
Schlecker-Filialen: Makler sagen erhebliche Leerstände voraus
Zu klein, zu verwinkelt, schlechte Lage: Für Immobilienmakler sind Schlecker-Filialen keine Top-Standorte. Viele Läden sind unvermittelbar, sagen Experten. Das ist keine gute Prognose für den Einzelhandel.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailment"Drei Treppenstufen - das gibt es nur bei Schlecker"
Viele Schlecker-Filialen sind keine guten Standorte. Selten befinden sie sich in 1a-Lagen, oft haben sie eine nur geringe Größe, der Zuschnitt ist meist nicht mehr zeitgemäß, "und drei Treppenstufen im Eingang gibt es auch nur bei Schlecker", sagt Poggemann.
Er verweist auf den hohen Renovierungsbedarf der Standorte. Für ihn sind das schwer vermittelbare Immobilien, vor allem in der Handelsbranche. Denn für fast alle gängigen Filialisten sind Ladengrößen von 200 oder 300 Quadratmeter indiskutabel.
Poggemann kann sich gerade noch vorstellen, dass in gut frequentierten Stadtteillagen Schlecker-Filialen von Bäckereien oder bestenfalls von der Textilkette Ernstings Family neu bezogen werden. Aber sonst? "Es wird erhebliche Leerstände geben", prognostiziert der Makler.
"Um ein attraktives Angebot an Körperpflegeprodukten, Putzmitteln und auch Lebensmitteln vorhalten zu können, ist eine entsprechende Filialgröße notwendig", sagte auch Mark Sievers, Handelsexperte des Beratungsunternehmens KPMG, zu derhandel.de. In der Konsequenz heißt das, dass wohl Hunderte kleinflächige Filialen überflüssig sind.
Nagelstudios oder Friseure
Auch Stella Schmitz, Einzelhandelsexperterin beim Frankfurter Gewerbeimmobilienmakler Colliers International, kann sich nicht vorstellen, dass in aufgegebene Schlecker-Filialen wieder Handelsbetriebe einziehen. Allenfalls für Friseure, Floristen oder Nagelstudios bleiben diese Standorte attraktiv.
Zuletzt hatte Unternehmenschef Dirk Roßmann davon gesprochen, das maximal 80 Schleckermärkte für ihn interessant seien.
Schlecker-Konkurrent dm "verlangt mindestens 400 Quadratmeter plus etwa 100 Quadratmeter Nebenfläche", sagt Maklerin Schmitz. Zudem sei der Grundriss in einigen Schlecker-Filialen zu verwinkelt und passe nicht zum hellen, großzügigen Ladenbaukonzept von dm.
Zudem treibt die Karlsruher Drogeriekette ihren neuen Ladenbau voran, bei dem regenerative Energiekonzepte mit Photovoltaik und Geothermie im Vordergrund stehen. Seit 2010 stellt dm seine Märkte schrittweise auf Ökostromversorgung um, als Mustermarkt gilt die Filiale in Mössingen, die dm als energieeffizienteste seiner Standorte in Deutschland bewirbt.
Solche Schwerpunkte finden beim Verbraucher immer stärker Anklang. Wie das auch bei Schlecker-Filialen umgesetzt werden könnte, ist fraglich.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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