
Sportartikler testen Zukunftstechnologien
Die Sportartikelindustrie will künftig Roboter oder 3D-Drucker für die Produktion von Schuhen und Kleidung einsetzen. Wie das geht, testet Adidas in einer eigenen Fabrik - in Deutschland.
Thomas RehmRedakteurArbeitsbedingungen in der Kritik
Noch steht das Verfahren am Anfang. Doch das Potenzial ist riesig, glaubt die Branche. Rund 300 Millionen Paar Sportschuhe produziert allein Adidas pro Jahr. Der überwiegende Teil davon stammt aus Zulieferbetrieben in Ländern wie China, Indonesien oder Vietnam. Dort lassen auch andere Sportartikler produzieren, weil die Löhne niedrig sind. Die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern sind Menschenrechtsaktivisten seit jeher ein Dorn im Auge, auch wenn alle Konzerne stets betonen, dass sie ihre Zulieferer kontrollieren und auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards verpflichten.
Reine Menschenfreude steckt hinter der Idee, die Produktion wieder stärker vor die eigene Haustür zu ziehen, aber nicht. Auch hier geht es um Geld und Wettbewerbsvorteile. Lange Transportwege fallen weg, die Lagerhaltungskosten sinken, es gibt weniger Materialüberschuss - und man braucht natürlich weniger Personal.
Für die Branche ist es aber auch ein Spielfeld, um Neues auszuprobieren. Das US-Unternehmen Under Armour etwa brachte im März bereits eine streng limitierte Stückzahl von teilweise 3D-gedruckten Schuhen auf den Markt. Auf konventionelle Weise hätte der Schuh mit der Gittersohle nicht hergestellt werden können, sagte Under Armour-Manager Chris Lindgren der Fachpresse. Trotz des stolzen Preises von 300 US-Dollar für ein Paar waren die Schuhe im Nu ausverkauft.
Erste automatisierte Laufschuhe im Herbst
Adidas will im Herbst die ersten 500 Paar automatisiert hergestellte Laufschuhe auf den Markt bringen und im kommenden Jahr in Serie gehen. Auch die Konkurrenz ist nicht untätig. Die Firma New Balance aus Boston tüftelt ebenso wie Branchenprimus Nike an maßgeschneiderten Spikeplatten, die Sprinter schneller machen sollen. Puma wartet noch ab, bis die Technik ausgereifter ist.
Dass die Fabriken in Asien bald verschwinden werden, glaubt Schwind allerdings nicht. "Das halte ich für unwahrscheinlich." Bei Nike in Oregon ist man allerdings überzeugt, dass neue Technologien die Branche kräftig durcheinanderwirbeln werden. Eines Tages, so prophezeite es Nike-Vorstand Eric Sprunk auf einer Konferenz im vergangenen Jahr, werde vielleicht jeder einen 3D-Drucker zu Hause haben und damit selbst zum Produzenten werden: "Wir verkaufen dann nur noch die Dateien mit dem entsprechenden Design."

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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