Kurator ordnet Kleidung in industriellem Concept Store mit Betonwänden
© Black Forest Labs / Flux

Voo Store verabschiedet sich vom Online-Handel

Der Berliner Concept Store Voo beendet seinen regulären Online-Verkauf und konzentriert sich wieder auf den Laden in Kreuzberg, meldet Retail-News.de. Grund für die Restrukturierung: Binnen eineinhalb Jahren sei der Online-Umsatz um 30 bis 25 Prozent geschmolzen und der Gesamt-Umsatz 2025 um 15 Prozent. Die Website bestehe weiter und biete künftig redaktionelle Inhalte und gelegentliche Drops.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Voo Store zieht sich aus dem regulären Online-Verkauf zurück

Der Berliner Concept Store Voo beendet seinen regulären Online-Verkauf und richtet sein Sortiment künftig wieder konsequent auf den stationären Laden in der Oranienstraße 24 in Kreuzberg aus. Wie Retail-News.de meldet, ist der Schritt Teil einer wirtschaftlichen Neuausrichtung. Nach außen kommuniziert Voo die Entscheidung als Rückbesinnung auf persönliche Begegnung, Beratung und das physische Einkaufserlebnis. Wirtschaftlich markiert sie zugleich eine klare Abkehr von der Annahme, ein relevanter Fashion-Store müsse dauerhaft auch ein vollwertiger Online-Händler sein.

Die Zahlen geben der Entscheidung Gewicht: Innerhalb von rund eineinhalb Jahren ging der Online-Umsatz laut Management um 30 bis 35 Prozent zurück, der Gesamtumsatz sank 2025 um 15 Prozent. Während der Online-Kanal früher rund 60 bis 65 Prozent des Umsatzes ausmachte, lag sein Anteil zuletzt nur noch bei etwa 45 bis 50 Prozent. Bereits zuvor hatte CEO Ozan Akcay deutlich gemacht, dass Voo diesen Anteil nicht wieder auf das frühere Niveau heben wolle. Stattdessen sollte das stationäre Geschäft perspektivisch wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Die Website bleibt bestehen, erhält aber eine neue Funktion. Sie soll künftig Updates, redaktionelle Geschichten, Hinweise auf Veranstaltungen und ausgewählte Produkte zeigen. Auch gelegentliche Drops oder Überraschungs-Releases sind vorgesehen. Ein dauerhaft verfügbarer Shop mit regulärem Sortiment ist dagegen vorerst nicht mehr geplant. Damit wird aus einer zunächst vorübergehenden Einschränkung des Online-Bestellens eine strategische Positionierung: Voo setzt auf Store statt Warenkorb und macht den Laden selbst wieder zum zentralen Ort der Marke.

Für den unabhängigen Modehandel ist der Schritt bemerkenswert. Voo gilt als international bekannter Berliner Multibrand-Händler und steht damit exemplarisch für eine Branche, in der digitaler Vertrieb lange als notwendige Voraussetzung für Reichweite und Relevanz galt. Der Rückzug zeigt jedoch, wie belastend ein professioneller E-Commerce-Betrieb für kleinere Anbieter werden kann: Sortiment und Bestände müssen digital gepflegt, Produkte fotografiert und beschrieben, Bestellungen abgewickelt, Retouren bearbeitet und der Kundenservice organisiert werden. Gleichzeitig bindet das Online-Geschäft Kapital, Personal und Management-Aufmerksamkeit.

Voo hatte bereits Anfang des Jahres auf zwei zentrale Probleme verwiesen: eine zu starke Ressourcenbindung im Online-Geschäft und eine aus Sicht des Managements ungünstige Verteilung des Einkaufsbudgets auf die geführten Marken. Gewinne aus den Jahren 2021 bis 2023 konnten die jüngsten Verluste zwar teilweise auffangen, dennoch verliefen die zweite Jahreshälfte 2024 und das Geschäftsjahr 2025 negativ. Die aktuelle Entscheidung ist deshalb mehr als ein kommunikativer Kurswechsel. Sie ist ein Versuch, die Struktur des Geschäfts an die tatsächliche Ertragslage anzupassen und das Profil des Stores zu schärfen.

In der Botschaft „There is something special about being in the same room“ verdichtet sich die neue Linie. Voo verweist auf Qualitäten, die digital nur begrenzt reproduzierbar sind: Kollektionen unmittelbar erleben, Kleidung anprobieren, Beratung erhalten und Produkte entdecken, nach denen Kundinnen und Kunden nicht gezielt gesucht haben. Für den Händler wird das physische Einkaufserlebnis damit nicht zur Ergänzung des Online-Kanals, sondern zum strategischen Kern des Geschäftsmodells.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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