Jeff Bezos: Der Amazon-Gründer kann auch Demut

Jeff Bezos: Der Amazon-Gründer kann auch Demut

In seinem jährlichen Brief an die Shareholder hat Amazon-Gründer Jeff Bezos gerade aufgeschrieben, was er über Trends, Unternehmensführung und die Zukunft denkt. Es ist eine längere Lektüre. Für alle, die nur mal snacken wollen, welche Maximen Bezos als Bausteine im Erfolgs-Fundament sieht, hat etailment zentrale Statements zusammengestellt, die Bezos in den vergangenen Jahren formulierte.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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In seinem jährlichen Brief an die Shareholder (pdf) hat Amazon-Gründer Jeff Bezos gerade aufgeschrieben, was er über Trends, Unternehmensführung und die Zukunft denkt. Es ist eine längere Lektüre. Für alle, die nur mal snacken wollen, welche Maximen Bezos als Bausteine im Erfolgs-Fundament sieht, hat etailment zentrale Statements zusammengestellt, die Bezos in den vergangenen Jahren formulierte.
Die Geschichte ist legendär. 1994 stand Jeff Bezos vor der Entscheidung, seinen Job als Investmentbanker aufzugeben und seine Idee des elektronischen Handels zu entwickeln. Er entschied sich dafür, mit einem Buchhandel online zu gehen. Und aus seinen Interviews lässt sich ableiten, was ihn und sein Unternehmen treibt.

Kundenorientierung und Innovation

Wer sich in die Lektüre der Erfolgsgeschichte(n) von Amazon vertieft, stößt auf diese beiden Bausteine im Fundament.

Diese absolute Kundenorientierung ist in jedem neuen Produkt und jedem neuen Service spürbar. Mit dem Dash-Button oder der Sprachsteuerung des Echo schafft es Amazon, sich in den Alltag des Kunden zu integrieren und alles ein wenig einfacher zu machen.

Allen Produkten gemeinsam ist, dass sie einfach funktionieren und in der Regel auch keine großen Erklärungen benötigen. Und falls einmal etwas nicht wie erwartet funktioniert, zeigt sich das Unternehmen in aller Regel sehr kulant was Um- oder Austausch betrifft. Denn:

Das Zitat zeigt auch eine gewisse Demut. Bezos ist durchaus bewusst, dass das Zeitalter der loyalen Kunden längst vorbei ist. Deswegen passt sein Selbstverständnis eines Gastgebers. Wenn die Gäste sich auf einer Party nicht wohl fühlen, suchen sie sich eben eine andere.

Und um die Gäste bei Laune zu halten, lässt sich Amazon ständig etwas neues einfallen. Wer kann schon alle Services und Vorteile aufzählen, die sich inzwischen aus einer Prime-Mitgliedschaft ergeben? Lang ist die Liste von innovativen Produkten und Services, die, wenn sie nicht von Amazon selbst entwickelt, aber dann doch perfektioniert wurden. Dazu gehört es eben auch, Wagnisse einzugehen.

Auf der einen Seite steckt die Geschichte Amazons voller Ideen, die zur rechten Zeit kamen und sowohl Kunden als auch Medien von Anfang an begeistern konnten. Das größte Experiment war aber ohne Zweifel die Gründung des Unternehmens, aber das können auch nur noch die Veteranen nachvollziehen, die sich an das Internet Mitte der 90er Jahre erinnern können. Nicht selten hat es mehrere Anläufe gebraucht, bis sich ein Angebot etabliert hat oder es hat seine Zeit gedauert.

  • Das Fire Phone war ein erklärtes Prestigeprojekt, das Experiment scheiterte schauderhaft.
  • Amazons Web Services (AWS) sind inzwischen einer der Umsatzbringer, aber das Wort "verhalten" beschreibt noch freundlich das Unverständnis in den Fachredaktionen, als der Dienst vorgestellt wurde.
  • Marketplace gehört für viele Händler heute zum Alltag, brauchte aber eine Weile, bis es zur heutigen Form weiter entwickelt wurde.

Effizienter werden, statt höhere Preise verlangen

Nachdem es Amazon gelungen ist, seine Kunden regelrecht in ein System von Angeboten einzuspinnen, wäre es leicht, die Profite durch Preiserhöhungen und Zusatzoptionen zu erhöhen. Stattdessen aber optimiert das Unternehmen ständig seine Prozesse und segelt preislich hart am Wind. So sind beispielsweise die Preise für das Content Delivery Network (CDN) innerhalb der Services nur schwer vom Mitbewerb zu toppen. Natürlich geht es um das Geldverdienen, aber eben nicht darum, jeden Dollar aus dem Kunden herauszuholen:

Imitieren, Lernen und Optimieren

Die Streaming-Box Fire-TV ist ein gutes Beispiel dafür, wie Amazon vorgeht. Denn was zunächst wie eine Kopie des Apple-TV ausgesehen hat, entpuppte sich als bessere Variante zum richtigen Zeitpunkt. Der smarte Kasten von Amazon bot von Anfang an die Möglichkeit, Apps zu installieren und auch damit zu spielen. Eine Funktion, die bei Apple erst später Einzug gehalten hat. Und auch der Fire-TV Stick ist konzeptionell keine Neuerung, schließlich hat Google mit Chromecast ebenfalls ein solches Device im Angebot.

Auch wenn sich gerade Häme über Amazon ergießt, weil das beachtliche Konzept von Amazon Go noch technische Schwierigkeiten macht. Das Ärgernis des Kunden zu beseitigen, beim Bezahlen in der Schlange zu stehen, erfordert eben die Entwicklung neuer Fähigkeiten und Technologien.

Nur die besten Mitarbeiter beschäftigen


Ohne findige Techniker, Produktmanager und Business Developer wären die Innovationen von Amazon nicht möglich. Es hilft also, bei der Auswahl seiner Mitarbeiter so wählerisch wie Jeff Bezos zu sein.

Und dann ist da noch der vielleicht zentrale Satz aus dem aktuellen Brief an die Shareholder, der sich fast schon wie eine Beschreibung der Probleme bei United Airlines liest, und wiederum Demit erkennen lässt - gegenüber dem eigenen Wissen und gegenüber dem Kunden.

"Resist Proxies As companies get larger and more complex, there’s a tendency to manage to proxies. This comes in many shapes and sizes, and it’s dangerous, subtle, and very Day 2. A common example is process as proxy. Good process serves you so you can serve customers.
But if you’re not watchful, the process can become the thing. This can happen very easily in large organizations. The process becomes the proxy for the result you want. You stop looking at outcomes and just make sure you’re doing the process right. Gulp."

Weiter heißt es:
"It’s not that rare to hear a junior leader defend a bad outcome with something like, “Well, we followed the process.” A more experienced leader will use it as an opportunity to investigate and improve the process. The process is not the thing. It’s always worth asking, do we own the process or does the process own us? In a Day 2 company, you might find it’s the second.
Another example: market research and customer surveys can become proxies for customers – something that’s especially dangerous when you’re inventing and designing products. “Fifty-five percent of beta testers report being satisfied with this feature. That is up from 47% in the first survey.” That’s hard to interpret and could unintentionally mislead. Good inventors and designers deeply understand their customer. They spend tremendous energy developing that intuition. They study and understand many anecdotes rather than only the averages you’ll find on surveys. They live with the design."

Anders gesagt: Neben Big Data sollte man immer auch auf Small Data achten.


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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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