Bauhaus-Marktplatz wächst im ersten Jahr deutlich
Ein Jahr nach dem Start seines Online-Marktplatzes zieht Bauhaus eine klare Zwischenbilanz: Die Plattform zählt inzwischen 100 Partnerverkäufer und hat das Sortiment um fast 100.000 neue Artikel erweitert, wie Ecommercenews.eu berichtet. Für die Handelsgruppe, die Produkte für Heimwerken, Garten und Werkstatt anbietet, markiert der Ausbau einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung ihres digitalen Angebots.
Bauhaus wurde in Deutschland gegründet, hat seinen Sitz heute in der Schweiz und betreibt neben dem digitalen Marktplatz stationäre Märkte in insgesamt 19 europäischen Ländern. Der Marktplatz ergänzt damit ein bestehendes Handelsnetz, das sowohl auf klassische Filialen als auch auf digitale Sortimentsausweitung setzt. Für den E-Commerce bedeutet der Ausbau vor allem mehr Auswahl in Produktbereichen, die über das eigene Sortiment hinausgehen.
Nach Angaben des Unternehmens erfüllen die neuen Marktplatzartikel zentrale operative Anforderungen: Sie erhalten gute Bewertungen, die Partnerverkäufer liefern pünktlich, und die Retourenquoten liegen auf einem vergleichbaren Niveau mit dem eigenen Bauhaus-Sortiment. Damit deutet Bauhaus an, dass die Erweiterung nicht nur quantitativ, sondern auch mit Blick auf Verlässlichkeit und Kundenerfahrung funktioniert.
Die eigentliche Herausforderung begann laut Chief Digital Officer Johannes Wechsler jedoch erst nach dem Livegang der Produkte. Zwar stellten Marktplatzartikel einen großen Teil des Sortiments, sie erhielten aber nur einen sehr geringen Anteil der Produktseitenaufrufe. Wechsler beschreibt dies nicht als Absatzproblem, sondern als Sichtbarkeitsproblem: Die Artikel waren vorhanden, wurden von Kundinnen und Kunden aber zu selten gefunden.
Als Reaktion darauf hat Bauhaus den Suchalgorithmus angepasst, damit neue und relevante Produkte in den Suchergebnissen besser sichtbar werden. Für Online-Marktplätze ist dieser Schritt zentral, weil ein breiteres Sortiment nur dann Wirkung entfaltet, wenn es in der Customer Journey auch auffindbar ist. Die Optimierung der Suche ist damit weniger ein technisches Detail als ein entscheidender Hebel für die Nutzung des erweiterten Angebots.
Zusätzlich entwickelte Bauhaus eine sogenannte Whitespot-Strategie, um gezielt Lücken im Sortiment zu schließen. Dadurch kann das Unternehmen spezialisierte Marken, zusätzliche Preispunkte oder bestimmte Produkttypen bewusster integrieren. Der Marktplatz wird so nicht allein über Masse skaliert, sondern über eine strukturierte Ergänzung des bestehenden Angebots. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Produkte Kundinnen und Kunden tatsächlich fehlen.
Auch bei den Zahlungsoptionen hat Bauhaus nachgebessert. Die Erweiterung soll eine einheitlichere Kundenerfahrung schaffen, wenn Produkte von Partnerverkäufern gekauft werden. Gerade im Payment-Bereich kann eine konsistente Abwicklung entscheidend sein, damit Marktplatzkäufe nicht als Bruch im Einkaufserlebnis wahrgenommen werden. Bauhaus stärkt damit die Verbindung zwischen eigenem Sortiment und Partnerangeboten.
Die erste Jahresbilanz zeigt damit einen Marktplatz, der schnell gewachsen ist, zugleich aber operative Feinarbeit benötigte. Entscheidend ist nicht nur die Zahl der neuen Artikel, sondern deren Sichtbarkeit, Qualität und Integration in die bestehende Einkaufslogik. Bauhaus positioniert den Marktplatz damit als strategische Sortimentserweiterung — getragen von Partnern, verbessert durch Suche, Sortimentssteuerung und Zahlungsprozesse.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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