Laut Capgemini nutzen 58 Prozent der Konsumenten generative KI-Tools anstelle klassischer Suchmaschinen, wenn sie nach Produkt- oder Serviceempfehlungen suchen. Adobe zufolge hat der Traffic, der über generative KI-Quellen auf Retail-Websites gelangt, zuletzt deutlich zugenommen. Der Einstieg in den Kaufprozess verschiebt sich.
Diese Entwicklung hat Folgen: Organische Suchergebnisse und bezahlte Anzeigen verlieren an Bedeutung, während KI-gestützte Empfehlungen an Relevanz gewinnen. Wie die Menschen in Deutschland diese Entwicklung wahrnehmen und welche Rolle KI heute bereits im Kaufprozess einnimmt, zeigt eine repräsentative Online-Befragung von Kantar, bei der vom 11. bis 15. Dezember 2025 insgesamt 1.049 Personen im Alter von 16 bis 64 Jahren in Deutschland befragt wurden. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region vorquotiert und im Anschluss gewichtet, sodass die Ergebnisse repräsentativ sind für die Online-Bevölkerung in Deutschland.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Mehrheit der Befragten KI grundsätzlich positiv gegenübersteht. Besonders dann, wenn KI dazu beiträgt, Kaufentscheidungen zu erleichtern, ist die Zustimmung ausgeprägt. Extreme Sichtweisen bleiben eher die Ausnahme: 16 Prozent betrachten KI als besonders große Chance, 9 Prozent als gravierendes Risiko für die Gesellschaft.
Ein genauerer Blick auf unterschiedliche Produktbereiche zeigt, dass die Akzeptanz zwischen den jeweiligen Branchen schwankt. In Bereichen wie Elektronik, Haushaltsgeräten oder Reisen ist etwa ein Drittel bereit, einer KI-Empfehlung zu folgen. Zurückhaltender fällt die Zustimmung bei Kategorien wie Finanzprodukten, Schmuck oder frei verkäuflichen Gesundheitsprodukten aus. In diesen Fällen spielt Vertrauen eine zentrale Rolle – Konsumenten bevorzugen hier offenbar zusätzliche Informationen oder klassische Beratung.
KI-Empfehlungen wirken sich offenbar schon heute auf die Markenwahl aus. Laut einer Erhebung von Croud und ImpactSense haben 42 Prozent der befragten Konsumenten bereits die Marke gewechselt, weil eine KI eine andere Option empfohlen hat. Accenture berichtet, dass jeder Zehnte KI inzwischen als vertrauenswürdigste Quelle für Kaufentscheidungen betrachtet – noch vor klassischen Empfehlungen oder Werbung. Für Händler und Marken verschiebt sich damit die Aufgabe: Es geht nicht mehr nur um Sichtbarkeit beim Verbraucher, sondern zunehmend auch um Relevanz in den Empfehlungssystemen selbst.
Neben der Offenheit treten aber auch klare Vorbehalte zutage. 63 Prozent befürchten, dass KI fehlerhafte oder unvollständige Antworten liefern könnte. Eine Mehrheit sieht zudem Risiken beim Umgang mit persönlichen Daten (58 Prozent) oder eine mögliche Einflussnahme großer Technologieplattformen (57 Prozent). Etwas weniger ausgeprägt ist die Sorge vor vermehrter Werbung (46 Prozent).
Selbst unter den KI-Befürwortern ist sich gut ein Drittel bewusst, dass Antworten unvollständig oder falsch sein können, und sorgt sich um die Datensicherheit. Die Technologie wird also nicht unkritisch akzeptiert, sondern reflektiert genutzt.
Die Befragung zeigt damit ein differenziertes Bild: KI hat bereits einen festen Platz im Kaufprozess, wird aktiv genutzt – und dennoch kritisch wahrgenommen. Vertrauen, Transparenz und nachvollziehbare Informationen sind aus meiner Sicht zentrale Faktoren dafür, ob Konsumenten KI-Empfehlungen dauerhaft in ihren Kaufprozess integrieren.
Der digitale Kaufprozess befindet sich in einer Phase der Transformation, in der KI eine zunehmend selbstverständliche Rolle übernimmt – jedoch ohne, dass Konsumenten ihre Anforderungen an Klarheit, Vollständigkeit und Verlässlichkeit der Informationen und Produktempfehlungen reduzieren. Ob sich die in unserer Befragung gemessene Akzeptanz auch in einem veränderten Kaufverhalten (z.B. direkt aus den KI-Systemen heraus) niederschlägt, lässt sich zum momentanen Zeitpunkt jedoch noch nicht absehen.

Director Market Understanding, Kantar
Stefanie Exel ist Director Market Understanding beim Marktforschungsunternehmen Kantar und Teil von Kantars globaler Sustainable Transformation Practice. Sie verantwortet die deutsche Nachhaltigkeitsforschung einschließlich internationaler Studien zu Nachhaltigkeit und Inklusion; ihre Forschungsschwerpunkte sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
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