
Schreibwarenbranche kämpft um Umsatz
Schwierige Zeiten trotz bevorstehendem Schulanfang: Sinkende Schülerzahlen und papierlose Kommunikation machen dem Fachhandel zu schaffen. Gleichzeitig heizen Discounter den Preiskampf an.
Björn BöerChefredakteurGleichzeitig heizen Discounter den Preiskampf an. Weil viele Verbraucher bei den Schulanfangsaktionen von Aldi, Lidl und Co. zugreifen, sind die Umsätze der Fachhändler in Gefahr. Viele weichen schon auf Computerbedarf, Grußkarten und - ähnlich wie im Buchhandel - auch auf Krimskrams aus.
Markenprodukte werden verramscht
89 Cent kostet der Collegeblock - ein "Beidhänder", für Links- und Rechtshänder geeignet. 1,59 Euro für fünf Kugelschreiber, bunte Filzstifte zu 0,95 Euro: Sonderangebote für Schulkinder muss man derzeit nicht lange suchen.
Neben den deutschlandweit rund 2.400 Fachgeschäften sind längst auch Warenhäuser und Discounter auf den gewinnträchtigen Zug aufgesprungen. Sie werben mit Schulmaterial in der Großpackung - und sichern sich so ein beachtliches Stück vom Kuchen.
"Die Discounter-Aktionen haben eine große Bedeutung", heißt es bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die jährlich erfasst, wo Schüler ihre Hefte und Stifte kaufen.
Eine große Auswahl gibt es auf den Discounter-Wühltischen nicht. Dafür werben sie mit Signalprodukten. "Der Klassiker ist der Pelikan-Tuschkasten, der völlig im Preis verrissen wird", berichtet Volker Wessels vom Bundesverband Bürowirtschaft.
Angelockt von solchen Angeboten verzichteten viele Verbraucher beim restlichen Sortiment auf den Preisvergleich und packten Blöcke und Stifte in den Einkaufswagen, die es im Fachhandel zu ähnlichen Preisen gebe.
Die wichtigsten Zielgruppen schrumpfen
Die Fachhändler der Branche mit dem Kürzel PBS (Papier, Bürobedarf, Schreibwaren) versuchen laut Wessels, mit höherwertigen Produkten ihren Umsatz zu halten. "Glücklicherweise geht die Preisdiskussion langsam zu Ende. Es gibt einen Hang zurück zur Marke", berichtet er.
Auch bei den schier unzähligen Lineaturen von Schulheften ziehe es die Verbraucher wieder ins Fachgeschäft. Die Beratungskompetenz sei das Plus, heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Doch Handel und Hersteller haben noch andere Probleme: Ihre wichtigsten Zielgruppen schrumpfen. Wegen sinkender Geburtenraten nehmen die Schülerzahlen ab. In der Wirtschaft kommen immer mehr Büroarbeiter ohne Zettel und Stift aus.
Gut ein Drittel der Verbraucher kauft außerdem laut GfK Hefte und Stifte inzwischen auch im Internet. Die Folge: Die Umsätze im Einzelhandel mit Schreibwaren und Bürobedarf nehmen seit Jahren ab. Ein kurzes Hoch gab es 2011 mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent. Im ersten Quartal 2012 ging es jedoch schon wieder um 1,0 Prozent abwärts.
Blöcke und Stifte aus Fernost
"Allein von Bleistiften und Papier können Sie nicht mehr leben", sagt daher Wessels. In den Schreibwarengeschäften erobern elektronische Kalender und Bürotechnik immer mehr Platz in den Regalen.
Bei vielen Händlern liegen Accessoires wie Grußkarten, Handyhüllen oder Schlüsselanhänger mit Plüschtieren neben Anspitzern und Büroklammern. Das schafft Spielraum für die Kalkulation, denn im angestammten Geschäft mit Papier, Füllfederhalter und Schnellhefter nimmt der Preiswettbewerb zu.
Scharfer Wind weht auch den heimischen Herstellern entgegen. Zumindest bei Warenhäusern und Discountern kommen viele Blöcke und Stifte inzwischen aus Fernost. "Deutsche Produkte müssen strengen Normen entsprechen, die aus dem Ausland oft nicht", warnt der Geschäftsführer des PBS-Industrieverbands, Thomas Bona.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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