3D-Illustration: Marktplatz, Pakete und Chart symbolisieren E-Commerce-News zu Otto, Ebay und Geschäftsklima
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Vom Shop zum Marktplatz: Warum Payment plötzlich komplex wird

Marktplätze prägen den deutschen Onlinehandel inzwischen stärker als klassische Onlineshops. Der HDE Online-Monitor 2025 weist für 2024 einen Marktplatzanteil von 57 Prozent am deutschen Onlinehandel aus. Im Vorjahr waren es noch 54 Prozent. In der öffentlichen Diskussion dominieren Reichweite, Sortiment und Logistik. Die Skalierungsfrage entscheidet sich jedoch dort, wo Zahlungsflüsse, Compliance und Händler-Onboarding zusammenlaufen.

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Der aktuelle Marktplatzboom hat mehrere Ursachen: Spezialisierte Shops kämpfen mit steigenden Marketing-Kosten und sinkender Sichtbarkeit. Hier bieten allgemeine Marktplätze eine Bündelung von Reichweite und Kosten. Gleichzeitig entstehen neue Anwendungsfälle: Kommunen bündeln Online-Dienste, Hotelketten bieten Serviceleistungen Dritter an oder Influencer erhalten Verkaufsprovisionen. Unabhängig vom Einzelfall gilt: Sobald mehrere Parteien an einem Verkauf beteiligt sind, steigen die Anforderungen an Zahlungslogik und Compliance.

Ohne Compliance kein Marktplatz

Ein Marktplatz ist kein Onlineshop mit mehr Sortiment. Sobald mehrere Anbieter über eine Plattform verkaufen, werden Zahlungsflüsse komplexer und müssen anders organisiert werden. So kann das Geldwäschegesetz (GwG) je nach Modell dazu verpflichten, Verkäufer vor der ersten Auszahlung zu identifizieren. 

Auch das Zahlungsdienstleisteraufsichtsgesetz (ZAG) spielt eine zentrale Rolle: Wer Fremdgelder selbst einzieht und an Dritte weiterleitet, muss prüfen, ob dafür eine eigene ZAG-Erlaubnis erforderlich ist. Für viele Plattformbetreiber ist das weder operativ noch wirtschaftlich sinnvoll. Sie arbeiten daher häufig mit lizenzierten Zahlungsdienstleistern. Eine frühzeitige Planung der Zahlungsarchitektur ist hier entscheidend, nicht erst kurz vor dem Go-live. Denn Fehler in der Vertrags- und Zahlungsstruktur können später zu rechtlichen und operativen Risiken führen.

Onboarding: Wo Marktplätze Händler verlieren

Die erste operative Hürde liegt im Händler-Onboarding. Es umfasst Vertragsabschluss, KYC-Prüfung, technische Anbindung und Freischaltung. Je komplizierter der Prozess, desto häufiger brechen Verkäufer ab. Manuelle Abläufe verlängern den Start, Automatisierung hingegen beschleunigt – sofern alle erforderlichen Unterlagen vorliegen und die Risikoprüfung unauffällig bleibt. Geschwindigkeit wird damit zum Wettbewerbsfaktor, denn ein Marktplatz wächst nur, wenn neue Anbieter ohne unnötige Reibung starten können.

Wenn Marktplätze operativ komplex werden

Mindestens ebenso wichtig wie das Onboarding ist die technische Leistungsfähigkeit des Zahlungssystems selbst. Wichtige Funktionen im Überblick:

  • Gemischte Warenkörbe: Kunden kaufen Produkte von mehreren Händlern in einer einzigen Bestellung. Für den Kunden wirkt das wie ein normaler Checkout. Im Hintergrund müssen die Gelder jedoch automatisch auf die beteiligten Händler verteilt werden.
  • Split Payment: Bei jedem Verkauf wird der Anteil des Marktplatzbetreibers automatisch abgezogen. Das kann ein fester Prozentsatz sein oder je nach Produkt unterschiedlich ausfallen, etwa wenn einzelne Sortimente andere Margen haben.
  • Mehrstufige Zahlungsaufteilung: Neben Verkäufer und Marktplatzbetreiber können auch weitere Parteien wie Influencer oder Vertriebspartner an einer Transaktion beteiligt und ausgezahlt werden. In solchen Modellen reicht es nicht mehr, einen Betrag nur zwischen zwei Parteien aufzuteilen. Die Zahlungslogik muss mehrere Beteiligte abbilden können, ohne dass jede Transaktion manuell nachbearbeitet werden muss.
  • Retouren-Management: Wenn ein Kunde nur einen Teil seiner Bestellung zurückschickt, müssen nicht nur der Kaufbetrag, sondern auch Provisionen, Gebühren und Auszahlungen korrekt korrigiert werden.

Genau hier zeigt sich, ob ein Marktplatzmodell wirklich skalierbar ist. Was bei wenigen Verkäufen noch manuell lösbar erscheint, wird bei vielen Händlern, Warenkörben und Rücksendungen schnell zum operativen Risiko. Für Plattformverantwortliche lohnt sich hier ein Stresstest: Wie sieht der Prozess bei hohem Retourenvolumen und vielen beteiligten Parteien aus?

Reporting und Backend nicht unterschätzen

Ein funktionierender Checkout reicht für Marktplätze nicht aus. Betreiber und Verkäufer müssen Transaktionen eindeutig Bestellungen, Händlern, Auszahlungen und Gebühren zuordnen können. Deshalb sind Reporting, Buchhaltungsexporte und eine konsistente Abrechnungslogik zentrale Bestandteile des Betriebs. Je nach Preismodell kann eine getrennte oder gebündelte Darstellung von Paymentkosten und Plattformgebühren sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass die Abrechnungslogik zur Geschäftslogik des Marktplatzes passt und nicht umgekehrt.

Die richtige Infrastruktur entscheidet

Beim Aufbau eines Marktplatzes sollte Payment nicht als nachgelagerte IT-Entscheidung behandelt werden. Plattformentscheider sollten früh prüfen, ob die Zahlungsarchitektur auch bei mehr Verkäufern, mehr Rückabwicklungen und zusätzlichen Rollenmodellen tragfähig bleibt. Wer diese Grundlagen sauber aufsetzt, reduziert operative Risiken und schafft die Basis für Skalierung, damit aus einem guten Marktplatzkonzept ein belastbares Geschäftsmodell wird.

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Marcel Moll
Marcel Moll

Channel Manager E-Commerce bei secupay

Marcel Moll ist Channel Manager E-Commerce bei secupay. Er beschäftigt sich mit Zahlungsprozessen für digitale Geschäftsmodelle, insbesondere mit Plattformen, Marktplätzen und komplexen Abrechnungsmodellen im E-Commerce.

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