
Smartphone sorgt für Transparenz
Kunden können mit dem Smartphone noch im Laden weitreichende Produktinformationen abrufen. Das Barcode-Datenprofil soll nun standardisiert werden.
Informationen aus erster Hand
"Der Barcode ist der Schlüssel, um Informationen zu erhalten, die nicht auf der Verpackung stehen. Hierfür arbeiten wir an einer „Trusted Data Infrastruktur", die sicherstellt, dass diese Informationen auch vertrauenswürdig sind und aus erster Hand kommen", erläutert GS1-Germany-Geschäftsführer Jörg Pretzel.
"Der Hersteller hat zurzeit die Hoheit über seine Daten so gut wie verloren. Die meisten Informationen kommen aus den Weiten des Internets, sind häufig fehlerhaft oder nicht aktuell."
Barcoo-App
Das will Barcoo ändern: Das Berliner Unternehmen stellt eine App für die Produktinformationen zur Verfügung, die sich aus verschiedenen Quellen speist. Informationen zu Preisvergleichen tragen die Nutzer selbst ein - mehr als 2,8 Millionen Europäer haben derzeit die Anwendung auf ihr Mobiltelefon geladen.
Ebenso stammen mehr als 500.000 Nährwertangaben bei Barcoo von Verbrauchern. Weitere Datenlieferanten sind aber unter anderem auch die Verbraucherzentrale Hamburg, TransFair und testberichte.de.
"Uns ist es sehr wichtig, dass die Daten, die über Barcoo gefunden werden, valide sind", erläutert Benjamin Thym, Geschäftsführer der Barcoo-Mutter Checkitmobile. "Schließlich wollen wir unsere Nutzer mit richtigen Angaben versorgen. Greift beispielsweise ein Allergiker nach dem falschen Produkt, weil unsere Angaben unvollständig oder unrichtig sind, ist das Image des Herstellers angegriffen und unseres noch dazu."
Deshalb arbeite Barcoo in der Arbeitsgruppe bei GS1 Germany mit an einem standardisierten Datenprofil, das Verbraucher mit validen Daten versorgen soll.
Beispiel Rewe Nüsken
Der Lebensmittelhändler Nüsken bietet neben den wöchentlichen Angeboten für seine sieben Rewe-Märkte rund um Dortmund auf seiner App auch einen Weinberater, eine Gewürzfibel und eine Datenbank an, in der Lebensmittelzusätze definiert sind. Das Familienunternehmen nutzt dazu die Informationen des Bundesgesundheitsamtes und der Verbraucherzentrale Berlin, die Datenpflege beschäftigt zweieinhalb Bürokräfte wöchentlich je eine Stunde.
Ein Aufwand, der sich für den Händler lohnt: "Wir haben in Deutschland einen hohen Nachholbedarf in Sachen Lebensmittelwissen", ist Marcus Nüsken überzeugt. "Bei der App-Nutzung ist daher noch sehr viel vorstellbar."
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
Alle Beiträge