
Zukunftsinstitut: So sieht der Handel morgen aus
„Salestrends“ heißt die neue Studie, die Matthias Horx‘ Zukunftsinstitut gerade veröffentlicht hat. Es geht um „Strategien für den erfolgreichen Handel von morgen“ und damit natürlich zu einem großen Teil um E-Commerce. Den Leser erwartet einmal mehr die vom Zukunftsinstitut gewohnte Mischung: viel Bekanntes übersichtlich zusammengefasst, ein paar neue Anregungen, viele konkrete Beispiele und massig Trendbegriffe, die auf „ing“ enden. Hier ein kleiner Blick in die Studie.
Der E-Commerce kann unter anderem mit „Curated Shopping 3.0“ punkten. Die möglichst einfühlsame Stilberatung lenkt den Kaufprozess. Das machen Läden wie Modomoto, 8select.de, Outfittery nach dem Vorbild des US-Händlers Trunk Club vor. Die Studie verweist auch auf den US-Herrenausstatter Bonobos, der fünf stationäre „Guide-Shops“ eröffnet hat. Hier können sich Kunden von engagierten Mitarbeitern persönlich beraten lassen. Ein freier Termin mit 45 Minuten wird über die Website gebucht. Neun von zehn Kunden, die zu einer Shop-Verabredung kommen, kaufen tatsächlich Ware ein.
Sogar beim Autokauf kann schon kuratiert werden: Über die Seite Check my Car kann man sich beim Gebrauchtwagenkauf beraten lassen. Am Telefon kostet das 29 Euro, wenn der Berater mit zum Gebrauchtwagenhändler kommt 99 Euro.
Der Gegentrend (die gibt’s ja immer!) zum Curated Shopping ist das sogenannte „Serendipity Shopping“ – das Kaufen, das nicht von Empfehlungen und algorithmen-gesteuerter Zielgruppenansprache bestimmt ist, sondern vom puren Zufall. Das „Überraschen lassen“ also. Als Beispiele nennt die Studie das Start-up Flavrbox.com aus Bristol, das an experimentierfreudige Kunden jeden Monat ein Paket mit zufällig zusammengestellten Lebensmitteln verschickt. Oder den Shop www.zufallsshirt.de von Kathrin Passig, der garantiert einzigartige T-Shirts anbietet, weil zufällig aus 41 Billiarden Motivvarianten ausgewählt wird.
Verkauft werden zunehmend nicht nur neue Artikel, sondern im Rahmen von Re-Commerce auch Gebrauchtes oder gar nicht Verwendetes. Sogar Hotelbuchungen sind auf diese Weise mittlerweile möglich. Roomers, ein israelisches Startup, ermöglicht es, bereits bezahlte Buchungen für Hotels in New York, San Francisco und Las Vegas an Dritte weiterzureichen. So entstehen „Secondary Markets“.
Dies und noch mehr über Augmented Shopping, interaktives Window-Shopping, iLoyalty, Swapping, Fabbing, Showrooming, Cross-Over-Shops, Co-Prosuming, Haul-Shopping, Globe-Shopper-Marketing und vor allem Smart Convenience in der Studie „Salestrends“, die für 210 Euro zzgl. Mehrwertsteuer beim Zukunftsinstitut angefordert werden kann.
Es ist wie so oft bei den einschlägigen Trendstudien – man weiß nicht genau: Ist das nun wirklich ein Trend, oder machen da nur irgendwo auf der Welt drei verschiedene Anbieter zufällig dasselbe? Und: Verdient man damit wirklich Geld? Eine unterhaltsam aufbereitete Materialsammlung sind die „Salestrends“ aber allemal.
Redakteur
Klaus Janke ist freier Autor und Journalist mit dem Schwerpunkt Marketing und Medien. Daneben betreut er Corporate-Publishing-Projekte. Von 2000 bis 2008 arbeitete er für HORIZONT, zunächst als Ressortleiter Internet, dann als Ressortleiter Marketing. Davor war er unter anderem für die „WAZ“, für „Prinz“, seine eigene PR-Agentur und als Chefredakteur für das „Journal Frankfurt“ aktiv. Klaus Janke lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und bloggt unregelmäßig auch hier: www.jankesbuntewelt.com.
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