Warum Möbel und Food online demnächst rocken

Warum Möbel und Food online demnächst rocken

Während sich im Online-Modehandel das Wachstum verlangsamt, zeigen andere Branchen mächtig viel Potenzial. Sie profitieren dabei von einer Reihe von Faktoren, die dem digitalen Handel insgesamt Auftrieb geben.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Weit vorgewagt hat sich der Branchenverband bevh bei der Vorstellung seiner jährlichen Studie zur Marktentwicklung und eine steile These aufgestellt: „Im Jahr 2047 ist Einzelhandel E-Commerce“. Das ist natürlich auch ein bisschen eine Frage der Definition, weil in 30 Jahren der Handel eben auf die eine oder andere Art vom Digital Commerce abhängt.

Händler, Banken und andere Investoren interessiert ohnehin eher die nahe Zukunft. Und da lassen sich jenseits vom Modesegment insbesondere zwei Bereiche identifizieren, die von der steigenden Akzeptanz des E-Commerce über alle Generationen hinweg massiv profitieren werden.

Ein wesentlicher Faktor für das weitere Wachstum - auch derzeit eher unterrepräsentierter Branchen - ist dabei, dass die Zufriedenheit mit Lieferzeiten und –modalitäten sowie der Lieferqualität der Versender weiter wächst: „Zufrieden“ und „voll und ganz zufrieden“ sind laut bevh inzwischen 86,1 Prozent der Kunden. Damit ist die „Daumen hoch“-Fraktion im Vergleich zu 2015 (82,4 Prozent) nochmals größer geworden.

E-Commerce punktet damit immer mehr bei einem entscheidenden Kriterium der Kaufentscheidung. Das zeigt sich nicht nur beim Umsatzwachstum des digitalen Handels, sondern auch an der Bestellhäufigkeit, die im Vergleich zum Vorjahr nochmals zugelegt hat.

Hinzu kommt: Mit weiterem Flächensterben gerade in Klein- und Mittelzentren wird E-Commerce daher zum verlässlichen - und notwendigen - Garanten bei der Nahversorgung.

Davon wird auch die Wachstumshoffnung Lebensmittelhandel profitieren. Inzwischen plant rund jeder fünfte Befragte künftig Lebensmittel bzw. Waren des täglichen Bedarfs online einzukaufen. Schon jetzt ist in der bevh-Studie das Warencluster „Täglicher Bedarf“ (FMCG – Warengruppen: Lebensmittel, Drogerie, Tierbedarf) mit einem Wachstum von 13,48 Prozent beim Wachstum die Nummer 2. 2016 wurden hier 3,33 Milliarden Euro umgesetzt.

Wer das wenig findet, und sich fragt, wie Amazon fresh hierzulande jemals auf einen grünen Zweig kommen will, möge sich allein folgende Zahl vor Augen führen: 2006 setzte Amazon im Segment „Elektronik und andere Handelswaren“ 3,3 Milliarden Dollar um. Weltweit. Inzwischen sind es global rund 100 Milliarden Dollar.

Der Vergleich mag schief sein, zumal Amazon bei Amazon fresh in den ersten Jahren eher auf Mischkalkulationen mit seinen Prime-Kunden setzten dürfte. Aber der Zeitlauf zeigt, welches Potenzial in der Plattform-Ökonomie steckt.

Zusätzlichen Schwung bekommt der Lebensmittel-Onlinehandel zudem durch eine größere digitale Vernetzung: Rezept-Portale, die direkt Einkaufszettel in Online-Shops anlegen bis hin zu technischen Geräten – nicht nur bei und von Amazon – die die Bestellung an Herd und Kühlschrank bequemer machen. Auf der Rezeptseite des Rewe-Onlineshop kann man schon jetzt Zutaten für Rezepte des Bestsellers Thermomix (über 1 Million verkaufte Geräte) in einem Rutsch in den Warenkorb packen.

Reichlich Geld verbrannt wird, wie gerade erst beim Home24-Vorbild Wayfair, auch noch im Online-Möbelhandel. Wer das überlebt, könnte sich in absehbarer Zeit nach der Marktbereinigung auf Gewinne einrichten. Das Warengruppencluster „Einrichtung“ (Warengruppen Möbel, Lampen & Dekoration, Haus- & Heimtextilien, Haushaltswaren & -geräte) hat laut bevh mit einem Gesamtwachstum um 21,55 Prozent derzeit den stärksten Aufschwung im Jahresvergleich und legte beim Umsatz nominell um rund 2,08 Milliarden auf insgesamt 18,06 Milliarden zu.

Das Segment profitiert unter anderem davon, dass der Möbelhandel online neue Kundengruppen erreicht. Bei Möbel, Lampen und Dekoration legte die männliche Kundengruppe um 40,5 Prozent zu – bei der Warengruppe Haus- und Heimtextilien sogar um 41,2 Prozent. Im Wohnmöbelmarkt, den IFH Köln und BBE Handelsberatung (ohne Kücheneinbaugeräte und -zubehör) auf ein Volumen von rund 21 Milliarden Euro schätzen, können also auch Onliner noch einiges abräumen. Zumal ein Report von Deloitte zeigt, dass zwei Drittel der Verbraucher Möbel online kaufen wollen.


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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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