
Wie Amazon der Polizei bei der Jagd auf Einbrecher helfen könnte
In Tom Hillenbrands Science-Fiction-Krimi „Drohnenland" wird alles überwacht, Täter werden mittels digitaler Datenspuren ermittelt und in dem ideenfreudigen Krimi mahnt Hillenbrand sogar, dass in einzelnen Staaten Verdächtige schon vor einer Tat verhaftet werden, wenn das Datenprofil ausreichend Übereinstimmung prognostiziert. Was das mit Amazon zu tun hat? Vielleicht mehr als manch einem Einbrecher lieb ist.
Das intelligente Empfehlungssystem auf Basis der Kundeneinkäufe kann aber auch mehr:
Nehmen wir zum Beispiel einen Glasrundschneider. Wir kennen solche Geräte aus dem "Tatort", wenn sich böse Buben ein Loch in die Verandatür schneiden, um in die Wohnung zu gelangen. So weit, so gewöhnlich. Derlei bekommt man auch an jeder anderen digitalen Ecke und womöglich braucht man das Werkzeug auch für den Einbau einer Katzenklappe.
Sicher ist das nicht.
Denn: "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch", sagt Amazon, beispielsweise eine "Sturmhaube Balaclava Skimaske 3 Loch Maske". Sie wissen schon: diese Maske, die die bösen Buben im "Tatort" immer tragen, damit sie vom überraschten Wohnungsbesitzer nicht erkannt werden.
Nun fragen wir uns: Zu welcher Nutzungssituation (jenseits von Krimi-Drehbüchern) kaufen Kunden von Sturmhauben (die unter anderem auch gerne Kampfmesser und Baseballschläger kaufen) obendrein einen Glasschneider? Und was sagt der Algorithmus über einen möglichen kommenden Verwendungsanlass? Im "Drohnenland" der Zukunft genügen oft schon wenige Verdachtsmomente im Vorfeld, um hinter WLAN-freien Gittern zu landen.
Und was, wenn nicht nur in dem von Tom Hillenbrand erdachten Europa der Zukunft dereinst die Polizei bei Amazon anklopft, und genau wissen möchte, welcher Kunde hinter solchen Einkäufen steckt, um dies dann womöglich mit Straftaten im Umfeld abzugleichen?
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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