 39,5 Mio. Euro gefallen. US-Zölle, ein schwacher Dollar und Nahostkonflikte hätten das internationale Geschäft belastet. Zumindest auf dem europäischen Heimatmarkt zeige sich eine Trendwende: Der Bruttowarenwert sei im zweiten Halbjahr um sieben, Anfang 2026 um zwölf Prozent gestiegen. CEO Giuseppe Giglio verweise auf Kostensenkungen, die die Liquidität mit 4,8 Mio. Euro im Plus hielten, und zeige sich verhalten optimistisch.


Fehlerhafte KI-Tipps kosten Händler das Kundenvertrauen
Fehlerhafte KI-Produktempfehlungen schaden vor allem den Händlern: 58 Prozent der Käufer geben der Marke die Schuld und nicht der Technologie, zitiert Channelx.world eine Rithum-Studie unter 1.046 Online-Shoppern in den USA und Großbritannien. 70 Prozent der Befragten hätten KI zuletzt beim Einkaufen eingesetzt, vor allem zur Recherche; den Kauf über ein KI-Tool abgeschlossen hätten weniger als 15 Prozent. Der Preis sei mit 67 Prozent der wichtigste Faktor, den die KI korrekt liefern müsse, gefolgt von Bewertungen (35 Prozent) und Verfügbarkeit (34 Prozent).

Trendos macht KI-Suchergebnisse für Marken sichtbar
Das kostenlose Tool Trendos zeigt Unternehmen, wie ihre Marke in KI-generierten Antworten von ChatGPT, Google AI Overview & Co dargestellt wird, berichtet das Unternehmen. Die Plattform analysiere Markenerwähnungen, Tonalität und Wettbewerbsposition in über 13 Märkten, darunter auch Deutschland. Die Datenbank umfasse 2,5 Mio. Marken weltweit. In der Gratisversion lassen sich bis zu zehn Marken und 100 eigene Prompts nutzen.

Sieben von zehn Firmen drücken KI trotz Sicherheitsbedenken durch
Sieben von zehn deutschen Entscheidern haben KI-Projekte trotz Sicherheitsbedenken genehmigt, zeigt eine TrendAI-Umfrage. 17 Prozent der deutschen Befragten hätten ihre Bedenken sogar als „extrem“ eingestuft, seien aber von Wettbewerbsdruck und internen Forderungen überstimmt worden. KI entwickle sich schneller, als Unternehmen sie absichern könnten, gäben 56 Prozent an. Nur 41 Prozent verfügten bereits über umfassende KI-Richtlinien. Die Folge: „Schatten-KI“ breite sich aus, weil die für die Cybersecurity Verantwortlichen den Entscheidungen der Geschäftsführung nur noch hinterherhechelten.

Achtmal schneller: Bots lassen Menschen im Netz hinter sich
Automatisierter Internet-Traffic wuchs 2025 rund achtmal schneller als menschlicher, zeigt der „State of AI Traffic“-Report von Human Security auf Basis von über einer Billiarde Interaktionen. KI-getriebener Datenverkehr habe sich nahezu verdreifacht, der Traffic autonomer KI-Agenten sei um 7.851 Prozent gestiegen. Über 95 Prozent des KI-Traffics entfalle auf drei Branchen: Online-Handel, Medien und Reise. Fast 20 Prozent des gesamten Traffics seien inzwischen Scraping-Versuche, etwa um Preisdaten abzuziehen, Kataloge zu kopieren oder Paywalls zu umgehen.
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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