Im Online-Shop der Migros sind seit Wochen immer wieder Alltagsprodukte vorübergehend nicht verfügbar. Betroffen sind laut Kundinnen und Medienberichten unter anderem Eier, Tampons, WC-Papier, Bio-Gurken, Salatspinat, Datteltomaten, Feinwaschmittel, Waschmittel und Cracker. Eine Kundin aus dem Zürcher Unterland schildert gegenüber CH Media, grössere Einkäufe online zu erledigen, um Zeit zu sparen. Zuletzt seien im Warenkorb jedoch regelmässig mehrere Artikel als nicht lieferbar angezeigt worden. Auch eine Kundin aus Zürich berichtet von ständig fehlenden Produkten. Über die Situation berichtet 20min.ch.
Gezielte Reduktion im Online-Sortiment
Die Migros bestätigt Einschränkungen im digitalen Sortiment. Sprecher Andy Zesiger erklärt gegenüber den Zeitungen von CH Media, das Angebot sei in einzelnen Bereichen gezielt reduziert worden. Hintergrund ist das Ende Mai eröffnete Verteilzentrum in Regensdorf ZH, das die bisherigen Standorte Pratteln BL und Bremgarten AG ablöst. Die Prozesse würden derzeit kontrolliert hochgefahren. Deshalb könnten einzelne Artikel zeitweise fehlen.
Nach Darstellung der Migros handelt es sich um eine anspruchsvolle Anlaufphase beim Wechsel auf eine grössere, teilautomatisierte Infrastruktur. Der Start verlaufe bislang wie geplant, die Einschränkungen seien für Kundinnen und Kunden aber unbefriedigend. Zesiger bezeichnet die Situation als branchenüblichen Vorgang bei der Inbetriebnahme eines komplexen neuen Logistikstandorts. Mit der reduzierten Auswahl will die Migros Überlastungen im Betrieb vermeiden und die neuen Abläufe stabil hochfahren.
Mehr Kapazität, aber lückenhafte Verfügbarkeit
Für den Online-Einkauf bedeutet die Umstellung derzeit eine spürbare Einschränkung: Kundinnen müssen beim Zusammenstellen ihrer Warenkörbe häufiger Ersatzprodukte suchen oder einzelne Artikel streichen. Ein Blick in den Online-Shop zeigte am Samstagmorgen, dass Salatspinat und Datteltomaten Sélection nicht lieferbar waren. Die Migros bedauert die Unannehmlichkeiten, sieht aber bislang keine negativen Effekte auf die Bestellzahlen.
Nach Angaben des Unternehmens wächst das Geschäft sogar. Als Grund nennt die Migros die höhere Kapazität sowie zusätzliche Liefertermine am Folgetag. Damit stehen dem temporär verkleinerten Angebot bessere Zustellmöglichkeiten gegenüber. Für Kundinnen bleibt die Lage dennoch widersprüchlich: Die Plattform soll leistungsfähiger werden, während zentrale Produkte des Wocheneinkaufs zeitweise fehlen.
Frühere Engpässe in Kühlregalen
Unabhängig von der aktuellen Online-Situation kam es bereits in Filialen der Genossenschaft Migros Aare zu Engpässen bei Kühlprodukten. Dort lag die Ursache laut Migros Aare bei sehr hohen Aussentemperaturen, die die Leistungsfähigkeit der Kühlanlagen beeinträchtigten. Rund 50 Prozent der Kühlanlagen mussten abgeschaltet werden. Betroffen waren Filialen in Egerkingen, Wildegg und Buchs.
Die Genossenschaft Migros Aare bestätigte Anfang Juni Einschränkungen in der Filiale im Gäupark. Mediensprecherin Neda Golafchan erklärte damals, die notwendige Abluftkühlung sei wegen der hohen Aussentemperaturen nicht mehr vollständig gewährleistet gewesen. Im Online-Shop bleibt nun der weitere Hochlauf des Verteilzentrums Regensdorf der zentrale Prüfpunkt, eröffnet wurde es Ende Mai.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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