
Schwierige Lage für Händler in Brandenburg
Die Konkurrenz auf der grünen Wiese ist übermächtig, die Flächenproduktivität unterdurchschnittlich, jedes fünfte Geschäft steht leer: Eine Studie zeigt die aktuelle Lage des Einzelhandels in Brandenburg.
Lebensmitteldiscounter dominieren
Statistisch gesehen sind mit 0,21 Quadratmeter pro Einwohner in Brandenburg vor allem die Lebensmitteldiscounter stark. Zwar seien 52 Prozent aller Einzelhandelsbetriebe in den Stadt- und Ortszentren zu finden, doch flächenmäßig sei die Konkurrenz auf der grünen Wiese übermächtig: 80 Prozent aller Verkaufsflächen liegen außerhalb der Innenstädte. In den Zentren wachse hingegen zunehmend der Druck, insgesamt stehen der Untersuchung zufolge 19 Prozent aller Ladenlokale leer.
"Erschwerend kommt hinzu, dass sich die für den Einzelhandel relevante Kaufkraft der Brandenburger Bevölkerung auf etwa 93 Prozent des Bundesdurchschnitts beläuft", heißt es in der Studie. Gravierender sei allerdings der Rückstand in Sachen Flächenproduktivität: Der Umsatz je Quadratmeter Verkaufsfläche liege "in der Mark" nur bei 76 Prozent des bundesweiten Mittelwertes.
"Nahversorgung stärken"
"Die Zahlen zeigen deutlich, dass es für unsere Städte mehr denn je darauf ankommen wird, die Entwicklung des Einzelhandels so zu steuern, dass die Zentren und die zentralen Nahversorgungsbereiche gestärkt werden", kommentiert Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft, die Studie. "Ein Weiterwachsen der Verkaufsflächen auf der grünen Wiese muss so weit als möglich vermieden werden. Die Kommunen sollten die Entwicklung durch die Fortschreibung ihrer Einzelhandels- und Zentrenkonzepte steuern. Mittelzentren sollten zunehmend alle Orte ihres Mittelbereiches mit einbeziehen, um die Versorgung flächendeckend abzusichern."
Auch Ralf Christoffers warnt, dass der Einzelhandel für Brandenburg eine große, manchmal unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung habe und die Branche unter großem Anpassungsdruck stehe: "Die unterdurchschnittliche Flächenproduktivität, der zunehmende Versand- und Internethandel sowie der Bevölkerungsrückgang werden in vielen Landesteilen dazu führen, dass sich der Wettbewerb im Einzelhandel weiter verschärft", sagt der Brandenburgische Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten. "Der Handel selbst kann dazu beitragen, die Attraktivität seines Angebots weiter zu erhöhen und so den Abfluss von Kaufkraft über die Landesgrenzen und in den Versandhandel zu begrenzen."
Zur Untersuchung
Die Untersuchung war in Zusammenarbeit der beiden Ministerien für Stadtentwicklung und Wirtschaft, der drei Industrie- und Handelskammern des Landes und dem Handelsverband Berlin-Brandenburg durch die "Gemeinsame Landesplanungsabteilung" in Auftrag gegeben worden. Zum ersten Mal liege damit eine vollständige Erhebung über die Größe und die Sortimente aller rund 18.000 Einzelhandelsgeschäfte in den 14 Landkreisen und vier kreisfreien Städten vor, heißt es.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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