Marketingprofi vergleicht KI-Textwerkzeuge an zwei Bildschirmen im modernen Büro
© Black Forest Labs / Flux

ChatGPT, Bing Chat oder Google Bard: Ein Praxistest

Wer eine E-Mail formulieren möchte, einen Social-Media-Post oder einen Call-to-Action für einen längeren Text, kann derzeit auf drei kostenlose KI-Tools zugreifen: ChatGPT, die Chatfunktion von Bing und Google Bard. Fazit unseres Praxistests: Alle haben ihre Stärken und Schwächen.

HVHelmut van RinsumFachjournalist
5 Min.· Aktualisiert am
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Dazu zählen ChatGPT von OpenAI, das auf der Version GPT-3,5 basiert, die Chat-Funktion der Suchmaschine Bing von Microsoft sowie Google Bard, das seit Mai auch in Deutschland verfügbar ist. Während ChatGPT und Bing mit dem LLM (Large Language Model) von OpenAI arbeiten, nutzt Bard das Sprachmodell, das von Google entwickelt wurde. Alle drei Tools können ohne größeren Aufwand, mit einer einfachen Anmeldung am Computer installiert werden.Ganz praktisch stellt sich für Mitarbeiter in Unternehmen aber die Frage: Welches Tool liefert die besten, die brauchbarsten Ergebnisse, wenn man ein Schreiben für eine Kaltakquise verfassen oder einen Social-Media-Post schreiben möchte. Und welches ist geeignet, aus einer Textvorlage einen Call-to-Action zu formulieren? Wir haben Experten gebeten, ChatGPT, den Bing Chat sowie Google Bard zu testen. Kurzes Fazit vorab: Alle großen Sprachmodelle können die gefragten Textarten gut abbilden, die Unterschiede liegen in den Details.

Texten einer Kaltakquise: Vorteile für Google Bard

Wer eine brauchbare Basis-Vorlage für Mails zur Kaltakquise formuliert haben möchte, ist bei allen drei Tools gut aufgehoben. Voraussetzung ist: Der Prompt muss passend formuliert sein. Online-Marketing-Experte Christian Tembrinck von der Grow Digital Group nennt diese Eingabe als gelungenes Beispiel. Hier wird die reine Arbeitsanweisung mit eigenem Fachwissen und Informationen über den Empfänger, Hobbys und Vorlieben angereichert.

„Erstelle mir eine Kaltakquise-E-Mail-Vorlage mit Betreffzeile, die einen Geschäftsführer einer Metall-Firma animiert, ein 30-minütiges Treffen mit mir abzumachen. Der Geschäftsführer mag Fußball und geht gerne gut Essen. Im Treffen zeige ich, wie die Firma mit meiner Expertise 35% mehr Wachstum erzielen kann.“

Auf diesen Prompt liefert ChatGPT Basis-Inhalte, aber keine ergänzenden Tipps. Der Bing-Chat weist ergänzende Verlinkungen zu Ratgebern im Internet auf, womit der Output in Eigenregie weiter verbessert werden kann. Google Bard erstellt eine Textvorlage und erläutert auch noch das Ergebnis. „Die KI fasst anschließend zusammen, worauf ich bei Kaltakquise-Mails achten muss“, so Tembrinck. Auch von der Schreibe habe ihm das Resultat von Google Bard am besten gefallen: „Die Argumentationskette ist smarter, die Wortwahl feinfühliger und nicht so schematisch flach wie bei Bing und ChatGPT.“

Formulierung eines unterhaltsamen Social-Media-Posts: Pluspunkte für ChatGPT

ChatGPT mit seinem guten Textverständnis habe alle Voraussetzungen, humorvolle und kreative Posts zu erstellen, die das Publikum ansprechen, meint Fabian Göbel, Partner & Managing Director bei Nunatak. Insofern sei die KI für unterhaltsame Social-Media-Posts gut geeignet. Er empfiehlt dennoch eine Kombination aus Bard und ChatGPT. Bard eignet sich im ersten Schritt, ein bestimmtes Thema zu erklären. Dies wiederum kann dann als Grundlage für ChatGPT dienen. Prompt-Beispiel:

