
Tag der Schlecker-Entscheidung
Der Schlecker-Gläubigerausschuss kommt am heutigen Freitag in Berlin zusammen - und entscheidet über das Schicksal der insolventen Drogeriemarktkette. Tausende Mitarbeiter bangen um ihren Jobs.
David WöllensteinRedakteurSollten dann keine abschlussreife Angebote vorliegen, würden die verbliebenen deutschen Filialen der Drogeriemarktkette wohl aufgelöst werden. Spekuliert wird derzeit noch über die Investoren Berggruen und Cerberus.
Beide Investoren im Überblick
Nicolas Berggruen gefällt sich als Retter: Den Namen dürften die meisten Deutschen erst kennen, seit er sich 2009 aufmachte, Karstadt zu retten. Der Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen ist aber schon seit Jahrzehnten als Investor tätig. Der Deutsch-Amerikaner bündelte seine Aktivitäten ab 1986 in den Berggruen Holdings in New York und steckte mehrere Milliarden US-Dollar in Firmen und Immobilien - von indischen Hotels über Wasserkraftwerke in der Türkei bis zu Weiterbildungsinstituten in Kalifornien.
Seit 2005 hat ein deutscher Ableger am Berliner Kurfürstendamm 300 Millionen Euro in Immobilien in Berlin und Brandenburg investiert. 2007 stieg Berggruen beim insolventen Möbelunternehmen Schieder ein und bot später auch um Kaufhof mit - ohne Erfolg.
Cerberus hat einen Ruf wie Donnerhall. Als der Wall-Street-Händler Stephen Feinberg 1992 die Gesellschaft gründete, wählte er als Namensgeber ausgerechnet den dreiköpfigen Höllenhund, der in der griechischen Mythologie das Tor zur Unterwelt bewacht. Cerberus kaufte sich in schwächelnde Firmen ein, sanierte sie knallhart, um sie später mit Gewinn wieder abzustoßen.
Die New Yorker haben sich mit dieser Methode in die Topliga der Finanzinvestoren hochgearbeitet. Cerberus übernahm 2007 von Daimler die Mehrheit am US-Autobauer Chrysler, in Deutschland mischte Cerberus bei Woolworth und dem Kauf von großen Wohnungsbeständen mit.
Szenario bei einer Abwicklung
Wenn das endgültige Aus entschieden wird, erhalten erneut tausende Schlecker-Mitarbeiter - meist Frauen - schon Ende Juni oder Anfang Juli die Kündigung. Davor würde der Wareneinkauf gestoppt, der Ausverkauf in den Filialen gestartet sowie sämtliche Verträge mit Lieferanten und Vermietern gekündigt.
Parallel ginge es an das Tafelsilber: restliche Auslandsgesellschaften und Immobilien wie Lager. Mit den Einnahmen würden zunächst laufende Kosten gedeckt: zum Beispiel Gehälter, Warenbestellungen aus der Zeit der Insolvenz und die Tätigkeit der Insolvenzverwaltung. Der Rest käme in einen Topf, der unter den Gläubigern aufgeteilt würde.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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