Rumäniens Online-Handel verliert nach Wachstumsjahren an Tempo
Der rumänische E-Commerce-Markt hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich an Dynamik eingebüßt. Nach mehreren Jahren kräftiger Expansion blieb die Zahl der Online-Bestellungen gegenüber dem Vorjahr unverändert, während der Umsatz nominal lediglich um vier Prozent zulegte. Bei einer Inflation von mehr als zehn Prozent bedeutet das real einen Rückgang. Die Entwicklung verweist auf eine spürbare Abschwächung der Nachfrage im lokalen Online-Handel, der in der Analyse von MerchantPro als aggregierter Umsatz rumänischer Online-Händler definiert wird. Darüber berichtet Romania-Insider.com.
Ein stabilisierender Faktor war der durchschnittliche Warenkorb: Der durchschnittliche Bestellwert stieg im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf 57 Euro je Bestellung. Dennoch reichte dieser Zuwachs nicht aus, um die stagnierenden Bestellmengen und den Inflationsdruck auszugleichen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet MerchantPro, dass der Markt ein Volumen von mehr als 8,5 Milliarden Euro erreicht. 2025 hatte der rumänische Online-Handel bereits die Marke von 8,1 Milliarden Euro überschritten.
Die Entwicklung der einzelnen Warengruppen fiel sehr unterschiedlich aus. Besonders stark schnitt der Bereich Elektronik, Gadgets und Zubehör ab: Der Umsatz stieg um 42 Prozent gegenüber Vorjahr, die Zahl der Bestellungen um 35 Prozent. MerchantPro führt das Wachstum sowohl auf eine größere Kundenbasis als auch auf einen höheren durchschnittlichen Bestellwert zurück. Zudem könnten Käufe, die 2025 wegen politischer und fiskalischer Unsicherheit aufgeschoben wurden, nun nachgeholt worden sein.
Auch der Pharmabereich entwickelte sich positiv. Der Umsatz legte um 26 Prozent zu, während die Bestellzahl um mehr als 30 Prozent wuchs. Der durchschnittliche Bestellwert ging jedoch leicht zurück. Sportartikel und Lebensmittel erzielten jeweils ein Umsatzplus von mehr als zehn Prozent, vor allem getragen durch höhere Bestellvolumina. Bücher und Musik kamen auf 16 Prozent Wachstum, vor allem dank eines höheren durchschnittlichen Warenkorbs.
Auf der anderen Seite standen deutliche Rückgänge in konsumnahen Kategorien. Beauty verzeichnete mit 20 Prozent Umsatzminus die schwächste Entwicklung; die Zahl der Bestellungen sank um 21 Prozent. Auch Kinderprodukte gaben nach: Der Umsatz fiel um acht Prozent, die Bestellmenge um 18 Prozent. Mode blieb ebenfalls unter Druck, mit einem Umsatzrückgang von einem Prozent und zwei Prozent weniger Bestellungen. Wohnen und Dekoration wuchs dagegen moderat um knapp vier Prozent.
Insgesamt zeigt die Analyse ein Marktbild mit klarer Spreizung: Während einzelne Segmente weiterhin kräftig wachsen, ist die Breite des rumänischen Online-Handels im ersten Halbjahr 2026 in eine Phase der Stagnation geraten. Entscheidend bleibt, ob höhere Warenkörbe und starke Kategorien die schwächere Nachfrage in anderen Bereichen ausgleichen können.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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