Was der Handel von "Bild"-Chef Kai Diekmann lernen kann

Was der Handel von "Bild"-Chef Kai Diekmann lernen kann

3 Min.Aktualisiert am
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Es ist eines der sympathischten Selbstbeweihräucherungs-Videos, das ich seit langem gesehen habe. In "The Story of Axel Springer's Famous Garage" stilisiert sich der Verlag als Garagen-Start-up aus dem Silicon Valley und verklärt den Trip von Kai Diekmann, Peter Würtenberger & Co ins Silicon Valley zum Gründungsmythos. Fast ein Jahr war Kai Diekmann, Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, im digitalen Zentrum der Welt, erkundete in Kalifornien neue Geschäftsmodelle für den Konzern und hat eine Men...

Kai Diekmann, ein Trendscout für einen Konzern, der längst auf etlichen digitalen Feldern mitspielt. Wozu da neun Monate Kalifornien? Gab es da für den Medien-Mann mehr als nur Bart? Kontakte, Ideen nimmt man da auch mit, vor allem aber ein intensiveres Gefühl für das digitale Zeitalter.

Nun also gibt es als erstes Ergebnis BILDplus: Das neue Angebot von "Bild" verbindet ein Marken-Abo mit einem Bezahlmodell für digitale Inhalte. Für das Freemium-Modell hätte man kaum nach Palo Alto gemusst. Das empfehlen Berater ungefragt an jeder Twitter-Ecke.

Doch es geht in erster Linie auch um neues Denken. Wer in Zeiten der digitalen Transformation bestehen will, der braucht nämlich erstmal keine Inkubatoren, sondern schlicht eine neue Sicht auf die Welt. Von oben. An der Spitze.

Es war Alessandro Colafranceschi, Global Head of Online & Mobile Banking der UniCredit Group, der auf dem Adobe Summit in London mit einer schlichten und zugleich fundamentalen Aussage überraschte. Der Bankmanager, niemand der übereilt jedem Hype nachjagt, stellte die Website von Unicredit schlicht mit dem Satz vor: "This is not a Bank-Website. This is the Bank".
Bye, bye Brick&Mortar-Ideologie.
(Ein Blick in das Vortragsvideo lohnt sich auch für Handelsmanager.)

So denken Manager, die ihr Unternehmen fit für den Wandel machen.

Auch für Diekmann ist nach dem Monaten im Valley im Handelsblatt "die Digitalisierung unserer Marken die Schicksalfrage für den gesamten Konzern." Die Ausrichtung ist klar: "Jetzt müssen wir dahin, wo unser Publikum ist: auf die digitalen Plattformen, vor allem auf die digitalen Endgeräte." Papier ist nur noch ein Weg. Willkommen also in der Multichannel-Gesellschaft.

Man kann das für das Handel 1:1 übersetzen: E-Commerce und Multichannel werden über die weitere Existenz eines jeden Händlers entscheiden.

Die wichtigste Credo aber lautet: "Wir müssen alle Überzeugungen überprüfen".

Was Handelsmanager neben diesen Revoluzzer-Maximen aber vor allem von Diekmann lernen können, ist, dass man sich für die Umwälzungen und disruptriven Möglichkeiten begeistern muss. Ohne Faszination geht es nicht. Nur dann wird man das Internet nicht als Feind des tradierten Geschäfts begreifen, sondern seine Chancen umarmen.

Diese Faszination aber lernt man nicht mit Powerpoint-Folien und nur bedingt mit Büro-Besuchen bei Berliner Start-ups. Das muss man erleben, um es zu leben. Vielleicht also sollte sich der Handel, wenn er das nächste Mal auf der Suche nach Store-Konzepten durch die USA tourt, lieber gleich im Valley einchecken.Oder gleich dort seine Top-Manager für einige Monate einquartieren, anstatt nur ein paar Trendscouts ein Office zu finanzieren.

Nur so kann man Ideen tanken, Impulse sammeln und sich vom Gründergeist beseelen lassen, ohne den keine Euphorie für den Aufbruch und Umbruch entstehen kann. Das könnte dann so aussehen:

Vielleicht manchmal ein wenig unbequem. Aber das ist Wandel immer.
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