
Weg von der Big Mac-Ökonomie
Volks- und Raiffeisenbanken feiern sich beim „Wirtschaftstag 2008” als verlässliche Partner des Mittelstands: „Nicht sexy, aber verlässlich”.
Keine Krise der sozialen Marktwirtschaft
Schäuble warnte auf dem „Wirtschaftstag 2008” des Genossenschaftsverbandes Frankfurt am heutigen Mittwoch davor eine „Systemkrise der sozialen Marktwirtschaft herbeizureden”.
Rund 2.500 Unternehmer kamen auf Einladung des Dachverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken von Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen in die Frankfurter Jahrhunderthalle. Durch Finanzkrise, Börsenturbulenzen und die staatlichen Stützungsmaßnahmen hatte der „Wirtschaftstag 2008” an Brisanz gewonnen.
Als „Gewinner der Krise” wollte sich Walter Weinkauf aber dann doch nicht bezeichnen lassen. „Viel zu Ernst sei die Lage”, wies er die Frage des Moderators Udo van Kampen zurück. „Aber die Bürger suchen in der Tat wieder mehr Sicherheit und entdecken ihre Volksbanken und Raiffeisenbanken wieder als zuverlässigen Partner”, sagte der Präsident des Genossenschaftsverbands Frankfurt.
Liquidität in ausreichendem Maße vorhanden
Von einer Kreditklemme könne laut Weinkauf nicht die Rede sein. „Liquidität ist bei unseren Instituten in ausreichendem Maße vorhanden.” Allerdings stünden die Unternehmen angesichts der unsicheren konjunkturellen Aussichten auf der Investitionsbremse und scheuten vor Kreditaufnahmen zurück.
Weinkauf kritisierte die Pläne der Bundesregierung die Sicherungseinrichtung der Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und der privaten Kreditinstitute zusammenzulegen, dies führe zu Wettbewerbsverzehrungen und zerstöre Sicherungssysteme, die sich gerade in der aktuellen Krise bewährt hätten.
Änderungen des Bilanzrechtsgesetz überprüfen
Zudem solle die Bundesregierung das geplante Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz überprüfen, um die „Erkenntnisse der Finanzkrise” einzuarbeiten, mahnte Weinkauf. Die im deutschen Handelsrecht zum Schutz des Mittelstandes verankerten Sicherheitskriterien dürften nicht einer angloamerikanischen Bic Mac-Ökonomie geopfert werden.
Schwerste Krise seit 1931, aber kein Weltuntergang
Professor Dr. Ottmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank und Präsident des Center for Financial Studies (CFS) warnte auf einer Podiumsdiskussion davor, das „Ende der Weltwirtschaft herbeizureden” und zu glauben, „dass der Staat der bessere Banker sei”. Gleichwohl stecke die Weltwirtschaft in der schwersten Krise seit 1931, doch die „jetztige Welle des Pessimismus” sei deutlich übertrieben.
Der Wirtschaftsethiker Professor Dr. Friedhelm Hengsbach forderte nach dem Rettungspaket der Bundesregierung nun auch eine Bekämpfung der Ursachen der Finanzkrise ein: „Jetzt hat man die Unfallstelle gesichert. Nun kann man die Banken aber nicht so weiterfahren lassen wie bisher, sonst kracht es an der nächsten Ecke wieder”, sagte Hengsbach und forderte schärfe Kontrollen und Regulierung.
Amerikanische Risikokultur verantwortlich
Für den ehemaligen ersten Bürgermeister von Hamburg Klaus von Dohnanyi ist die Finanzkrise Ausdruck der Dominanz der angloamerikanischen Risikokultur. Vor dem Hintergrund der schnelllebigen, globalisierten Weltmärkte seien regulierende Eingriffe allerdings schwierig.
In einem Impulsvortrag zum Thema „Gewinn ist nicht alles”, kündigte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking an, Mitte November ein „Unternehmensergebnis zu veröffentlichen, dass unseren Aktionären Freudentränen in die Augen treiben wird”.
Luxus ohne Subventionen
Die Autoindustrie brauche keine staatlichen Unterstützungen, sagte Wiedeking. Als Luxushersteller lehne Porsche es generell ab, Subventionen in Anspruch zu nehmen. „Luxus und Stütze passt nicht zusammen”, so der Porsche-Chef. Bei der Übernahme von Volkswagen liege das Unternehmen voll im Plan.
Ausichten für den Einzelhandel eher verhalten
Für den Einzelhandel erwartet Josef Sanktjohanser, Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), aufgrund der allgemeinen Unsicherheit in diesem Jahr ein „eher verhaltenes” Weihnachtsgeschäft.
Einem staatlichen Konjunkturprogramm erteilte der Rewe-Vorstand auf dem Wirtschaftstag des Genossenschaftsverbands Frankfurt jedoch eine klare Absage: „Wir brauchen Steuersenkungen statt Konjunkturprogramme”, sagte Sanktjohanser.