Weitere Klagen gegen Ex-Karstadt-Manager

Weitere Klagen gegen Ex-Karstadt-Manager

Die Zahl der Klagen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sowie gegen andere Ex-Karstadt-Manager nimmt zu. Es geht um Sonderboni, offene Forderungen, eine Festschrift und eine Flasche Champagner.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
Teilen
Das sind aber nicht die einzigen Forderungen, die entweder Middelhoff direkt oder andere Manager betreffen. So will Görg auch von Ex-Karstadt-Chef Stefan Herzberg Schadenersatz.

Görg macht Herzberg und womöglich vier weitere damalige Mitgeschäftsführer dafür haftbar, 250 Millionen Euro bei der früheren Konzernmutter Arcandor nicht eingefordert zu haben.

Der Betrag stand Karstadt aufgrund eines Ergebnisübernahmevertrags als Verlustausgleich für das Geschäftsjahr 2007/2008 zu, wurde aber nie gezahlt. Karstadt gehört inzwischen dem Investor Nicolas Berggruen.

Der Vorwurf: uberhöhte Bonuszahlungen

Dazu klagt ein Ex-Anleger gegen Middelhoff. Jan-Eric Peters, Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, fordert rund 5.000 Euro, weil er sich von Middelhoff und der Arcandor-Öffentlichkeitsarbeit getäuscht fühlt.

Er will unter falschen Voraussetzungen Arcandor-Aktien gekauft haben. Der Journalist klagt als Privatmann. Der Prozess läuft bereits.

In der Klage von kurz vor Heiligabend geht es um knapp 24 Millionen Euro, die Görg von früheren Arcandor-Managern haben will, davon allein 15,9 Millionen Euro von Middelhoff. Neben Middelhoff sind fünf Ex-Vorstände und zwei frühere Aufsichtsratsvorsitzende betroffen.

Ihnen wird - unter anderem - vorgeworfen, weit überzogene Bonuszahlungen und Abfindungen kassiert oder bewilligt zu haben. So habe Middelhoff für das Geschäftsjahr 2007/08, als der Konzern 746 Millionen Euro Verlust machte, einen Sonderbonus von mehr als zwei Millionen Euro kassiert.

Der Bonus bekam er für „seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen in den Jahren 2005 bis 2008", wie es in der Begründung des Aufsichtsrats hieß.

150.000 Euro für eine Festschrift

Außerdem soll die Arcandor AG 150.189,55 Euro (netto) für eine von Middelhoff herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner ausgegeben haben. Dabei handelte es sich laut Insolvenzverwalter um ein rein privates Geburtstagsgeschenk ohne Bezug zu Arcandor.

In einem anderen Fall soll Middelhoff 2005 einen Flug mit einem Privatjet nach Kanada und zurück über die Arcandor AG abgerechnet haben. Tatsächlich sei er aber für seinen früheren Arbeitgeber, die Londoner Investmentfirma InvestCorp. unterwegs gewesen.

2.200 Euro habe er sich zudem für eine Doppel-Magnum-Flasche St. Emilion für ein Managertreffen in seinem Haus in St. Tropez erstatten lassen.

Die Bonuszahlung in Millionenhöhe hatte Middelhoff schon früher gerechtfertigt. Sie sei 2005 im Zusammenhang mit dem Anstellungsvertrag als langfristiger Erfolgsbonus vereinbart worden. Die Zielkriterien seien zum Teil übererfüllt worden.

Privatflug mit Privatjet?

Auch andere Vorwürfe weist der frühere Topmanager zurück. Laut Anwalt Hartmut Fromm war die Nutzung des privaten Charterjets ebenfalls vertraglich vereinbart und "dienstlich" gewesen.

Privatflüge mit dem Jet, für die Kosten von 2,3 Millionen Euro angefallen seien, habe Middelhoff alle selber gezahlt. Das 150.000-Euro-Geschenk, die Festschrift für Mark Wössner, sei im ahmen einer Arcandor-Präsentation übergeben worden.

Die Weinrechnung sei für 22 Personen gewesen. Anlass war eine Vorstandsklausur von Topmanagern nebst Ehefrauen. Die Kosten habe Middelhoff privat getragen - nur für die Weinflasche aus seinem Weinkeller habe er einen Eigenbeleg angefertigt und abgerechnet.

Laut Fromm verfolgt der Insolvenzverwalter das Ziel, Middelhoff zum Sündenbock zu machen und die weiteren zehn Beklagten in eine "argumentative Sippenhaft" zu nehmen.

"Die einzige, die an diesem Verfahren verdient, ist die Kanzlei Görg. Die Insolvenzmasse sieht keinen Cent", behauptet Fromm.

Teilen
Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.