Großhandelspreise im Juni 2026 weiter deutlich über Vorjahr
Die Verkaufspreise im Großhandel lagen im Juni 2026 um 4,9 Prozent höher als im Juni 2025. Das meldet das Statistische Bundesamt (Destatis). Damit blieb der Preisdruck im Vorjahresvergleich spürbar, schwächte sich jedoch gegenüber den Vormonaten ab: Im Mai hatte die Jahresrate noch bei 5,9 Prozent gelegen, im April bei 6,3 Prozent.
Gegenüber dem Vormonat zeigte sich dagegen eine Entlastung. Im Vergleich zu Mai 2026 sanken die Großhandelsverkaufspreise im Juni um 0,7 Prozent. Die Entwicklung verweist auf eine gemischte Preislage: Während einzelne Rohstoff- und Energiebereiche im Jahresvergleich weiterhin stark verteuert waren, gaben die Preise im Monatsvergleich in wichtigen Segmenten nach.
Energie und Rohstoffe treiben den Anstieg
Als ausschlaggebend für den Anstieg nennt Destatis die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten. In deren Folge verteuerten sich insbesondere Energieprodukte und Rohstoffe. Besonders stark fiel der Anstieg bei Mineralölerzeugnissen aus: Sie kosteten im Großhandel durchschnittlich 21,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gegenüber Mai 2026 gingen die Preise in diesem Bereich allerdings um 6,8 Prozent zurück.
Auch Nicht-Eisen-Erze, Nicht-Eisen-Metalle und entsprechendes Metallhalbzeug verteuerten sich im Vorjahresvergleich kräftig. Die Preise lagen hier um 31,0 Prozent über dem Niveau von Juni 2025. Im Vergleich zum Vormonat Mai sanken sie zugleich um 2,7 Prozent. Weitere Preissteigerungen verzeichnete der Großhandel mit chemischen Erzeugnissen, die gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,9 Prozent teurer waren. Eisen, Stahl und Halbzeug daraus kosteten 8,2 Prozent mehr als im Juni 2025.
Preisrückgänge bei Tieren, Kaffee und Milchprodukten
Nicht alle Warengruppen waren von steigenden Preisen betroffen. Deutliche Rückgänge gab es im Großhandel mit lebenden Tieren. Hier lagen die Preise 16,0 Prozent unter dem Vorjahresniveau und 3,9 Prozent unter dem Wert des Vormonats. Ebenfalls günstiger als ein Jahr zuvor waren Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze mit einem Minus von 10,0 Prozent. Im Monatsvergleich sanken die Preise in dieser Warengruppe um 3,7 Prozent.
Auch bei Milch, Milcherzeugnissen, Eiern, Speiseölen und Nahrungsfetten wurden niedrigere Großhandelspreise gemeldet. Sie lagen im Durchschnitt 8,5 Prozent unter dem Stand von Juni 2025 und 0,8 Prozent unter dem Niveau von Mai 2026.
Einordnung
Die Daten zeigen, dass sich der Preisanstieg im Großhandel zwar abschwächt, zentrale Rohstoff- und Energiebereiche aber weiterhin erheblich über dem Vorjahresniveau liegen. Für die Gesamtentwicklung im Juni 2026 waren vor allem Mineralölerzeugnisse sowie Nicht-Eisen-Metalle maßgeblich. Gleichzeitig dämpften Preisrückgänge in ausgewählten Agrar- und Lebensmittelbereichen die Entwicklung. Weitere Ergebnisse stellt Destatis im Statistischen Bericht „Index der Großhandelsverkaufspreise“ sowie über GENESIS-Online und das „Dashboard Konjunktur“ bereit.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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