„Erstelle mir aus dem unten aufgeführten Inhalt einen unterhaltsamen Social-Media-Post. Der Posting-Text soll den Leser dazu animieren, den Post zu kommentieren und zu bewerten. Ergänze zusätzlich passende Hashtags (Hier folgt die ***Textvorlage***).“

ChatGPT liefert auf diesen Prompt „optimalen Output“, sagt Christian Tembrinck. Sowohl Aufbau als auch Formulierung des Postings überzeugen. Der Einstieg erweckt Interesse, die Emojis sorgen für eine optische Struktur. Auch die Aufforderung zur Interaktion plus Hashtags fehlte nicht. „Der Text muss nur noch durch ein Bild ergänzt und kann dann direkt gepostet werden.“ Google Bard erledigt seine Aufgabe ebenfalls gut, präsentiert auch noch eine Bild-Idee, allerdings sind die Inhalte umfangreich. Das Bing-KI-Tool erstellt eine solide Posting-Basis, allerdings sei der Tone-of-Voice eher seicht und farblos, so Tembrinck.

Call-to-Action aus bestehendem Text: ChatGPT und Bing sind treffsicher

Einen Call-to-Action (CTA) aus einem bestehenden Test herauszufiltern ist für Text-KIs durchaus eine Herausforderung. Denn es verlangt ein gewisses Level an Abstraktion, wie Michael Witzenleiter, CEO von Conversion Maker, betont. ChatGPT sei beispielsweise nicht für diese Arbeitsweise ausgerichtet. Es helfe zwar beim Brainstorming, aber auch hier seien die Ergebnisse unzuverlässig. Ähnliches gelte für Bard. Beispielhafter Prompt für den Text-Job, einen CTA zu formulieren:

„Hier sind Informationen zu unserem neuen Produkt. Kreiere dafür einen klick-optimierten Call-to-Action mit Ausrufezeichen, Pfeilen und einer Animation für den Kunden.“

Ein anderes Prompt-Beispiel:

„Erstelle einen Call-to-Action, der Nutzer am Ende des folgenden Textes dazu animiert, Kontakt aufzunehmen. Hier ist der ***Text***“

ChatGPT und Bing liefern daraufhin treffsichere Formulierungen, die Nutzer zur Handlung einladen, sagt Christian Tembrinck. Allerdings seien beide Vorschläge recht umfangreich – nicht unbedingt brauchbar für einen CTA. Googles Handlungsaufforderung war deutlich kürzer, treffe aber die Tonalität nicht. „Alles in allem sind die KI-Tools bei dieser Aufgabe gute Inspirationsquellen, wobei der Output von Bard diesmal weniger überzeugt.“

Fazit: Das beste Tool gibt es nicht

Je nach Aufgabe und je nach Prompt sind die Ergebnisse von ChatGPT, Bing Chat und Google Bard mal mehr, mal weniger überzeugend. Häufig haben die Vorschläge inhaltlich wenig Tiefe und sind oft stark schematisiert. Bei ChatGPT überzeuge der breite und tiefgreifende Wortschatz, so Witzenleiter. Google Bard eigne sich wiederum gut für die Recherche und sachliche Inhalte, so Fabian Göbel. Ein grundsätzlicher Vorteil des Bing Chat wiederum ist, dass dort drei unterschiedliche Konversationsstile gewählt werden können: Vor jeder Aufgabe kann der User zwischen „kreativ“, „ausgewogen“ und „genau“ wählen.

„Alle drei Tools liefern Inspiration, helfen bei Schreibblockaden und bieten zum Teil neue Sichtweisen auf Themen“, sagt Tembrinck. Dabei komme es auf die Prompts an. Je spezifischer die Befehle sind, desto besser ist der Output. Ohne eigene Zusatzarbeit geht es aber dennoch nicht. Tembrinck: „Die Anwendungen sind eher Schreibbeschleuniger als per se die Universallösung für Textaufgaben.“

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Geschrieben vonHelmut van Rinsum

Fachjournalist

Helmut van Rinsum ist Fachjournalist für Technologie, KI, Medien und Marketing und schrieb unter anderem für Werben & Verkaufen – zuletzt als stellvertretender Chefredakteur – sowie für Internet World und Horizont. Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz und gibt den Newsletter und Blog „KI in Marketing“ heraus. Er ist Mitglied eines KI-Kompetenzteams der dfv Mediengruppe und lebt in München.

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